Grenchen
Wenn man ein Spital schliesst und trotzdem weiter nutzt: Hoher Besuch im Sunnepark

St. Galler Regierungsrat nahm Augenschein im Gesundheitszentrum Sunnepark Grenchen.

Andreas Toggweiler
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Von links: Willi Gyger (Verwaltungsratspräsident Solviva AG), Beni Würth, Heidi Hanselmann und Felix Sennhauser (Delegation St. Gallen) und Stadtpräsident François Scheidegger.

Von links: Willi Gyger (Verwaltungsratspräsident Solviva AG), Beni Würth, Heidi Hanselmann und Felix Sennhauser (Delegation St. Gallen) und Stadtpräsident François Scheidegger.

Oliver Menge

Eine Delegation der St. Galler Regierung unter der Leitung von Regierungspräsidentin und Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann (SP) hat gestern das Gesundheitszentrum Sunnepark im ehemaligen Spital Grenchen besucht. Dies mit dem Ziel, sich über den Betrieb eines spezialisierten Pflegezentrums zu informieren, wie es der Sunnepark darstellt.

Inspiration für die St. Galler Spitallandschaft?

Im Kanton St. Gallen sollen weitere Spitalstandorte im Zuge von Sparbemühungen geschlossen werden. Mitte Januar wurde bekannt, dass sich Willi Gyger mit seiner Solviva-Gruppe, die den Sunnepark in Grenchen betreibt, für das von der Schliessung bedrohte Spital Wattwil interessiert. Er möchte das Spital nach dem Vorbild des Grenchner Sunnepark umnutzen, als spezialisiertes Pflegeheim für Personen, die eine intensive Pflege beanspruchen. Dies müssen keineswegs nur ältere Menschen sein. So hat laut Willi Gyger in Grenchen eine Zusammenarbeit mit dem Paraplegikerzentrum Nottwil begonnen für Patienten, die für die Langzeitpflege (z. B. Tetraplegiker mit künstlicher Beatmung) nach Grenchen verlegt werden. Laut Gyger könnte in Wattwil ein vergleichbares, spezialisiertes Pflegezentrum für ein weiteres Einzugsgebiet entstehen, mit ärztlichen Annexbetrieben nach dem Vorbild des Sunnepark in Grenchen. Erst vor 18 Monaten wurde nämlich im Spital Wattwil ein neuer Bettentrakt eröffnet.

«Wir stehen in der Phase der Erarbeitung der Botschaft an den Kantonsrat», erklärte die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann anlässlich ihres Besuches in Grenchen. Es würden für die Zukunft des Spitals Wattwil mehrere Optionen geprüft. Die 17-köpfige Delegation aus dem Kanton St. Gallen, darunter mit Beni Würth (CVP) ein weiterer St. Galler Regierungsrat sowie Prof. Felix Sennhauser, medizinischer CEO des Kinderspitals Zürich und Präsident des Spitalverbands St. Gallen, liess sich von Willi Gyger durch die Räume des Sunnepark führen.

Lob für Engagement von Willi Gyger

Stadtpräsident François Scheidegger richtete zu Beginn ein paar Worte an die Ostschweizer Gäste und erzählte, wie sich die Grenchner Bevölkerung einerseits äusserst schwertat mit der Spitalschliessung, die Stadt aber anderseits froh sei über das Engagement von Investor Willi Gyger in Grenchen. Denn die Spitalschliessung sei für die Stadt ein markanter Einschnitt gewesen. Zum Glück verfüge man noch über den eigenen Rettungsdienst.

Gyger hat mit seiner Solviva-Gruppe das vom Kanton geschlossene Spital im Baurecht übernommen und zu einem Alters- und Gesundheitszentrum umgebaut. Zurzeit läuft eine weitere Ausbauphase, indem auf dem Gelände des abgerissenen alten Spitals mehrere Mehrfamilienhäuser mit Pflege- und Alterswohnungen, aber auch «normalen» Wohnungen erstellt werden. Die Idee ist, dass die Bewohner dieser Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gesundheitszentrum Sunnepark von der Infrastruktur und den Dienstleistungen des Heims profitieren können.