Bereits seit einigen Wochen werden wir mit Prospekten überschwemmt und am TV mit Werbespots zugetextet, damit wir ja nicht vergessen, dass Weihnachten auch in diesem Jahr stattfinden wird. Luxuriös soll es sein, dieses Fest, keine Kosten und Mühen sollen gescheut werden. Dass nicht alle Familien in der Lage sind, sich teure Geschenke zu kaufen, dass diese Vorstellung von Weihnachten längst keinen Sinn mehr ergibt, das spielt keine Rolle. Wir passen uns wohl oder übel an und freuen uns ja auch darüber, wenn die Geschäfte laufen. Und doch dürfen wir uns auch erlauben, dieses oder jenes zu hinterfragen, und das nicht nur in der Adventszeit.

Das muss man dem Grenchner lassen. Er hat eine eigene Meinung. Über seiner Stadt kreist ein kleines Pleitegeierchen, an allen Ecken und Enden soll und muss gespart werden. Sparen ist nicht beliebt und auch wenn es nötig ist, sparen soll immer der andere, Hauptsache, man kommt selber ungeschoren davon. He ja, der eine möchte über bestens hergerichtete Strassen cruisen, fahren, gehen. Der andere findet es absolut unnötig, dass bei etwa 200 leerstehenden Wohnungen in Grenchen weitere 170 Wohnungen gebaut werden sollen. Der Dritte erachtet es als Zumutung, ausgerechnet bei Kultur und Bildung zu sparen, und der Vierte meint, dass alles einen Zusammenhang mit dem hohen Ausländeranteil und den aus dem Ruder laufenden Ausgaben hat. Und äbe, alles stimmt. Jede Meinung zählt, jeder darf sie äussern. Meinungen sind immer subjektiv und gerade deswegen sind sie ernst zu nehmen. Gefällig sein um jeden Preis? Nein danke! Es jedem Recht zu machen hat noch keiner geschafft und allen nach dem Mund reden lässt das Dauerlächeln rasch gefrieren.

Und was war denn nun eigentlich der Sinn von Weihnachten? Unsere digitale Vernetzung voranzutreiben, mit einem «animierten» Christbaum auf dem HD Flatscreen, welcher sich via Handy- App illuminieren lässt, also gewissermassen Weihnachten 2.0? Besinnlichkeit und Rückbesinnung auf frühere Werte und Tugenden fallen schwerer in einer lauten, reizüberfluteten Welt, aber dass ausschliesslich Konsum auf Dauer keine Glücksgefühle auszulösen vermag, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Bezogen auf Grenchen, reicht es nicht, auf bessere Zeiten zu hoffen nach dem Motto, wir sind zwar pleite, aber sexy. Aber wie ich die Grenchner kenne, so sind sie bereit, die notwendigen Sparübungen mit einer guten Portion Gelassenheit zu bewältigen. Grenchen ist keine Stadt, die viel Lametta braucht, um nach aussen hin zu glänzen. Grenchen ist rau, manchmal hart, aber immer herzlich.