Bezahlen Sie gerne Ihre Steuerrechnung? Ich könnte auch fragen, ob sie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt toll finden, oder? Seit ich Mitglied des Gemeinderates bin, betrachte ich diese Frage etwas differenzierter. In den vergangenen Wochen behandelten wir im Rat und in der Partei den Budgetplan unserer Stadt.

Die angespannte Wirtschaftslage lässt die Steuereinnahmen der ansässigen Unternehmen nicht mehr im erhofften Masse fliessen. Auch aus den privaten Haushalten erwartet der Finanzverwalter weniger Einnahmen. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat haben nun die verantwortungsvolle Aufgabe, die Investitionen im kommenden Jahr mit Bedacht zu planen.

Der Unterhalt von Strassen und Trottoirs beispielsweise: Sie stören sich nicht an Schlaglöchern und aufgerissenen Gehsteigen? Schulhäuser, Unterrichtsmaterial, zeitgemässe Löhne für die Lehrkräfte: Sparen auf Kosten der Qualität unserer Schulen? Ein neues Feuerwehrfahrzeug: Verzichten – und ineffiziente Brandbekämpfung in Kauf nehmen?

Unsere Vereine, die Museen, kulturelle Events: Die Stadt unterstützt mit dem Unterhalt von Infrastruktur oder Direktzahlungen. Sparen? Das für die Lebensqualität so wichtige Kultur- und Vereinsleben schwächen? Zu einer gesichts- und leblosen Ansammlung von Häusern und Strassen mutieren? Alters und Pflegeheime, soziale Einrichtungen, Kinderspielplätze, Müllentsorgung etc., etc.

Es gibt genügend Beispiele von Kommunen, die es nicht mehr schaffen, all diese wichtigen Beiträge zu leisten. Denken wir an die Banlieues und Suburbs europäischer Grossstädte, deren Trostlosigkeit und Perspektivenlosigkeit für die Bevölkerung weitreichende Konsequenzen haben in Form von Kriminalität, Drogenkonsum und Extremismus.

Egal ob Dorf, Stadt oder Nation: Eine Gemeinschaft benötigt Ressourcen, um das Funktionieren ihres Lebensraumes zu bewerkstelligen. Sie leisten mit Ihren Einkommenssteuern einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl.

Vielleicht führte dereinst ein gewisses Bewusstsein zu einer Art Benchmark der Steuerzahler. Dazu ein fiktiver Artikel in der «Bilanz» im Jahre 2027. Diese publiziert seit «dem grossen Umdenken in der Gesellschaft» jährlich ein Ranking der grosszügigsten Steuerzahler und portraitiert einen Unternehmer aus Grenchen, der es neu unter die Top Ten geschafft hat: «Ich danke meiner Wohngemeinde, dass sie mit ihrer Infrastruktur einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Entwicklung meiner Kinder leistet.»

Er sei stolz, dass er ihr auch in diesem Jahr einen hohen Steuerbetrag zuführen kann. Ein Gedanke, so absurd wie die zu Beginn gestellte Frage? Naiv und idealistisch? Nein! Ich nenne es weitsichtig und menschlich! In dem Sinne danke ich im Namen der Stadt Grenchen für Ihren wichtigen Beitrag.

*Daniel Hafner, Gemeinderat SP