Die erste Panne passierte schon am Morgen, als ein Junge beim Lindenhaus eintraf, der anscheinend eine Absage erhalten hatte – nur war diese so undeutlich formuliert, dass die Eltern das Kleingedruckte offensichtlich überlesen hatten. Keine grosse Sache für Monika Crausaz, die Leiterin des Lindenhauses, war mit dem Journalisten des az Grenchner Tagblatts gleich noch ein unerwarteter Teilnehmer eingetroffen, der sogleich mit eingespannt wurde.

Auron durfte ebenfalls mittun und erwies sich als patenter Eieraufschlager. Zwölf Kinder und drei Erwachsene galt es schliesslich zu verköstigen.

Die zweite Panne geschah beim Einkauf: Geplant hatte man, die Zutaten auf dem Markt zu besorgen, schliesslich war Dienstag und Markttag – aber eben nicht während der Herbstferien. Zum Glück findet man alles frisch beim Grossverteiler und kann dort für den grossen Zmittag einkaufen.

Spaghettiplausch mit Saucen

Zurück im Lindenhaus werden die Ämtli verteilt. Auf der Menukarte steht ein Spaghetti-Buffet mit vier Saucen: Bolognese, Carbonara, Pesto aus frischen Kräutern und Napoli. Als Dessert Himbeerglacé mit Smarties und Biskuit. Die achtjährige Joana macht sich zusammen mit ihren siebenjährigen Kolleginnen Anja und Nadia daran, Peterli und Basilikumblätter von den Stengeln zu zupfen. Baumnüsse, Sbrinz und Olivenöl werden zusammen mit dem Grünzeugs zu einer schmackhaften Pesto gemixt.

Braten ist Männersache

Pascal und der eine Auron – es sind nämlich zwei gleichaltrige Jungs diesen Namens anwesend – machen sich daran, Trutenschinken in kleine Viertel zu schneiden. Auron 1 ist ein begnadeter Koch, der zu Hause auch schon mal selber Lasagne macht. Pascal, der am Donnerstag 12 wird, ist «Chef» der Gruppe Carbonara, seiner Lieblingssauce, wie er sagt. Auch er hilft daheim ab und zu beim Kochen. Er brät das Fleisch an, währenddessen der andere Auron rund ein Dutzend Eier in eine Schüssel schlägt und das Ganze mit Rahm, Pfeffer und anderen Gewürzen verfeinert. Knoblauch wird geschält und bereitgelegt. Da Pascal allergisch auf Knoblauch reagiert, wird man diesen erst in die Sauce pressen, nachdem Pascal sich von der Carbonara bedient hat.

Dann machen sich die Jungs an die Bolognese: Hackfleisch und Zwiebeln werden mit Mehl angebraten und mit Bouillon übergossen, die beiden Superköche Pascal und Auron 1 wechseln sich beim Rühren ab. Danach kommen Maiskörner und Indianerbohnen dazu, Pfeffer, Paprika und frische Thymianzweige, das Ganze lassen sie leicht einköcheln, bis die Teigwaren bereit sind.

Monika Crausaz und ihre Lernende Sheena Ettlin legen überall Hand an, zeigen den Kindern, wie man die Geräte benutzt – Stabmixer und Hackmaschine – und organisieren die Arbeitsabläufe. Es herrscht kreatives Chaos in der Küche, die Rezeptblätter werden eifrig konsultiert, die nächsten Schritte besprochen. «Können wir zeichnen gehen? Wir haben unsere Arbeit schon erledigt», fragt eine Gruppe. Ja, dann gibt es etwas mehr Platz in der Küche. «Ist der Tisch schon gedeckt?», fragt Monika Crausaz. Einzelne Kinder werden dazu angehalten, ihre Arbeitsplätze aufzuräumen, bevor sie nach draussen dürfen, derweil Sheena schon mit dem Abwasch beginnt.

Süsse Versuchungen

Eine Gruppe Mädchen hat mit Mehl, Zucker, Schokoladencreme und anderen leckeren Zutaten eine Masse hergestellt, die in Cornets abgefüllt wird, die später in den Ofen kommen. Sie werden erst gegen Ende des Kurses noch eine Rolle spielen.

Die Napoli-Sauce ist schnell gekocht, sie kommt für einmal aus der Flasche und wird nur noch etwas aufgepeppt. Bald einmal sind fast alle Arbeiten erledigt, auch das Wasser für die Spaghetti kocht. Also rein damit und rühren, damit es keine Klumpen gibt. Wenn das Wasser nur nicht so heiss wäre. «Aua, jetzt hab ich mich verbrannt!» Ab und zu bekommt man einen Spritzer ab – nicht lustig. Also unters kalte Wasser – es war ja zum Glück nur ein Tröpfchen.

Es schmeckt allen gut

Der Tisch ist gedeckt, einige Kinder haben draussen Blumen, Blätter und Kräuter gesammelt und dekorieren damit den Tisch. Die Saucen werden in Schüsseln umgefüllt und aufs Buffet gestellt, und schon beginnt der Spaghetti-Plausch. Es wird still im grossen Raum. Ein gutes Zeichen, ihre selber gezauberten Saucen scheinen den Kindern tatsächlich zu schmecken.

Viermal wird der Ferienpasskurs «Kochen für Boys und Girls» im Lindenhaus angeboten, alle Kurse sind längst ausgebucht. Monika Crausaz weiss noch nicht, was am Freitag auf dem Menuplan steht. Jedenfalls behauptet sie das, denn einige der anwesenden Kinder haben sich gleich für mehrere der Kochkurse angemeldet. «Das soll eine Überraschung werden», sagt sie und teilt die Kinder nach dem Essen fürs Aufräumen ein. Als krönender Abschluss können die Kinder ihre gefüllten Cornets in Schokoladensauce tauchen und mit Schokostreuselverzieren. Ein nettes Mitbringsel für Zuhause.