Zwei Wohnwagen stehen nebeneinander auf dem Platz, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Auf dem einen prangt ein Totenkopf auf schwarzem Hintergrund, während der andere farbig, fast schon kindlich daherkommt. Ein kurioses und buntes Völkchen hat sich auf dem Eichholzhügel eingenistet, das in einer Wohnwagensiedlung das Leben nach eigenen Regeln lebt und zusammenhält. Die überspitzten und liebenswürdigen Charaktere sind spannend gestaltet und wachsen im Verlauf des Stückes ans Herz.

Die Uraufführung vom Mittwoch für geladene Gäste konnte auf ganzer Linie mit exzellentem Schauspiel und vortrefflicher Musik überzeugen. Gestern Freitag war die Premiere. «Näbu» ist das siebte Stück der Freilichtspiele Grenchen. Regisseurin und Drehbuchautorin Iris Minder ist zufrieden. «Wir haben bisher sehr viele begeisterte Rückmeldungen erhalten.»

Der gewohnte Alltag wird zerstört

Zu Beginn nimmt in der Wohnwagensiedlung alles den gewohnten Lauf. Über dem Feuer braten einige Bewohner gemütlich Würste. Elyn (Susi Reinhart) sammelt irgendetwas in ihren aufgehängten Plastiktüten und warnt vor aufkommendem Nebel. Anka (Nadja Rothenbühler) kümmert sich derweil liebevoll um ihre Pflanzen und spricht zärtlich mit ihnen. Dabei ist ihr ebenfalls wichtig, dass sich ihre Mitmenschen gegenseitig wertschätzen und herzlich miteinander umgehen. Auf dem Dach des Wohnwagens sitzt Gore (Oliver F. Ziegler), der nicht arbeiten will, stattdessen denkt er ganz im Sinne der Philosophen und Poeten einfach nach.

Dann wird plötzlich die wohlige Lebensgemeinschaft mit der harten Realität konfrontiert: Ein Spekulantentrio will auf dem Eichholzhügel unter allen Umständen Luxusressorts bauen, wofür ihnen jedes Mittel Recht ist. Als dann auch noch das Mädchen Lienne (Saskia Braga) verschwindet, deutet alles auf einen Mord hin. Die Polizei ermittelt, und Angst und Misstrauen halten in der Wohnwagensiedlung Einzug. Dabei ist der Nebel allgegenwertig, der sich, je weiter der Krimi fortschreitet, verdichtet.

Wiedersehen mit bekannten Gesichtern

Einige der Darsteller haben bereits in einem oder mehreren Darbietungen der Freilichtspiele Grenchen mitgewirkt. So Tom Muster, der in die Rolle des harten und doch irgendwie verletzlichen Punks «Wolf» schlüpft und auf Widerspruch genauso empfindlich reagiert wie auf Kritik. So manches Mal zückt er deshalb sein Messer.

Den Zuschauer erwartet eine mitreissende Geschichte mit viel Humor, die auch immer mal wieder gesellschaftliche Themen aufgreift und sie so verpackt, dass sie zum Nachdenken anregen. Minder liess sich für das Stück von der Wohngemeinschaft der Zaffaraya-Bewegung der achtziger Jahre inspirieren, die ein Zelt- und Wagendorf auf dem Gaswerkareal im Marzili in Bern errichtete.

Besonderes Ambiente durch Musik

Für besonderes Ambiente sorgen die vier Profimusiker Silvan Bolle, Ruwen Kronenberg, Bruno Schaad und Peter Schenker, die als die Band «Les Rubis» auftreten. Sie haben die Texte von «Näbu» vertont und begleiten jeweils die Singspiele der Schauspieler. «Ich bin stolz und froh, dass so geniale Musiker auch bei diesem Freilichtspiel mitwirken», so Minder. Gesamthaft sind sechzig bis siebzig Leute vor und hinter den Kulissen tätig, damit der Anlass durchgeführt werden kann.

Einige Vorstellungsdaten: 25.6; 26.6; 27.6; 2.7; 3.7; 4.7, Derniere: 18. Juli, Vorstellungsbeginn jeweils um 20.30 Uhr. Weitere Daten auf http://freilichtspiele-grenchen.ch.