Kommt sie oder kommt sie nicht, die nächste «mia»? Gerüchten zufolge zeichnen sich nämlich aufgrund des geplanten Datums der Messe im nächsten Jahr Schwierigkeiten ab. Dies, obwohl man das 30-Jahr-Jubiläum feiern kann.

Seit Beginn der «mia» und auch unter dem Label «Grega» fand die Messe in Grenchen immer in der Auffahrtswoche statt. 2019 ist die Auffahrt am 30. Mai, später als in anderen Jahren. Messeveranstalter Christian Riesen hatte nach der erfolgreichen Wiederaufnahme der Messe diesen Frühling aber die Messedaten für nächstes Jahr auf die zweite Maiwoche gelegt und auch so kommuniziert. Darüber dürfte er sich jetzt wohl ärgern.

Feiertag bringt Publikum

Die Tradition mit dem Feiertag hat triftige Gründe: Aussteller und Messebeizer konnten bis jetzt immer davon ausgehen, dass an Auffahrt und schon am Vorabend bedeutend mehr Leute die Messe besuchen als an den anderen Tagen. Peter Traub, der als Caterer mit seiner Firma «Fotra» seit Jahrzehnten an der «mia» im Einsatz ist, bestätigt dies in aller Deutlichkeit: «Wenn ich mir die Zahlen der letzten mia anschaue, so stelle ich fest, dass wir alleine am Feiertag doppelt so viel erwirtschaften wie am Freitag und Samstag und rund dreimal so viel wie am Sonntag.»

Alleine am Mittwochabend vor der Auffahrt habe man gleich viel eingenommen, wie Freitag und Samstag zusammengenommen. «Ich kann dadurch, dass ich die eigene Infrastruktur mitbringe, das Risiko minimieren. Aber sollte man unter denselben Voraussetzungen wie dieses Jahr eine Messe durchführen wollen, mit grossem Zelt, Bühne und Bands, ist der Feiertag immens wichtig. Ohne diesen Tag müsste ich mir überlegen, ob ich nicht besser mein Angebot auf ein Raclette-Stübli reduziere und nur zwei Leute beschäftige. Denn alles andere ist schlicht nicht rentabel», sagt Traub.

Die Haupteinnahmen der Messe werden aus Standgebühren und dem Erlös aus der Gastronomie generiert. Man muss davon ausgehen, dass auch beim Unterhaltungsprogramm abgespeckt würde. Das bestätigt Kurt Gilomen, der für diesen Bereich zuständig war. «Man müsste schon von Beginn an auf ein Programm setzen, das weniger teuer ist. Auf grosse Namen oder Bands, die ziehen, müsste man wohl ganz verzichten.»

Warum verlegt man also nicht die «mia» in die letzte Maiwoche? Ganz einfach: Das Tissot Velodrome ist zu der Zeit besetzt. Die Messe «mia» soll laut Reservierungsplan von Tissot-Velodrome-Geschäftsführer Peter Wirz vom 8. bis zum 12. Mai dauern. «Die Reservation der Daten für die nächsten fünf Jahre war Bestandteil des Vertrags für die ‹mia› 2018», sagt Wirz. Dies gebe ihm Planungssicherheit, denn an diesen Daten sei die Halle für die «mia» reserviert, und keine weiteren Anlässe würden gebucht.

Laut Wirz sei die Problematik des Feiertags bekannt gewesen und auch hin und her diskutiert worden. Er finde es etwas merkwürdig, dass das Thema jetzt wieder auftauche. Im Übrigen sei das Tissot Velodrome in der Auffahrtswoche ohnehin reserviert: Nach der Swatch-GV am 23. Mai beginne am 29. Mai der Aufbau der Landimesse, die vom 11.–13. Juni stattfinde. «Die Firmen Swatch und Landi waren halt schneller als die Firma ‹mia›.»

Wieso nicht die Alternative?

Wie von verschiedenen Seiten zu erfahren war, soll Messeveranstalter Riesen mit der Tennishalle in Kontakt getreten sein. Denn diese ist in der fraglichen Woche frei. Das bestätigt auch Rolf Lüdi, Verwaltungsratspräsident der Tennishalle AG. «Wir wurden von Christian Riesen angefragt, ob wir bereit wären, ihm die Tennishalle für die ‹mia› zur Verfügung zu stellen. Wir haben das im Verwaltungsrat diskutiert und sind sehr positiv eingestellt.» Für die Tennishalle wäre das auch eine Chance, sich in Grenchen neu zu positionieren, sagt Lüdi. Nicht nur das: Gut informierten Quellen zufolge soll der Preis, den der Veranstalter der Tennishalle Grenchen AG zu bezahlen hätte, grob gerechnet einen Drittel tiefer sein als der, den er im Tissot Velodrome zu bezahlen hat.

Aber die Stadt respektive die Gemeinderatskommission hat dem Vorhaben einen Riegel geschoben, wie Reto Gasser, FDP-Gemeinderat und GRK-Mitglied, auf Anfrage bestätigt. Sie entschied, die «mia» habe im Tissot Velodrome stattzufinden. Gasser selber nahm an besagter Sitzung nicht teil und wäre eventuell sogar in den Ausstand getreten – Gasser ist nämlich auch Verwaltungsrat bei der Tennishalle Grenchen AG und trägt somit zwei Hüte. Seine Empfehlung an die Stadtverwaltung sei, dem Veranstalter nicht unnötig Steine in den Weg zu legen.

Für eine Verschiebung spräche offenbar auch, dass am ersten Juniwochenende auf dem Flughafen das Heliweekend stattfindet und man von dieser Seite eine Zusammenarbeit mit der «mia» begrüssen würde, wie Flughafendirektor Ernest Oggier bestätigt.

Politik ist nun gefordert

Wie zu vernehmen war, hat Christian Riesen den Kontakt mit den Verantwortlichen der Stadt gesucht, um sie davon zu überzeugen, einzulenken. Gegenüber dieser Zeitung wollte er sich nur zu gewissen Punkten äussern, da er offiziell gar nicht mehr der Veranstalter sei. Riesen hat den Vertrag mit der Stadt vorsorglich per 30. Juli gekündigt. Allerdings würde er auch nächstes Jahr als Veranstalter amten, falls die Stadt einlenkt. Seine knappe Begründung: «Es ist eine Frage der Nachhaltigkeit, und mir geht es nicht um meine Person, sondern um die Reputation der mia. Wenn die Verantwortlichen im Gastrobereich so klar belegen können, dass der Feiertag derart wichtig ist und sie ohne den nicht rentabel arbeiten können, ich von gewichtigen Ausstellern dasselbe Signal erhalte, dann muss ich mir die Frage stellen, ob ich der Totengräber der ‹mia› sein will, der eine schlecht besuchte Messe veranstaltet, die in den Folgejahren Mühe hat, noch Aussteller und Künstler zu finden. Vom gastronomischen Angebot gar nicht zu reden.»

Der Ball liegt nun also bei der Stadt. Riesen möchte bis zum 30. September wissen, wie es weitergehen soll. Ansonsten muss die Stadt wohl einen neuen Messeveranstalter suchen.