Die Schweizer Bettproduzentin Hüsler Nest hat Quartier in Grenchen bezogen. Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler machte am neuen Firmensitz an der Flughafenstrasse einen Besuch.

Die ganze Woche herrschte auf dem Areal der neu angesiedelten Firma Hochbetrieb, denn erstmals waren die Vertreter der Wiederverkäufer zu einer Hausmesse an den neuen Firmenstandort in Grenchen eingeladen, was auch den Anlass zu einem Besuch der Regierungsrätin bot. «Es war eine strenge Woche mit Betrieb teilweise bis in die Nacht hinein», blickte Firmenchef Adrian Hüsler zurück.

Holzbearbeitungsroboter bei Hüsler Nest in  Grenchen

Holzbearbeitungsroboter bei Hüsler Nest in Grenchen

Der Schweizer Betten-Hersteller hat seine Produktion nach Grenchen verlagert und gab Einblick in seine Fabrik. Dank hohem Grad an Automatisierung und klarer Marktpositionierung hinsichtlich natürlicher Materialien kann man überhaupt in der Schweiz produzieren.

Produktion jetzt auch in Grenchen

Das Publikum bekam dabei einiges zu sehen, denn im Frühjahr ist auch die Produktion von einem eingemieteten Standort in Zuchwil nach Grenchen umgezogen. Die Firma hatte schon früher aus Platzgründen ihren Sitz von Oberbipp nach Grenchen verlegt, in eine seit längerer Zeit leerstehende Liegenschaft der untergegangenen Firma Ramseier Technology. Die Liegenschaft in Oberbipp wurde an die Volg verkauft.

Adrian Hüsler ist seither Schritt für Schritt daran, das Gebäude zu sanieren, insbesondere die marode Aussenhülle. Ansonsten entsprächen aber die Liegenschaft und der Standort den Bedürfnissen der Firma in idealer Art und Weise, gab Hüsler angesichts des regierungsrätlichen Besuches zu verstehen. Nicht zuletzt dank der Vermittlung des Stadtpräsidenten sei man mit der Verkäuferin Espace Real Estate rasch handelseinig geworden, sagte Hüsler.

François Scheidegger sprach von der «unkompliziertesten Ansiedlung, die ich bisher erlebt habe» und unterstrich die Bedeutung des Newcomers als willkommene Diversifikation im industriellen Portfolio der Stadt. Er betonte auch, dass für die Industriezone an der Neckarsulmstrasse noch weitere Kohlen im Feuer sind mit Ansiedlungen neuer Unternehmen bzw. (Aussiedlings-)Projekten von Grenchner Firmen. «Wir haben hier eines der grössten industriellen Entwicklungsgebiete im Kanton», rief Scheidegger in Erinnerung.

«Fachleute» unter sich

Esther Gassler – auch ganz Forstdirektorin – fachsimpelte anlässlich des Rundgangs mit Adrian Hüsler zunächst über verschiedene für die Bettenherstellung benötigte Holzsorten bzw. fehlende Sägereikapazitäten für gewisse Hölzer in der Schweiz. Die Regierungsrätin, die auf Ende der Legislatur zurücktritt, war immer wieder in Unternehmen in der Region Grenchen anzutreffen, so bei den Sinterwerken oder bei der Firma Jowissa Bettlach.

Sie zeigte sich interessiert an einem Unternehmen, das trotz teurer Arbeitskraft Konsumgüter in der Schweiz produziert. Nein, eine Abschiedstournee durch die Solothurner Wirtschaft unternehme sie nicht, meinte Gassler auf Anfrage. Es herrsche Business as usual bis zur Amtsübergabe.

Wieso einheimische Produktion bei Hüsler Nest möglich ist, zeigte unter anderem ein Blick in die Schreinerei, wo die Bettgestelle und Einlegeroste hergestellt werden. Die teilweise sehr komplizierten Einzelteile aus Hartholz werden auf einem computergesteuerten Bearbeitungszentrum hergestellt. Der Roboter kann dabei Geisterschichten von mehreren Stunden Dauer und Dutzenden von Bearbeitungsschritten autonom bewältigen.

Trotz des Einsatzes von Hi-Tech bei der Herstellung sind die Hüsler-Nest-Betten bekanntermassen von a–z aus Naturmaterialien hergestellt. Bei den 1982 von Balthasar Hüsler entwickelten Schlafsystemen kommen nebst Holz vor allem Latex (Naturgummi vom Gummibaum) und Wolle zum Einsatz. Die verwendeten Hölzer stammen dabei laut Hüsler aus Nordeuropa, da das langsamer gewachsene Holz stabiler und hochwertiger sei. Verwendet wird neben Buchen- vor allem Espenholz. «Die Kombination dieser beiden Hölzer ergibt das für unsere Bedürfnisse nötige Zusammenspiel von Festigkeit und Elastizität», erklärt Hüsler.

Moderne Optik

Handgestricktes Image samt zugehöriger Optik sind dabei allerdings längst passé. Offenbar konnte man sich der aktuellen Boxspring-Optik, die heute im Trend ist, anpassen, und elektrisch verstellbar sind die Betten nach Wunsch auch. Ab einem Preis von etwa 3000 Franken für ein komplettes Bett ist man dabei. Für ein Doppelbett mit allem Komfort und edlem Finish kann man aber auch in die Preiskategorie eines Kleinwagens vorstossen. Ein Blick in den Showroom zeigt das aktuelle Angebot. Dieser soll nun in den nächsten Monaten noch zu einem Laden ausgebaut werden, der das Hüsler-Nest-Geschäft in Solothurn ablösen wird.