Heiliger Abend
Weihnachtsfeier bringt einsame Herzen zusammen

Das Lindenhaus öffnete die Pforten für alle, die nicht alleine feiern wollten. Bei der «offenen Weihnacht» trafen sich rund 40 alleinstehende, verwitwete und andere einsame Herzen zur gemeinsamen Weihnachtsfeier.

Lucien Fluri
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Weihnachtsfeier

Weihnachtsfeier

Solothurner Zeitung

Der Lindensaal ist voll: Wo sich sonst Jugendliche treffen, ist an Heiligabend ein älteres Publikum versammelt. «Ich kann mir nicht vorstellen, alleine Weihnachten zu feiern», erzählt Giovanni Lorenzo. Zum vierten Mal nimmt der 71-jährige Italiener an der offenen Weihnachtsfeier im Lindenhaus teil. Seit 1963 lebt er in der Schweiz. Erst nach Weihnachten fährt der geschiedene Rentner für drei Wochen zu seinen Kindern, die heute wieder in Italien leben.

Wer alleinstehend oder verwitwet ist, wer seine Kinder nicht in der Umgebung hat oder kinderlos geblieben ist, wer ganz einfach lieber in grosser statt kleiner Gruppe feiert, ist im Lindenhaus willkommen. Reformierte, römisch-katholische und christkatholische Kirche laden alljährlich zur offenen Weihnachtsfeier im Lindenhaus ein. Fast alle der 40 Teilnehmer sind im Pensionsalter.

Weihnachtsidee wird gelebt

«Hier mitzuhelfen: Das ist für mich gelebte Weihnachten», erzählt Ursula Peters, die zum sechsten Mal als freiwillige Helferin dabei ist. Neun Personen verzichten auf ihre eigene Weihnachtsfeier zu Hause und ermöglichen, dass der Anlass durchgeführt werden kann. Polizeikommandant Robert Gerber und Bürgergemeindepräsident Franz Schilt helfen mit ihren Frauen ebenso mit wie die 79-jährige Klara Schläfli, die zum fünfzehnten Mal bei der «offenen Weihnacht» mit anpackt.

Sie sei auch sonst sehr aktiv, und ihre Familie habe sich daran gewöhnt, dass sie am 24. Dezember nicht zu Hause sei, erklärt Klara Schläfli. Auf ihren 80. Geburtstag im nächsten Jahr hin will sie nun aber kürzer treten – zum Bedauern einiger Anwesender, denn diese kommen jedes Jahr, sie kennen die Helfer, den Ablauf der Feier und fühlen sich ganz wohl.

Dann kam doch noch Hektik auf

«Die Leute gehen glücklich nach Hause», erklärt Franz Schilt seine Motivation. Zum siebten Mal ist der Bürgergemeindepräsident dabei. Im Jahresturnus wechseln sich der Stadt- und der Bürgergemeindepräsident an der Feier ab.

Hektik war im Vorfeld aufgekommen, als der langjährige Koch aus Gesundheitsgründen kurzfristig ausfiel und plötzlich eine andere Lösung gefunden werden musste. «Ich wollte aber keinesfalls absagen», erklärt Bea Corti, die den Anlass nun zum zehnten Mal organisiert, «lieber hatte ich einen grossen Stress.» Mit dem Altersheim Kastels, das das Essen lieferte, konnte eine Lösung gefunden werden.

Leute zusammenbringen

Die Stimmung ist heiter, es wird diskutiert und gelacht, der Kontakt zu den anderen Leuten ist schnell hergestellt. «Wir wollen an Weihnachten Leute zusammenbringen», erklärt Pfarrerin Cornelia Fritz. Für viele der Teilnehmer ist der Abend im Lindenhaus zum festen Bestandteil ihrer Weihnacht geworden. Man kennt sich, man setzt sich zu denselben Leuten wie in den Vorjahren, man war schon dabei, als der Anlass noch im Zwinglihaus oder im «Löwen» stattfand.

Zwei Weihnachtsgeschichten werden vorgelesen. Eine weltliche Geschichte und die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium. Etwas zaghaft wagt man sich an die ersten Lieder, die gemeinsam gesungen werden. «Stille Nacht» und «Oh du Fröhliche» klingen dann lauter.

Richtig Weihnachtsstimmung kommt auf, als die Liedblätter schon eingezogen sind und Pianist Jürg Rickli die Melodie von «O Tannenbaum» spielt. Spontan beginnen praktisch alle im Saal mitzusingen. Einzelne Besucher ergänzen später die Feier mit Mundgeige oder Gesang. Pünktlich für den Mitternachtsgottesdienst endet die Feier gegen 23 Uhr. «Bis zum nächsten Jahr», verabschiedet man sich.