Grenchner Stapiwahlen

Wem jagt der Parteilose Daniel Flury in Grenchen am meisten Stimmen ab?

Stadtpräsidium wird wahrscheinlich im 2. Wahlgang entschieden.

Stadtpräsidium wird wahrscheinlich im 2. Wahlgang entschieden.

Bei den Grenchner Stapiwahlen dürfte der parteilose Kandidat sowohl dem SP- wie auch dem FDP-Lager Stimmen kosten. Ein zweiter Wahlgang im Kampf um das Grenchner Stadtpräsidium wird immer wahrscheinlicher.

Mit dem neuen parteilosen Kandidaten Daniel Flury, der sein Interesse am Stadtpräsidium offenbarte, werden die Karten für die Wahl vom 9. Juni neu gemischt – wenigstens teilweise. Remo Bill, der SP-Präsident und Mitglied des Wahlkampfkomitees für den amtierenden Boris Banga, findet es gut, hat sich nach Philipp Ubeländer ein weiterer Parteiloser ins Rennen gestürzt. «Aber wir lassen uns dadurch nicht aus dem Konzept bringen», sagt er, denn dem amtierenden Stadtpräsidenten ernsthaft gefährlich werden, könne weder Flury noch Ubeländer, ist er überzeugt. Im Gegenteil ist Bill der Auffassung, dass Flury eher dem bürgerlichen Kandidaten Stimmen abjagen wird.

Flury als angenehmen Menschen kennengelernt

«Die SP-Wählerschaft ist uns treu, ich denke, Flury wird wenig SP-Stimmen machen.» Er habe Flury als angenehmen Menschen kennen gelernt und dieser habe bei seinem Vorstoss an einer Gemeindeversammlung, mit dem er eine Fusionsdiskussion anregte, einen ausgezeichneten Auftritt gemacht. «Die neue Kandidatur kommt zwar überraschend, macht das Ganze attraktiv, wird aber unseren Weg nicht beeinflussen.»

Kräfte müssten gebündelt werden

Weniger erfreut über Flurys Kandidatur ist Alexander Kohli, Präsident der FDP Grenchen und Wahlkampfleiter des bürgerlichen Kandidaten François Scheidegger. «Schade, weil das Unterfangen an sich schon schwierig genug ist.» Er sei der Meinung, dass man die Kräfte auf diejenige Kandidatur bündeln müsse, die auch eine tatsächliche Chance haben. Das absolute Mehr werde schwieriger zu erreichen sein und ein zweiter Wahlgang wahrscheinlicher. Wem der neue Player mehr schadet, ob Boris Banga oder François Scheidegger, kann Kohli nicht beurteilen. «Wir haben mit unserem bürgerlichen Kandidaten an der Bastion ‹Banga› gerüttelt und einiges in Bewegung gesetzt. Und damit vielleicht auch Tür und Tor für noch weitere Kandidaturen geöffnet, das wird sich noch zeigen.»

Das meinen die Kronfavoriten

Der Top-Kandidat der SP, der amtierende Stadtpräsident Boris Banga, kennt den neuen Herausforderer seit etwa 30 Jahren, wie er sagt: «Daniel Flury habe ich als umtriebigen Präsidenten des Schwimmklubs Bluestar kennen gelernt, der sich für die Jugend und den Sport einsetzt, und auch als Journalisten dazumal beim Grenchner Tagblatt.» Die Kandidatur erachtet Banga als eine Bereicherung. Er hoffe aber, dass Flury sich nicht nur auf ein Thema fokussiere.

Banga geht davon aus, dass sich der Parteilose jeglicher öffentlichen, politischen Auseinandersetzung, sei es in öffentlichen Podien, im Fernsehen oder anderen Medien, stellen werde. Aber wem die neue Kandidatur unter dem Strich mehr Stimmen kostet, kann Banga nicht abschätzen. «Ich selber werde nichts an meinem eigenen Wahlkampf ändern, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein zweiter Wahlgang nötig wird, ist durch die neue Konstellation wahrscheinlicher geworden.

Der bürgerliche Herausforderer François Scheidegger ist ebenfalls überrascht über die Kandidatur Flurys, den er gut kennt. Die beiden besuchten zusammen die Kantonsschule und waren in denselben Studentenverbindungen. Aber: «Es ist ein demokratisches Recht eines jeden Bürgers, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen.» Die Wahrscheinlichkeit eines 2. Wahlgangs werde erhöht, aber er könne nur schwer beurteilen, was für einen Einfluss Flurys Kandidatur auf das Abschneiden der beiden Hauptkonkurrenten haben werde, so Scheidegger. Für ihn persönlich ändere sich durch Flurys Kandidatur nichts.

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