Die Gesichter der Läuferinnen und Läufer strahlten Zufriedenheit aus auf der Fahrt im Bus vom Ziel zurück an den Start. Und dieses Gefühl begleiteten Worte. «Ein tolles Rennen, landschaftlich reizvoll, aber knüppelhart für die Beinmuskulatur und das Herz», sagte einer und fasste so zusammen, was er auf den 12 km mit den 800 Höhenmetern von Grenchen auf den Grenchenberg erlebt hatte. Alle fühlten mit. Und weil sich diese Retourfahrt als ziemlich lang anfühlte, sich von hoch oben betrachtet, die Talebene weit unten befand und die zahlreichen Kehren viel Zeit erforderten, liess sich das Geleistete nochmals hautnah nachempfinden.

«Doch, wir haben einiges geleistet», meinte eine. Das Harte, der Kampf mit der Distanz und der Topografie rückte so in ein anderes Licht. «Es hat sich gelohnt, die Befriedigung nach einer solchen Leistung ist riesig», war das übereinstimmende Empfinden.

Das perfekte Laufwetter

Vor dem Start beim Haldenschulhaus hatten noch etliche einen leicht besorgten Blick nach oben geworfen in Richtung Berg oder dem, was die dunklen Regenwolken von diesem noch erkennen liessen. «Hoffentlich bleibt es trocken», wünschten sich die meisten, «wenn’s nur keine grossen Rutschpartien gibt wegen des vielen Regens in den letzten Wochen.» Die Befürchtungen waren übertrieben. Laufwetter war’s, perfekte Temperaturen, saubere Luft förderten tolle Ergebnisse. Und ein Grossteil der Terrains liess sich gut belaufen.

Im letzten Streckendrittel mit den Wiesen- und Waldpartien allerdings war erhöhte Vorsicht angesagt, und der Schlussaufstieg über die Wiese zum Grenchenberg erwies sich je länger, je prekärer. Ums Rutschen kam niemand herum.

Strähls Staunen und Kalkulieren

Dies erlebte auch Martina Strähl. Doch die 29-Jährige aus Oekingen hielt auch fest: «Im Ganzen hatte ich es schlimmer erwartet.» Erhöhte Vorsicht liess sie walten, um die Gefahr eines Fehltritts oder Sturzes zu minimieren. Das aus gutem Grund: Bis zu Strähls erstem Saisonhöhepunkt, den Europameisterschaften Mitte Juli in Amsterdam, geht es noch drei Wochen. «Da hätten Rückschläge verheerende Auswirkungen, ich wollte nichts provozieren.»

Trotz dieser Vorsichtsstrategie hatte der Grenchenberglauf für Strähl einen grossen Stellenwert. Am Schweizer Frauenlauf acht Tage zuvor verpasste sie es, mit einem guten Gefühl die Bestätigung ihrer guten Verfassung zu gewinnen. Das wollte sie nun korrigieren.

Und das tat sie überzeugend. Nicht nur souveräne Siegerin bei den Frauen wurde sie. Der Abstand zur zweitplatzierten Petra Eggenschwiler betrug über neun Minuten, zur dritten Tatjana von Allmen annähernd zehn Minuten. Und als Overallsiebte lief sie mitten unter die besten Männer. Vor allem aber wertete sie ihre Schlusszeit von 57:32 Minuten als «Riesenaufsteller».

Nur zweieinhalb Sekunden war sie länger unterwegs gewesen als letztes Jahr. Damals realisierte sie beim Rennen um die Schweizer Meisterschaft einen deutlichen neuen Streckenrekord – bei klar weniger anspruchsvoller Bodenbeschaffenheit. Zudem hatte sie vor dem Start befürchtet, die harten Trainingstage zuvor hätten wohl eine hemmende Wirkung. «Ich bin mehr als zufrieden», sagte sie deshalb. Jetzt hofft sie, dass «dieses erstklassige Herz-/Kreislauf-Training sich auf meine Leistung in Holland auswirken wird.» Dass die Form stimmt, hat sie bestätigt erhalten.

Von den sechs Männern vor Strähl war der Jurassier Jérémy Hunt klar der Schnellste. Nach 53:46 Minuten war der 24-Jährige im Ziel und damit gut zwei Minuten vor dem nächsten Verfolger, Cédric Lehmann. Platz 3 sicherte sich der Mühledorfer Simon Zahnd.

Insgesamt bewältigten 400 Läuferinnen und Läufer die anspruchsvolle Prüfung der Jura-Top-Tour – eine beachtliche Zahl.