Italgrenchen ist ein gesunder Verein und die neu aufgebaute Juniorenbewegung blüht. Doch es gibt auch dunkle Wolken am Horizont: Ital fühlt sich von der Stadt Grenchen diskriminiert, die mit dem grossen Konkurrenten FC Grenchen 15 einen exklusiven Nutzungsvertrag über das Stadion Brühl und den Sportplatz Riedern abgeschlossen hat. Italgrenchen fürchtet, seine Heimspiele nicht mehr auf der Riedern austragen zu dürfen.

Vor einem Jahr startete Italgrenchen seine eigenständige Juniorenbewegung. Die Resonanz war gross und innert kürzester Frist spielten rund 80 Kinder bei den «Himmelblauen». Und bereits ist das erste Ziel erreicht: In der nächsten Saison stellt Ital erstmals auch eine Mannschaft bei den Junioren C. Ab Herbst dürften dann also rund einhundert Kinder die neue, gesponserte Trainingsuniform tragen.

«Wir wollen die Juniorenbewegung weiter aufbauen, damit sich daraus in ein paar Jahren die Spieler für die erste und zweite Mannschaft entwickeln», blickt Co-Präsident Massimiliano Faga optimistisch in die Zukunft. «Italgrenchen will eine grosse Familie sein. Bei uns hat jedes Kind seinen Platz: Fairplay und Teamgeist kommen zu erst, der Leistungsgedanken an zweiter Stelle», erklärt Juniorenobmann Vincenzo Zoccali.

Italianità wird grossgeschrieben

Die Italienischen Wurzeln sind noch immer kraftvoll sichtbar: An schönen Sommerabenden wird am Stammtisch vor dem Beizli mediterran gegessen und italienisch geredet. Aber auch das gibts bei Italgrenchen: Ein Vater bringt seinen Sohn ins Probetraining und beide verstehen kein Wort von dem, was der Trainer erklären möchte. Da kommt ein anderes Kind als Übersetzter an den Tisch, das tamilisch und perfekt deutsch spricht. Das nennt man gelebte Integration.

«Die Stadt Grenchen schätzt diese Leistugen für die Gesellschaft sehr hoch ein und ist deshalb auch bereit, die grosse Kosten für den Unterhalt der Fussball-Infrastruktur zu bezahlen», sagt dazu Mike Brotschi. Er ist in Grenchen verantwortlich für Sport und Jugend. Brotschi betont: «Die Stadt hat akzeptiert, dass Italgrenchen ein eigenständiger Verein bleiben will.»

Auf der Suche nach einer Heimat

Ital hat aber auch Sorgen. So läuft die Vereinbarung mit den Städtischen Werken bald aus und die SWG haben für das Jahr 2020 Baupläne für das Grundstück, auf dem Italgrenchen sein Beizli führt und seine Container aufgestellt hat. Dass Ital ins benachbarte Kleinstadion Riedern umziehen könnte, ist keine Option mehr. Das bestätigt Mike Brotschi: «Die Stadt Grenchen hat mit dem FC Grenchen 15 eine Nutzungsvereinbarung unterzeichnet, die sowohl das Stadion Brühl als auch die Redern umfasst.»

Der aus der Fusion mit Wacker und Fulgor hervorgegangene «neue» FCG habe für die kommende Saison über 30 Mannschaften angemeldet. Alleine diese Zahl zeige das Ungleichgewicht in der Bedeutung der beiden Vereine auf, meint Brotschi. Die Stadtgärtnerei, die heute «Stadtgrün» heisst, teile in einer Sitzung mit je einem Vertreter von Italgrenchen und FC Grenchen die Trainingszeiten auf den verschiedenen Fussballplätzen ein.

«Die Platzzuteilung für die Meisterschaftsspiele müssen die beiden Vereine selber miteinander aushandeln. Da wird sich die Stadt raushalten», sagt der Grenchner Verantwortliche für Sport und Jugend – der sich während Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen und als Seniorenspieler für den FCG eingesetzt hat.

Die Stadt privilegiert den FCG

Man werde aber Italgrenchen nicht im Stich lassen. «Ich bin zuversichtlich, dass die Stadt zuammen mit Ital einen neuen Standort finden wird», sagt Brotschi. Und die Container zu transportieren, das sei keine so grosse Sache. «Die Stadt wird Italgrenchen dabei helfen.» Trotz diesen ermutigenden Worten ist man bei Itagrenchen nicht zufrieden mit dem Verhalten der Stadt. «Dass wir in Zukunft mit dem FC Grenchen über die Nutzung der Kabinen und der Spielfelder verhandeln müssen, das geht in unseren Augen gar nicht», sagt Faga. Vertreter des FCG-Vorstandes hätten bereits durchblicken lassen, dass man Italgrenchen nicht mehr auf der Riedern spielen lassen werde.

«Unser Ansprechpartner ist die Stadt Grenchen und nicht der FC Grenchen», sagt Faga, Italgrenchen fühle sich diskriminiert. «Wir haben keine hohen Ansprüche. Aber die Stadt müsste beide Vereine gleichberechtigt und fair behandeln. So wie es jetzt geplant ist, müssen wir beim FC Grenchen als Bittsteller anklopfen und sind auf den guten Willen unseres grössten Konkurrenten angewiesen.» So hat Italgrenchen einen Brief an die Stadtverwaltung abgeschickt in welchem eine gerechte Zuteilung der Spielfelder durch die Stadt verlangt wird.
Pochen auf Gewohnheitsrecht

55 Jahre gebe es Italgrenchen schon, und der Verein habe sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Der Ital-Präsident pocht auf das Gewohnheitsrecht: «So lange ich mich erinnern kann, durften wir unsere Heimspiele auf der Reidern austragen. Dieses Recht kann man uns doch nicht einfach so wegnehmen.»

Die Chancen, bei der Stadt Gehör zu finden, dürften nicht schlecht sein: Als ehemaliger Richter wird Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger wissen, dass ein willkürlicher Entzug langjähriger Rechte – in diesem Fall die Nutzung der Riedern für die Heimspiele – rechtlich nicht haltbar ist.