Grenchen
Weil die Firma gewachsen ist, braucht es eine neue Halle und Büros

Die Firma Bolliger plant unmittelbar neben ihrer augenfälligen, weit sichtbaren Halle eine weitere Halle und ein Bürogebäude mit Garagen für die Fahrzeuge.

Oliver Menge
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Marcel Bolliger mit Blick auf das Gelände, auf dem das Bauprojekt der Firma zu stehen kommen soll

Marcel Bolliger mit Blick auf das Gelände, auf dem das Bauprojekt der Firma zu stehen kommen soll

Oliver Menge

«Im Jahr 2000 hatten wir 11 Mitarbeitende, 2010 waren wir 18. Und jetzt, neun Jahre später, sind es deren 55. Das heisst, wir haben keinen Platz am alten Ort für die Garderobenkästchen», sagt Marcel Bolliger schmunzelnd.

Selbstverständlich war das nicht ausschlaggebend für den Entscheid, östlich der bestehenden, weithin sichtbaren, orangefarbenen Halle eine neue Halle und ein neues Bürogebäude zu planen. Tatsächlich ist die Firma in den letzten Jahren enorm gewachsen. Nicht nur an Mitarbeitern, auch der Fahrzeugpark wuchs. Der zweite Standort in Aarberg, der 2010 in Betrieb genommen wurde, brachte eine Zunahme an Aufträgen und einen verbesserten Bekanntheitsgrad mit sich.

Einen wichtigen Schritt machte man vor vier Jahren mit der Übernahme der Geschäftsbereiche Spülen, Saugen und Kanalfernsehen der Firma Schwendimann in Münchenbuchsee und einer weiteren Übernahme eines kleineren Betriebs im Bernbiet. Inzwischen sind die Tankwagen von Bolliger auch häufig in vielen bernischen Gemeinden und Städten anzutreffen und reinigen dort Strassenschächte, Abflussschächte und Rohre. Städte und Gemeinden wie Burgdorf und neuerdings Schönbühl gehören zur Kundschaft – insbesondere Letztere bezeichnet Marcel Bolliger, der die Firma zusammen mit seinem Bruder Daniel Bolliger und Schwester Christine Schlup leitet, als wahren Glücksfall. «Dort sind grosse Bauprojekte geplant und es gibt immer irgendwelche Schächte und Kanäle auszupumpen».

Das Beste aus Strassendreck und Schlamm herausholen

Strassenwischmaschinen kehren den Dreck auf Strassen und Plätzen zusammen, in allen Städten und Gemeinden der Schweiz. Strassenschächte werden von Schlamm befreit, Abflussschächte ausgepumpt. Für diese Arbeiten sind Spezialisten wie die Firma Bolliger zuständig. Bolliger ist seit bald 50 Jahren im Geschäft, sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich.

Was aber tut man mit dem anfallenden Material? Recycling ist das Zauberwort. Der Abfall wird aufbereitet, man verwandelt ihn entweder durch Verbrennung in Energie oder durch Aufbereitung in wiederverwertbares Baumaterial. Bolliger ist Pionier auf dem Gebiet. Schon vor Jahren baute die Firma ihre erste Waschanlage für Strassenschachtschlamm in Grenchen. Denn auch der Schlamm setzt sich aus verschiedenen organischen und anorganischen Materialien zusammen, die man wieder trennt und weiterverwenden kann.

«Unser Ziel ist, das Material zu fast 100 Prozent einer Wiederverwertung zuzuführen», erklärte Marcel Bolliger schon damals. Einmal aufbereitet, bleibt sauberer Sand zurück, der sich beispielsweise zum Einsanden von Leitungen eignet. Grobe Steine von 0,4 bis 25 Millimeter Durchmesser können für den Strassenbau verwendet werden. Der Feinschlamm wird im sogenannten Treibhaus getrocknet und in die Endversorgung gebracht. Das Ziel sei, die Feinschlammfraktion, deren Einzelteile kleiner als 0,4 Millimeter sind, getrocknet ins Zementwerk abzugeben und als Zusatz in die Produktion von Zement zu geben, so Marcel Bolliger. Der gewaschene Sand kann in der Baubranche weiter verwertet werden.

«Wenn wir das Material waschen und in die Hauptbestandteile auftrennen, machen wir ökologisch einen grossen Schritt vorwärts, und das ist unsere Antriebsfeder. Ausserdem gewinnen wir auf diese Weise für Baumeister gut geeigneten Sand, den sie sonst in einer Kiesgrube holen müssten», erklärt Bolliger. Im Oberland oder im Wallis könnte er sein rezykliertes Material weniger gut weitervermitteln, weil man dort den Sand aus den Flüssen baggern kann. «Aber in unserer Gegend besteht doch die Nachfrage, weil wir diese billige Möglichkeit nicht haben.»

Mehr Platz zur Aufbereitung

Vor fünf Jahren machte die Firma einen gewaltigen Sprung vorwärts: Eine grosse, neue Halle wurde gebaut, deren Herzstück eine Waschanlage für Wischmaterial und Strassenschachtschlamm bildet. Jetzt erfolgt der nächste Ausbauschritt: Zur bisherigen Fläche von 4500 Quadratmetern sollen mit der neuen, 13 Meter hohen Halle, nochmals 2200 Quadratmeter dazukommen. Diesen Platz will man dazu nutzen, das Material noch besser zu trennen und zu «konditionieren», wie es im Fachjargon heisst. Das heisst konkret, die verschiedenen Materialien für die Waschanlage vorzubereiten. Wen wundert’s: Die Halle wird ebenfalls orangefarben.

Das bestehende Treibhaus von rund 1200 Quadratmetern Fläche, wo organisches Material und Feinschlamm durch die natürliche Sonneneinstrahlung getrocknet werden, soll ebenfalls auf fast das Doppelte erweitert werden. «Jedes Kilogramm Feuchtigkeit, das wir so verlieren, ist sozusagen bare Münze», sagt Bolliger. Denn es bringe schlicht nichts, viel Geld für die Weiterverwertung zu bezahlen, wenn durch natürliche Trocknung Gewicht vermindert werden kann.

Grösster Brocken des Bauprojekts ist das neue Bürogebäude, 18 Meter hoch mit vier Stockwerken, in grauer Farbe mit Glasfronten. Im Parterre will man Garagen für den umfangreichen Fuhrpark schaffen, im 1. Stock befinden sich die Garderobe und Büros, im 2. Stock Aufenthaltsräume für das Personal und Büros.

Den obersten Stock will Bolliger als Bürofläche vermieten, so wie auch die Gebäude, in denen sich aktuell die Büros und Garagen befinden. Die Firmenfarbe Orange wird man nur auf einem kleinen Aufbau über dem Obergeschoss finden.

Sobald die Baubewilligung vorliegt, wird man mit den Bauarbeiten beginnen. Marcel Bolliger rechnet damit, das Projekt noch in diesem Jahr abschliessen zu können.

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