GV im Velodrome
Wenn sich 3275 Swatch-Aktionäre treffen, ists immer noch familiär

Es war das dritte Mal in Folge, dass die Swatch GV in Grenchen stattfand. Alles lief ab wie ein Uhrwerk. Oder fast.

Andreas Toggweiler
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Der Regionalzug ist voller Swatch-Aktionäre
31 Bilder
Gedränge auf Schiene und Strasse.
Zwei Wege führen zum Velodrome
Swatch-Aktionäre zu Fuss auf dem Weg zum Velodrome
Wer nicht laufen mag: Ein Bus chauffiert die Aktionäre zur GV
Es braucht Parkeinweiser
Die mehreren hundert Parkplätze bei der Badi und rund ums Velodrome waren bald voll
Nichts wie rein
Die Aktionäre melden sich an und erhalten eine Tüte
Ist Teil der Dividende: Eine Swatch.
Darfs noch was zu lesen sein?
Weiteres Gadget: Eine Brille.
Nick Hayek entspannt vor der GV
Nick Hayek macht sich auf den Weg
Bitte Platz nehmen
3275 Swatch-Aktionäre bevölkerten das Velodrome
Die meisten waren reiferen Alters
Die Swatch-Spitze informierte ihre Aktionäre.
Nick und Nayla Hayek, CEO und Verwaltungsratspräsidentin
Wegen des starken Frankens konzentriere sich die Diskussion derzeit auf die Forschung und Entwicklung, sagte Nayla Hajek, Verwaltungsratspräsidentin der Swatch Group
Swatch-Chef Nick Hayek bezeichnete die Technologie als Stärke seiner Gruppe
Das elektronische Knowhow von Swatch komme nicht nur der Uhrenindustrie zugute. Es werde auch von anderen Unternehmen im In- und Ausland verwendet.
Hier gabs dann noch etwas zu Essen

Der Regionalzug ist voller Swatch-Aktionäre

Hansjörg Sahli

Es sei deutlich ruhiger als vor einem Jahr, stellte Velodrome Chef Peter Wirz gestern kurz vor zehn Uhr fest. Zu diesem Zeitpunkt hatte er durchaus recht mit dieser Beobachtung. Als Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek nämlich die GV pünktlich eröffnete, waren viele Sitze noch leer. Mehrere hundert Aktionäre waren in Zürich im Zug steckengeblieben und mussten in den Intercity nach Genf umsteigen, der danach unplanmässig in Grenchen anhielt.

Per pedes oder mit dem Shuttle-Service des BGU, der zwischen beiden Bahnhöfen und dem Parkplatz verkehrte, trafen sie doch noch rechtzeitig vor den Abstimmungstraktanden ein.
«Wir wären bereit gewesen», sagt BGU-Chef Hans Rudolf Zumstein, der sich vor dem Velodrome gleich selbst als Passagier-Lotse betätigte und seine Buschauffeure am Funkgerät dirigierte. Turbulent, aber im Gegensatz zur Bahn vorhersehbar, gings auch auf der Strasse zu, wo sich der Verkehr noch auf der Autobahn zu stauen begann. Die mehreren hundert Parkplätze bei der Badi und rund ums Velodrome waren bald voll und so wurden die Autos auf der Staadstrasse aufgereiht.

Die Polizei hat damit gerechnet und entsprechend disponiert. «Es hat sich in den letzten Jahren herumgesprochen, dass man hier im Gegensatz zu anderen GVs mit dem Auto kommen kann, weil es genug Parkplätze hat», erklärt Michael Herzog, Chef der Verkehrspolizei-Abteilung bei der Stapo.

Die Bewältigung des Anreiseverkehrs sei dennoch eine Herausforderung, meint er. Ganz im Gegensatz zur Abreise, denn da verteile sich der Verkehrsstrom über Stunden. «Viele kommen nur, um ihre Swatch-Uhr abzuholen, andere bleiben zur GV und wieder andere Reisen erst nach dem Apéro ab. Das macht es für uns viel einfacher», erklärt Herzog. Nebst Polizei und BGU sind vor allem die Betreiber der Lokalität gefordert.

Nayla Hayek legt wert auf Stil, weshalb das Velodrome jeweils vor der GV alle Werbung überkleben lässt. Nach der Versammlung ist dann Peter Traubs Fotra gefordert, wenn sich Tausende bei einem Apéro riche verlustieren wollen. «Da kann man nichts dem Zufall überlassen», weiss Traub und stellt selber noch ein paar Stühle auf für Gäste, welche sich lieber an der frischen Luft verpflegen. Etwa 120 Personen seien fürs Catering im Einsatz, lässt er durchblicken.

Im Innern des Riesenzeltes gibts derweil Häppchen und Getränke à discrétion. Sogar ein Buffet für Veganer hat Traub diesmal auffahren lassen. Enttäuscht wurden höchstens die eingefleischtesten Swatch-Fans: «Sorry, die neue NFC-Swatch gibts erst ab Juni», wurde am Verkaufsstand beschieden.

Was solls. Es gibt ja für alle eine Swatch, diesmal mit der Zahl 51 auf dem Zifferblatt, die daran erinnern soll, dass diese Uhr aus 51 Teilen besteht. Nayla und Nick Hayek redeten überhaupt viel von Technik, von Patenten und von der Überlegenheit der Schweizer Uhr. Vom 1801 durch Louis Breguet patentierten Tourbillon bis zur neusten antimagnetischen Omega, einer Rado aus farbiger Keramik oder der (mechanischen) Swatch System 51, welche alleine über 15 Patente auf sich vereinige.

Die Aktionäre gaben sich recht zahm und schluckten alle Vorlagen der Chefs, darunter auch deren Löhne, die sich Summa summarum auf knapp 40 Mio. Fr. belaufen (fixe und variable Vergütungen für Konzernleitung und Verwaltungsrat). Erstmals wurde ein Gadget zur elektronischen Abstimmung verteilt. Mit zwei Dritteln der Stimmen beschlossen die 3275 Aktionäre aber, weiterhin mit offenem Handmehr abzustimmen.