Parkinson

Wenn das Zittern nicht mehr weggeht

Heidi Grolimund ist Präsidentin der Parkinson-Selbsthilfegruppe Grenchen.  Hanspeter Bärtschi

Heidi Grolimund ist Präsidentin der Parkinson-Selbsthilfegruppe Grenchen. Hanspeter Bärtschi

Vor 25 Jahren wurde Parkinson Schweiz gegründet. In Grenchen besteht eine Selbsthilfegruppe für Parkinsonpatienten und ihre Angehörigen. Die Frau der ersten Stunde ist die Grenchnerin Heidi Grolimund.

Manchmal schwankt sie beim Gehen. Sie spricht viel mit den Händen und scheint für Aussenstehende nervös. Ihre Füsse kann sie kaum stillhalten. Ein Unfall im Alter von 17 Jahren steht am Anfang ihrer Leidensgeschichte. Ein Motorradfahrer hatte sie übersehen, es kam zur Kollision.

Heidi Grolimund hat sich am Kopf verletzt. Bald nach dem Zusammenstoss traten unerklärliche Symptome auf, die keinen Zusammenhang mit dem Unfall hatten. «Oft begann ich von innen heraus zu zittern», berichtet die 57-Jährige.

Diese Unruhe wurde auch an den Händen sichtbar. Abklärungen folgten, Arztbesuche brachten keine wesentliche Besserung. Waren es psychosomatische Störungen als Folge des Schocks? Sie wurde ab und zu als Simulantin bezeichnet, einige zweifelten an ihrem Geisteszustand.

Parkinson erst ausgeklammert

Sie selbst kam auf die Idee, dass ihr Leiden vielleicht mit der Parkinsonkrankheit zu tun haben könnte. Die erwähnte Krankheit wurde wegen ihres damaligen jugendlichen Alters ausgeklammert. Vor 15 Jahren hat sie sich einmal mehr untersuchen lassen.

Heidi Grolimund wollte endlich mehr Klarheit über ihre gesundheitliche Situation. «Die Diagnose war eine Erlösung, kein Hammerschlag», erinnert sie sich. Die Spezialisten haben das Parkinson-Syndrom diagnostiziert. Das Krankheitsbild entspricht dem der Parkinsonkrankheit.

Seither weiss sie genau, wie die Krankheit zu behandeln ist. Zwar ist keine Heilung möglich, mit Medikamenten können aber die Symptome stabilisiert werden. Ihr Mann Bruno hat die Diagnose, nach erstem Schreck, auch mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen.

Für die beiden Kinder des Paars war es kein Problem. «Sie haben mich ja nie anders wahrgenommen», erzählt Grolimund und lächelt dazu. «Mir gehts jetzt gut und basta», sagt sie mit kräftiger Stimme. In ihrer Küche serviert sie selbst hergestellten Sirup aus wilden Brombeeren. Ihre Bewegungen sind zwar kontrolliert, Hände und Beine aber sind in steter Bewegung. «Mich stört es nicht, wohl aber die andern», weiss sie aus Erfahrung.

Aktiv und lebenslustig

Heidi Grolimund ist eine aktive Frau, lacht gerne und schätzt ihre vielen sozialen Kontakte. Sie war Präsidentin der ISG (Interessengemeinschaft Spielplätze Grenchen), leitet eine Spielgruppe für kleine Kinder. Sie hat eine Vereinigung der Grenchner Spielgruppen angeregt und ist heute Vizepräsidentin.

Seit Kurzem gibt sie auch Bastelkurse bei «pro audito». Ihr Lieblingskind jedoch heisst «Jupp». Es ist der Name der Selbsthilfegruppe für Parkinson Patienten und Angehörige (Jupp: Jungparkinson Patienten). Mit zwei Kollegen leitet sie die Gruppe. Fast jeden Monat treffen sich die Interessierten, lachen und weinen zusammen, bilden sich weiter und gestalten gemeinsame Ausflüge.

«Das älteste Mitglied unserer Gruppe ist 80-jährig», erzählt Grolimund. Die Gruppenleitung wird von einer Fachperson von Parkinson Schweiz begleitet. Im Jubiläumsjahr hat die «Jupp» zusammen mit dem TV Lyss eine DVD produziert und will damit auf die Parkinsonkrankheit aufmerksam machen. Der Datenträger kann zum Selbstkostenpreis bezogen werden.

Infos unter: www.parkinson.ch oder bei Heidi Grolimund, Tel. 032 652 67 09.

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