Stadtbummel Grenchen
Wenn der Marktplatz zum Blühen gebracht wird

Claudia Dahinden
Claudia Dahinden
Merken
Drucken
Teilen
Der Märetplatz am Wochenmarkt vom Freitag.

Der Märetplatz am Wochenmarkt vom Freitag.

Andreas Toggweiler

Kürzlich bin ich in einem Stapel Unterlagen auf ein Juwel gestossen: eine Publikation über die Geschichte des Grenchner Marktplatzes von Kaspar Haupt. Bei der Lektüre habe ich viel Neues erfahren; zum Beispiel, dass am 12. November 1861 ein Martinsmarkt stattfand. Ein auswärtiger Besucher schrieb, er sei «aus Wunderfitzigkeit» hingefahren und positiv überrascht worden, weil es, «Potz Wetter!» über 150 Stück der schönsten Kühe gehabt habe. Ebenfalls erfuhr ich, dass der Märetplatz am jetzigen Standort erst 1933 eingeweiht wurde. Aber auch über den heutigen Platz stand da einiges: zum Beispiel gab es schon 1978 Stimmen für eine verkehrsfreie Lösung, aber dieses Postulat wurde erst mit der Einweihung des neuen Marktplatzes im August 1999 erfüllt. Und wussten Sie, dass der lange Brunnen den Dorfbach symbolisiert, der unter dem Platz hindurchfliesst?

In der Publikation stand ausserdem, der von manchen als «kahl und leer» Platz biete den architektonischen Rahmen für das Leben, das nun die Grenchner selbst bringen müssten. Nun, in diesen Tagen sehen wir davon – auch dank Corona – einiges! Die Krise hat die Kreativität erblühen lassen: mit Filmabenden, einem Zelt-Gottesdienst, Lesungen und vielem mehr. Seit einigen Tagen steht sogar ein Piano unterm Stadtdach. In jedem Fall ist das Experiment gelungen und würdig, fortgeführt zu werden. Die geringen Kosten und Hürden – einfache Anmeldung, Gratis-Stromnutzung, Infrastruktur in Form von Bänken und Bühne und der bunten Marktplatzbestuhlung – haben Ideen spriessen lassen und zeigen, dass es oft nur ein kleines Entgegenkommen braucht, damit Tolles entstehen kann Die Stadt hat zahlreiche initiative Menschen, die gern etwas auf die Beine stellen, und der Platz bietet die verschiedensten Möglichkeiten.

Man kann darob sogar etwas ins Träumen geraten: Wie wäre es mit ein bitzeli mehr Infrastruktur für die kälteren Tage? Ein kleines Zelt und ein paar Heizpilze ins Depot, das wäre doch was; dann stünde heimeligen kleinen Herbstkonzerten und anderem nichts im Wege ...!

Aber genug fabuliert: Freuen wir uns erst einmal an den Anlässen bis Ende August. Brandaktuell kann man heute ab 10 Uhr Ballett schnuppern, und ab 19.30 feiert «Sommergospel Grenchen» das 10-Jahr- Jubiläum mit der genialen Bernita Bush. Am 21. rockt der GVG den Märetplatz, und der Kinderzirkus Pitypalatty lädt ein. Und am 29. August servieren uns Grenchner Restaurants beim «Use Stuehle» feine Kost, während verschiedene Künstler für unsere Unterhaltung sorgen – unter anderem die ganz jungen aus der Musikschule. Ich freue mich darauf !