Mit der Reorganisation werde Erwin Steinmann betraut, der ab Anfang nächsten Jahres den Chefposten von Miteigentümer Thomas Binggeli übernehmen werde, teilte BMC am Donnerstag in einem Communiqué mit. Binggeli scheide aus der operativen Führung aus und übernehme das Verwaltungsratspräsidium von Mehrheitsaktionär Andy Rihs.

Der 71-jährige Unternehmer und Velofan Rihs bleibe aber im Verwaltungsrat und werde die Reorganisationsprozess begleiten, hiess es. Im Zentrum der Reorganisation stünden Anpassungen der operativen Prozesse und ein umfassendes Programm zur Kostensenkung.

Zwar konnte BMC den Umsatz um 10 Prozent auf 140 Mio. Fr. steigern. Die Ertragslage sei aber unbefriedigend, sagte Binggeli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, ohne Ertragszahlen nennen zu wollen. Insgesamt seien in diesem Jahr 220'000 Velos verkauft worden.

Personalabbau nicht ausgeschlossen

«Trotz des erfreulichen operativen Wachstums der Marken BMC und Stromer gilt es, die Gruppe für die Zukunft noch schlanker, effizienter und kompetitiver auszurichten», schreibt Binggeli im Communiqué. Die Verkaufskraft der beiden Marken solle durch die Fokussierung auf Premiumvelos weiter gestärkt werden.

Das genaue Vorgehen werde bis Februar definiert und danach umgesetzt. Dies ist die Aufgabe von Steinmann. Der Innerschweizer sei seit 25 Jahren ein Spezialist für Restrukturierungen und Effizienzsteigerungen, hiess es.

Die Auswirkungen für die Mitarbeiter sind noch nicht klar. «Wir schliessen einen Abbau nicht aus, können aber noch nichts sagen, weil wir es noch nicht wissen», sagte Binggeli. Die BMC Gruppe mit Sitz in Grenchen SO hat weltweit 250 Mitarbeiter. Davon arbeiten rund 200 in der Schweiz.

Deutsche Marke nicht betroffen

Die Reorganisation betreffe ausschliesslich die beiden Marken BMC und Stromer. Diese sollen künftig als eigenständige Unternehmen geführt werden, wie Binggeli sagte. Nicht tangiert sei die deutsche Velomarke Bergamont. «Die erfolgreiche Strategie von Bergamont wird unverändert weiterverfolgt», schreibt Rihs.

Der Gründer des Hörgeräteherstellers Sonova engagiert sich seit langem im Profiradsport. BMC-Teamleader ist der Australier Cadel Evans, der 2011 die Tour de France gewann. Rihs steht auch hinter dem im Juni eröffneten Velodrome Suisse in Grenchen, das die erste 250-Meter-Radrennbahn der Schweiz für Weltcup- und Weltmeisterschafts-Rennen hat.

Mehr Konkurrenz

BMC hatte Ende Februar für 10 Mio. Fr. eine neue Fabrik in Oberwangen BE zur Herstellung der Stromer-Elektrovelos eröffnet. Auf den 4400 Quadratmetern Fläche sind rund 70 Mitarbeitende beschäftigt. Ein schrittweiser Ausbau sei geplant, hiess es im Februar.

Allerdings wird der von vielen Veloherstellern als lukrativ eingeschätzte E-Bike-Markt mit dem Wachstum auch zunehmend härter. Die Sparte braucht Kapital und spezielles Knowhow.

Nach dem Einstieg des deutschen Motorenherstellers und Autozulieferers Bosch vor zwei Jahren hat unlängst auch der japanische Velokomponentengigant Shimano angekündigt, eigene Elektrovelos produzieren und in Europa verkaufen zu wollen.

Mit dem Tritt auf die Kostenbremse kassiert BMC auch die ehrgeizigen Wachstumspläne. Vor rund zwei Jahren hatte die Gruppe ein Umsatzziel von 300 Mio. Fr. bis etwa 2016 ausgerufen.

«Davon wollen wir uns verabschieden», sagte Binggeli. Statt einer Wachstumsstrategie verfolge man nun eine Ertragsstrategie. Der von Rihs seit mehreren Jahren als Fernziel angestrebte Börsengang des Veloherstellers sei im Moment kein Thema.