Da hat Harriet (Evi Fasolin) einen ganz ausgeklügelten Plan geschmiedet: Mit dem Haushaltsgeld ihrer zwei Affären, die nichts voneinander wissen, verdient sie sich ihr luxuriöses Leben und führt die beiden Männer so professionell an der Nase herum, dass diese nichts ahnen: Jeder denkt von sich, der einzige in Harriets Leben zu sein.

Alles funktioniert prima, bis an einem Abend alles aufzufliegen droht, da einer der beiden Liebhaber auf einem Fisch ausrutscht und wegen seines Beinbruchs die Wohnung seiner Geliebten nicht mehr verlassen kann.

Den Auftakt für «Ein Schlüssel für Zwei» gab die Schopfbühne erfolgreich an der Premiere vom letzten Mittwoch, dem zweiten und letzten Stück ihrer Saison. Anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums wurden in diesem Jahr ausnahmsweise gleich zwei Produktionen auf die Bühne gebracht, die erste bereits im Frühling. Benjamin Obrecht, ein langjähriges Mitglied des Ensembles, der in die Rolle des Liebhabers Alec schlüpft, führte erstmals Regie, und dies, wie sich am Endprodukt erkennen lässt, mit Raffinesse. Auch alle Darstellerinnen und Darsteller glänzen mit ausserordentlichen Leistungen.

Gutes Timing ist essenziell

In der Komödie der erfolgreichen BBC- und Theaterautoren, John Chapman und Dave Freeman, ist Chaos vorprogrammiert. Ein Ärgernis jagt das nächste, an eine Verschnaufpause für Harriet ist nicht zu denken. Nicht nur, dass sich die beiden Liebhaber Alec und Gordon (Giuseppe Graziano) wegen des Unfalls plötzlich gleichzeitig unter einem Dach befinden, es kommen noch mehr Besucher, die die Protagonistin regelrecht ins Schwitzen bringen. Zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Ann (Elli Suter) versucht sie, das Geheimnis mit ihren Improvisationskünsten aufrecht zu erhalten. Spannung ist dem Publikum von Anfang bis Schluss garantiert.

Die Stärke von «Ein Schlüssel für Zwei» liegt nicht in einer tiefgründigen Handlung, sondern in überragender Situationskomik und Sprachwitz. Damit das Beste aus den humorvollen Situationen herausgeholt werden kann, braucht es unglaubliches Geschick und Gespür aller Schauspielerinnen und Schauspieler der Laienbühne. Alles muss auf die Sekunde genau stimmen. Das ist dem ganzen Ensemble geglückt. Zuschauer mögen sich nicht wundern, wenn sie sich Lachtränen aus den Augen wischen. Richard (Frank Platta), der betrunkene Ehemann von Ann, sowie die beiden betrogenen Gattinnen Mildred (Pia Schild) und Magda (Lilian Jeannerat) tragen noch zur Steigerung der Komik bei.

Das Stück zeichnet sich auch mit den sich überschlagenden Ereignissen durch rasches Tempo aus. Es scheint Absicht, dass der Zuschauer durch die vielen gesponnenen und skurriler werdenden Lügengeschichten den Überblick immer wieder kurz verlieren muss und nicht mehr weiss, wessen Identität gerade eine Figur angenommen hat. Doch dies trägt sogar zum Theatergenuss bei.

«Ein Schlüssel für Zwei» wird noch bis 26. November gespielt. Jeweils mit einer Ausnahme Freitag bis Sonntag. Vorstellungsbeginn: Fr und Sa, je 20 Uhr; So, 17 Uhr. Tickets-Vorbestellung: www.schopfbuehne.ch