Grenchen
Wegen Lärmklagen der Nachbarn muss die Metal-Party abgesagt werden

18 Bands wurden zum vierten Headbanger-Ball eingeladen. Bis zu 600 Besucher wurden erwartet. Nun muss der Anlass aber kurzfristig abgesagt werden, da die Veranstalter keine Bewilligung erhielten. In den Vorjahren hatten sie damit keine Probleme.

Andreas Toggweiler
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Pfadiheim Grenchen, hier hätte das Konzert wie in den Vorjahren stattfinden sollen

Pfadiheim Grenchen, hier hätte das Konzert wie in den Vorjahren stattfinden sollen

Andreas Toggweiler

Eine kurzfristige Absage einer Metal-Party beim Pfadiheim bringt zurzeit die Facebook-Community «Head Bangers» in Rage. Zum vierten Mal wollte der Gümliger Konzertorganisator Roger Dietrich am 27. und 28. Juni das Festival für hier durchführen, zum dritten Mal öffentlich.

Doch jetzt, kurz vor dem Anlass am Wochenende fehlt plötzlich die Bewilligung. Die Empörung ist deshalb gross und scheint auch berechtigt. «Die ersten drei Male habe ich die Bewilligung immer problemlos erhalten und jetzt plötzlich nicht mehr. Das verstehe ich nicht, meint Dietrich.

18 Bands eingeladen

Es gehe um ein Festival mit erwarteten 600 Besuchern und 18 Bands, die zum Teil aus dem Ausland anreisen. Der Schaden ist gross. 20 000 Franken schätzt Dietrich, der sich überlegt, einen Anwalt beizuziehen und Schadenersatz zu verlangen. Denn so kurzfristig sei eine Absage inakzeptabel. Ein solcher Anlass brauche monatelange Vorbereitung. «Im Moment bin ich voll an der Schadensbegrenzung.»

«Im Januar oder Februar» habe er um die Bewilligung bei der Stadt nachgesucht, wie auch in den Jahren zuvor. In den Vorjahren sei diese dann auch immer frühzeitig gekommen. Dieses Jahr nicht. «Ich habe wöchentlich angerufen. Am Montag kam die Absage.»

Er habe sich zunächst «wahnsinnig aufgeregt» - doch jetzt nicht mehr. «das machen jetzt andere für mich», meint er und verweist auf die Facebook-Seite «Head Bangers», wo sich diese Woche ein Shitstorm zusammengebraut hat.

Auch die Seite «Grenchen - üsi Stadt» bekam eine Breitseite ab. Die Metal-Fans liessen dort ziemlich Dampf ab. «Ich musste einige Postings mit beleidigenden Aussagen sperren», sagt Webmaster Silvan Granig. Die Stadt werde zu Unrecht angegriffen, denn eigentlich sei ja die Polizei für die Anlassbewilligung zuständig.

In einer Erklärung auf ihrer Facebook-Seite weist die Stadt aber darauf hin, dass es vor einem Jahr an nämlicher Veranstaltung zu «übermässigen Lärmklagen» gekommen sei. Dies sowohl bei der Polizei Kanton Solothurn wie auch bei der Berner Polizei.

«Dies löste in den verschiedenen Behörden einen politischen Prozess aus, der nun zum abschlägigen Bescheid für die Veranstalter führte.» Man bedaure, dass der Veranstalter erst jetzt Bescheid erhalte.

Wer sind die «verschiedenen Behörden»? Stapo-Kommandant Robert Gerber bestätigt zunächst: «Wir hatten wohl in den letzten 25 Jahren noch nie so viele Lärmklagen wie an diesem Anlass». Man habe haben deshalb den Verantwortlichen schon vor einem Jahr signalisiert, dass es schwierig würde mit der nächsten Bewilligung. Zuständig sei der Kanton.

Praktisch auf der Kantonsgrenze

Betroffen ist überdies die Gemeinde Lengnau. Denn der Anlass findet praktisch auf der Gemeinde- und Kantonsgrenze statt. Man habe deshalb beschlossen, Lengnau in die Entscheidfindung einzubeziehen, so Gerber. Dort habe man auch Vorbehalte angebracht. Für die Alkohol-Ausschankbewilligung sei zudem die kantonale Gewerbepolizei zuständig.

In Solothurn gibt man freimütig zu, dass von der Polizei abgeraten worden sei, die Anlassbewilligung zu erteilen. «Und wir halten uns immer an die Empfehlungen der lokalen Polizei vor Ort», sagt Rudolf von Bergen von Amt für Wirtschaft und Arbeit. Allerdings: Der Veranstalter habe gar kein Gesuch gestellt.

Bei so vielen Instanzen ist Roger Dietrich klar: «Unser Gesuch wurde hin und her geschoben wie eine heisse Kartoffel, mit der klaren Absicht, den Anlass zu verhindern.» Von Lärmklagen habe er zwar gehört und man habe auch versucht, per Flugblatt mit den betroffenen in Kontakt zu treten. Leider ohne Erfolg.
Nicht gerade Sympathieträger

Übrigens: Wie hat sich Lengnau tatsächlich geäussert? «Die zuständige Kommission hat empfohlen, den Anlass zu bewilligen, allerdings unter Lärmauflagen», erklärt Marcel Krebs, Geschäftsleiter der Gemeinde.

Am Ende dürfte auch die Szene eine Rolle gespielt haben, die die Organisatoren repräsentieren und die manchen «Normalos» wohl eher schräg einfährt. Die «Headbanger» (der Ausdruck beschreibt eine «Tanzform», in der sich Fans durch intensives Kopfschütteln an Konzerten in Ekstase versetzen) inszenieren sich nicht gerade als Sympathieträger. Ihre Facebook-Seite zieren vor allem dämonische Fratzen und sie heisst im Untertitel: «Hochschule für menschenverachtende Untergrundmusik.»