«Was lange währt, wird endlich gut»: In sechsjähriger Arbeit hat Jan Swager van Dok einen ziemlich durchgerosteten Porsche 912 Targa von Grund auf restauriert und wieder fahrtüchtig gemacht.

Am 6. September war es so weit. Das irisch-grüne Bijou wurde von der Motorfahrzeugkontrolle für den Verkehr zugelassen. Wer aber jetzt glaubt, der Physiotherapeut werde mit seinem 90-PS-Gefährt regelmässig durch die Gegend brausen, irrt gewaltig.

«Sicher werde ich hie und da eine Ausfahrt machen, aber normalerweise werde ich weiterhin mit dem Fahrrad unterwegs sein», meint er dazu.

Konto für BMC-Velo geplündert

Wie aber wird denn ein passionierter und ambitionierter «Gümmeler» zum ebenso leidenschaftlichen Schrauber? «Schon mein Schwiegervater in Holland war ein begeisterter Bastler und Tüftler.

Ich bin ihm jeweils zur Hand gegangen und wurde wohl von diesem Virus infiziert», erklärt der 54-Jährige mit einem Lächeln. Es sei immer sein Traum gewesen, einen Porsche zu besitzen. Um diesen zu erfüllen, hat er vor gut 15 Jahren ein Porsche-Konto eröffnet, dieses aber «geplündert», als ihm ein wunderschönes BMC-Rennrad angeboten wurde. Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt mit der Spezial-Finanzierung.

Über das Internet und einen holländischen Händler hat sich schliesslich der Kontakt zu einem verkaufswilligen Besitzer eines 912er aus dem kalifornischen Napa Valley ergeben.

An die 1000 Stunden Arbeit

Im Herbst 2010 konnte er sich an die Arbeit machen. Ausser dem Motor, den er bei Walter Zwahlen in Thörishaus revidieren liess, hat er so ziemlich alles selber erneuert, hat Handbücher konsultiert, sich mit Porsche-Freunden im Netz beraten. Der Samstag war jeweils Werktag. So um die 1000 Stunden hat er in den sechs Jahren investiert.

«Ich hatte jede Schraube mindestens einmal in den Händen», erklärt der vielseitig Begabte. Und wenn es nötig wurde, konnte er auf die Hilfe von Freunden und Bekannten zählen. Etwa beim heiklen Einsetzen der Heckscheibe: «Hier war es wichtig, dass mit gleichmässigem Druck gearbeitet wurde.

Dank der Mithilfe von fünf Kollegen, ist dies denn auch gelungen.» Am meisten zu schaffen gemacht hat ihm aber das Entfernen und Ersetzen der Torsions-Federung. Sechs Wochen hat der Murks gedauert, dabei gingen drei Gebrauchsteile kaputt. Nachdem Jan Swager van Dok dem Ganzen mit Gasbrenner und Eisspray zu Leibe gerückt war, fand der Spuk doch noch ein glückliches Ende.

Ein günstigerer 911er

Der Porsche 912 wurde in den 1960er- Jahren als preisgünstigere Alternative zum 911er auf den Markt gebracht. Er ist mit einem Vierzylinder-Motor ausgestattet und damit mit zwei Zylindern weniger als sein berühmterer Bruder.

90 Pferdestärken treiben ihn auf eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Laut Experten wird aber die geringere Leistung mit einem grösseren Fahrkomfort mindestens wettgemacht. Der Porsche 912 war während seiner Bauzeit zeitweilig das meistverkaufte Modell aus der Stuttgarter Fabrikation.

1965–1969 entstanden etwa 32 000 Stück, mehr als vom teureren und leistungsstärkeren 911, der es von 1963 bis 1974 auf insgesamt etwas über 80 000 Exemplare brachte.
Es gibt zwei 912er-Modelle.

Im Mai 1975 erschien auf Basis des G-Modells für den US-Markt der 912E, der die Zeit bis zum Erscheinen des 924 in den Vereinigten Staaten überbrücken sollte. Er hatte den Einspritzmotor aus dem Porsche 914 und brachte ebenfalls 90 PS auf die Strasse. Von diesem Modell entstanden insgesamt nur 2100 Exemplare.

Jetzt kommt ein Renault 4

In Sachen Restaurieren eines Oldtimers ist der zweifache Familienvater übrigens ein «Wiederholungstäter». Vor dem Porsche-Abenteuer hat er für seinen Sohn Jorïs bereits einen Golf GTI zurechtgemacht. Und er wird es wieder tun: Seiner Frau Marjo hat er nämlich einen neu-alten Renault R4 versprochen. «Das wird bestimmt ein bisschen schneller gehen als beim Porsche», schmunzelt er.

Selber wird er weiterhin vor allem seinen Beinen vertrauen. Kein Wunder, denn mit diesen ist er auch ziemlich flott unterwegs. Immerhin hält Jan Swager van Dok den offiziellen Stundenrekord (41,342 Kilometer) für Hobby-Radfahrer im Velodrome.