Erstmals seit Jahren weist die Rechnung ein Defizit aus (84'000 Franken). Dafür gibt es gute Gründe. Entgegen dem allgemeinen Trend zu ambulanten Dienstleistungen hatte die Spitex 2017 im ersten halben Jahr einen spürbaren Rückgang der Einsätze im Bereich der Pflege zu verzeichnen. «Insbesondere in den ersten drei Monaten mussten wir einen Einbruch hinnehmen. Dieser war bedingt durch viele Todesfälle und Übertritte in die Altersheime von unseren Klientinnen und Klienten», erklärt Rolf Dysli in seinem Jahresbericht.

Dazu kommt die Tatsache, dass wegen der Fallpauschale die Spitäler ihre Patienten nach einer Operation schnell entlassen. Die fällige Nachpflege wird von Spitex Grenchen übernommen. Nicht zuletzt wegen des anfallenden administrativen Aufwandes könnten diese «Kurzzeit-Patienten» nicht kostendeckend behandelt werden.

Keine Reserven gebildet

Der Präsident weist aber auch darauf hin, dass man in den letzten 15 Jahren jeweils den laut Leistungsvereinbarung mit der Stadt ausgehandelten Maximalbeitrag von 700'000 Franken nie gänzlich in Anspruch genommen, sondern insgesamt eine beträchtliche Summe nicht abgerufen hat. Allerdings konnten so auch keine Reserven gebildet werden. Reserven, die dringend nötig wären. Denn einerseits steht die mit Kosten verbundene Digitalisierung der Pflegedokumentation an und andererseits hat der Kanton eine Ausbildungsverpflichtung erlassen, welche auch nicht gratis zu haben ist. Beide Massnahmen seien aber sinnvoll und für die Zukunft absolut wichtig. Deshalb hat man sich auch hier mit der Stadt geeinigt und ist mit einem Finanzierungsantrag von 100'000 Franken an die Verwaltung gelangt. Die Spitex trägt als Eigenleistungsanteil aus dem Spendenfonds 50'000 Franken bei.

Nachdem der Kanton ein neues Abrechnungssystem von der Defizitdeckung hin zu Leistungsstunden verordnet hat, war vorgesehen, auch den Vertrag mit der Stadt neu auszuhandeln. Es hat sich aber gezeigt, dass der ursprüngliche kantonale Vorschlag die Tarife zu niedrig und damit nicht kostendeckend angesetzt hat. Im Moment laufen Verhandlungen zwischen den kantonalen Behörden und dem Dachverband der Spitex-Organisationen Kanton Solothurn. Rolf Dysli rechnet damit, dass diese bis 2020 laufen dürften, und plädiert dafür, in der Zwischenzeit mit dem bisherigen, bewährten System der städtischen Defizitdeckung weiterzufahren.

Am Image feilen

«Es ist ausserdem dringend notwendig, dass die Nonprofit-Spitex als einer der wichtigen medizinischen Dienstleister ihr Image verbessert und vermehrt an die Öffentlichkeit tritt und sich der Bevölkerung durch Vorträge oder mediale Präsenz besser bekannt macht. Weiter ist eine Vernetzung mit anderen Organisationen im Alters- und Gesundheitsbereich anzustreben», nimmt der Präsident den Verein aber auch selber in die Pflicht.

Geschäftsführerin Cristina Pitschen unterstreicht die Stossrichtung: «Die demografische Entwicklung sowie die Tatsache, dass wir es in Zukunft mit komplexeren Herausforderungen im Ganzen zu tun haben werden, äussert sich sehr belastend und anspruchsvoll.» Eine Kooperation mit anderen öffentlich-rechtlichen Organisationen oder auch mit Privaten sei künftig notwendig, um Synergien zu nutzen und Ressourcen zu optimieren.

Jubiläums-GV mit Ernst Burren

Eine aktuelle Umfrage durch das Forschungsinstitut gfs zürich zeigt, dass 88 Prozent der Befragten durch die Spitex gepflegt werden möchten, falls sie im Alter auf regelmässige Hilfe angewiesen wären. Auch in Grenchen hat die Spitex eine grosse Akzeptanz. Das zeigt schon der Umstand, dass der Verein in 25 Jahren zum grössten in der Stadt geworden ist (siehe Box).

Da darf und soll dann auch gefeiert werden. Anschliessend an die Generalversammlung vom 19. April liest Mundart-Schriftsteller Ernst Burren aus Langendorf (Schweizer Literaturpreis 2017) aus seinen Werken. Dazu sind diverse Vorträge geplant, und auch die Geschäftsstelle am Girardplatz soll sichtbarer gemacht werden.

Eine grosse Beachtung muss den Mitarbeitern der Spitex Grenchen geschenkt werden. Sie sind es, die die Erfüllung des Leistungsauftrages überhaupt erst ermöglichen. «Sie waren in den letzten Jahren stark gefordert, mussten sich flexibel auf immer wieder neue Situationen einstellen und gleichzeitig dem stetigen Spardruck standhalten. Es ist einfach toll, wie sie da mitgezogen haben», würdigen sowohl der Präsident als auch die Geschäftsleiterin deren Leistungen.