Grenchen
Wegen Einsprachen: Rückt die Nahwärme in weite Ferne?

Quadratisch, 17 auf 17 Meter breit, 3 Meter hoch und mit einer Kaminhöhe von rund 8 Metern über Boden - so soll die neue Heizzentrale an der Lindenstrasse 19 beim Schulhaus I später einmal aussehen. Seit ein paar Tagen stehen die Bauprofile.

Patrick Furrer
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Heizzentrale an der Lindenstrasse

Heizzentrale an der Lindenstrasse

Grenchner Tagblatt

In Zukunft sollen unter anderem die Schulhäuser und die städtischen Gebäude an der Lindenstrasse durch den mit Holzschnitzeln betriebenen Nahwärmeverbund Zentrum geheizt werden.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten und Widerstand aus der Lokalpolitik (wir berichteten) ist das Projekt jetzt eigentlich auf bestem Weg. Da ist aber noch der Vorbehalt eines Nachbars, der die Realisierung weiter verzögern könnte. Wie die Baudirektion und Partner Elektra Birseck Münchenstein EBM auf Anfrage bestätigen, ist eine Einsprache gegen den Bau der Heizzentrale eingegangen, welche sich primär gegen den Standort und den damit verbundenen Camionverkehr für die Anlieferung von Holzschnitzeln ausspricht. «Der Einsprecher ist nicht grundsätzlich gegen das Projekt, weshalb wir glauben, dass sich sie Angelegenheit gütlich regeln lässt», beschwichtigt Martin Dietler, Projektleiter bei der EBM. Man werde nun die entsprechenden Gespräche mit der Stadt und dem Einsprecher führen. «Wir hoffen, dass wir keine Anpassungen mehr vornehmen müssen. Mit einem neuen Baugesuch würde das Projekt unnötig verzögert», sagt Martin Dietler.

Rücksicht auf Ortsbild

Tatsächlich muss man sich bei der Planung Gedanken dazu gemacht, wie sich der Neubau ins Ortsbild einfügen wird, und wie gross die Belastung durch Lärm- oder Rauchemissionen sein könnte. Auch der Denkmalschutz wurde kontaktiert. Gemäss Stadtbaumeister Claude Barbey hat der Neubau nun sogar positive Auswirkungen auf den gesamten Platz, der «entrümpelt» werde. Die heutigen Spielgeräte werden in den daneben liegenden Naturgarten verlegt, der noch angepasst wird. Die meisten gelben Parkplätze unter der Zufahrt verschwinden, und durch die Heizzentrale werde das Schulareal richtiggehend umarmt. «Das ist eine sehr gute Lösung», ist Stadtbaumeister Barbey überzeugt.

Wie aber steht es mit dem Camionverkehr? Die Holzschnitzel für den Betrieb der Anlage - das wurde im Zusammenarbeitsvertrag zwischen Stadt und EBM festgehalten - werden von der Bürgergemeinde Grenchen bezogen. Stadtbaumeister Claude Barbey gibt bezüglich des Anlieferungsverkehrs Entwarnung. «Das Silo in der Anlage muss nur einmal pro Woche beschickt werden, viel Verkehr ist also nicht zu erwarten.» Wie Martin Dietler von der EBM ergänzt, wird der Betonbau ausserdem mit einer Fassade aus Holz verkleidet und das Flachdach extensiv begrünt. Ausserdem sollen die Kamine, die im Vorfeld für Diskussionsstoff gesorgt hatten, maximal 8 Meter über Boden ragen und nicht wie anfänglich geplant 15 Meter. Die Holzkessel werden mit Elektrofiltern ausgerüstet.

Erweiterung in drei, vier Jahren

In einer ersten Phase würden ein Holzkessel sowie ein Öl-Gas-Kessel für Spitzenzeiten installiert. Damit würden alle städtischen Gebäude und alle Schulhäuser bis auf das Schulhaus IV durch die noch zu verlegenden unterirdischen Leitungen geheizt. Drei bis vier Jahre später soll ein zweiter Holzkessel integriert und der Verbund auf das Schulhaus IV und das Parktheater erweitert werden. Der erste Holzkessel leistet laut Projektleiter Dietler 450 Kilowatt, der zusätzliche Öl-Gas-Kessel 2000 Kilowatt. Für den zweiten Holzkessel ist eine Leistung von 900 Kilowatt vorgesehen.

Für die aktuelle Bauplanung war die Anordnung der Heizzentrale noch einmal verändert worden. Statt parallel zur Strasse wird der Komplex in die Tiefe des Schulhausplatzes führen. Auf dem Durchgang wird es enger. «Der Platz verliert zwar an Fläche, aber gleichzeitig können bestehende Grünflächen und Bäume geschützt werden», erklärt Martin Dietler. Die Mauer unterhalb der Lindenstrasse muss abgebrochen und ein oder zwei Bäume müssen gefällt werden. Die Veloständer für die Schülerinnen und Schüler werden ebenfalls versetzt.

Wird man sich mit dem Einsprecher einig, könnte noch im Herbst mit dem Bau begonnen werden. Ansonsten könnte der Nahwärmeverbund in weite Ferne rücken. Im besten Fall, erklärt Projektleiter Martin Dietler, würde der Verbund noch während der kommenden Heizperiode in Betrieb genommen.