Baustelle

Wegen der Baustelle machen Ladenbesitzer die Hälfte weniger Umsatz

Die Baustelle ist vielen Gewerbetreibenden ein Dorn im Auge und für viele der Grund des Kundenschwunds.

Die Baustelle ist vielen Gewerbetreibenden ein Dorn im Auge und für viele der Grund des Kundenschwunds.

Das Gewerbe rund um die Baustelle in Bettlach hat es schwer. Bis vor wenigen Tagen konnten Autofahrer von der Solothurnstrasse her nicht Richtung Bahnhof fahren. Das bekam vor allem der Denner-Satellit zu spüren.

Um es vorwegzunehmen: Die Gewerbetreibenden von Bettlach sind sich nicht ganz einig. Die einen finden, der Kanton gebe sich allergrösste Mühe, die Beeinträchtigungen durch die Baustelle mitten auf der wichtigsten Kreuzung in Bettlach gering zu halten, andere aber finden, dass man sich durchaus noch etwas mehr Mühe hätte geben dürfen.

Tatsache ist: Wenn es beim Ausmass auch Unterschiede gibt – unter den Bauarbeiten, die noch bis Ende November dauern könnten, leiden viele Gewerbetreibende im Dorf.

Nur halb so viel Umsatz

Probleme hat das Gewerbe vor allem dann, wenn die Nord- oder Südabfahrt des Kreisels gesperrt ist. Bis vor wenigen Tagen konnten Autofahrer von der Solothurnstrasse her nicht Richtung Bahnhof fahren, was vor allem Cradyan Maylvaganam vom Denner-Satelliten zu spüren bekam.

«Ich mache an einzelnen Tagen fast nur die Hälfte des üblichen Umsatzes», sagt er, «erst jetzt zieht es langsam wieder an. So oder so ist der Kreisel ein Hindernis für viele Bettlacher, die vom oberen Dorfteil zu mir einkaufen kommen möchten.»

Sieht sich als Opfer der Verkehrsprobleme: Cradyan Maylvaganam.

Sieht sich als Opfer der Verkehrsprobleme: Cradyan Maylvaganam.

Das gilt auch jetzt, wo die nördliche Abfahrt Richtung Gemeindehaus zu ist. «Gerade viele ältere Menschen zieren sich davor, den Weg zu mir auf sich zu nehmen.» Maylvaganam ging wegen seiner Einbussen schon auf die Gemeindeverwaltung, die hätten ihm aber auch nicht helfen können.

30 bis 40 Prozent der Kundschaft fehlen

Ähnliche Aussagen macht Ezio Frigo vom Café Treff gleich oberhalb des Kreisels. Weil man während der nächsten Zeit nicht direkt zu ihm abbiegen könne, fehlten ihm 30 bis 40 Prozent der Kundschaft.

Die Einwohner und Arbeiter von Bettlach bleiben ihm zwar erhalten, die Lauf- oder Durchfahrtskundschaft bleibt aber aus. Frigo hat sich deshalb schon beim kantonalen Tiefbauamt beschwert – erfolglos.

«Die wissen sich schon hinter ihren Paragrafen zu verstecken», meint er. Über das Ausmass der Verkehrsbeschränkungen sei vorgängig zu wenig informiert worden.

Die Bauarbeiter denken nicht daran, ihr Znüni bei Ezio Frigo zu essen. Er beschwichtigt dennoch. So schlimm sei es dann auch wieder nicht.

Um den Verlusten etwas entgegenzuwirken, macht Frigo aus der Not eine Tugend und organisiert demnächst ein besonderes Baustellenfest, an dem es originelle Unterhaltung und passende Snacks geben soll.

Umleitungen, die abhalten

Weiter oben an der Dorfstrasse leiden die Gewerbetreibenden etwas weniger. Bei Coop heisst es zwar, man spüre den Kundenschwund, es kämen aber immer noch sehr viele Grenchner extra in die Bettlacher Filiale einkaufen.

Der Grund ist schnell erklärt: Wer nicht über die Solothurnstrasse, sondern über die Grenchen- oder Jurastrasse ins Dorf fährt, umfährt die Kreiselbaustelle von alleine.

Auf der Poststelle oder bei der Geschenkboutique Heinz Strub Elektro Anlagen merkt man gar keine Unterschiede zu vorher. Etwas anders ist es bei Kioskfrau Jolanda Krhut. Sie sagt, sie habe eindeutig weniger Kunden.

Gleichzeitig nimmt sie aber auch an, dass jetzt – mit dem Ende der Sommerferien – das Geschäft wieder ein wenig angekurbelt wird. Einig sind sich die Gewerbetreibenden darin, dass die Umleitungen ins Dorf ungeschickt und teilweise zu wenig markiert sind.

So muss beispielsweise, wer von Selzach her kommt, an der Baustelle vorbeifahren und weiter westlich wieder zurückfahren. Schnellere, aus Sicht einiger Gewerbler geeignetere Umleitungen, wurden nicht markiert.

Nicht existenzgefährdend

Problematisch sei zudem, dass die Baustelle im Allgemeinen viele Autofahrer überfordert. Susanne Frei von der Jura Garage sagt, die Einnahmen an der Tankstelle seien durch die Baustelle um rund einen Drittel geschrumpft.

Zwar gäben sich die Bauarbeiter und der Kanton viel Mühe, damit die Zufahrt gewährleistet sei, viele Autofahrer kämen mit der weitläufigen Baustelle und stetig veränderten Strassenführung aber nicht zurecht und seien bereits wieder an der Tankstelle vorbei, bevor sie überhaupt realisiert haben, dass sie hätten zufahren können.

Fazit: Spurlos geht die Kantonsbaustelle am Gewerbe von Bettlach sicher nicht vorbei. Bezüglich Signalisierung und Vorinformation gibt es wahrscheinlich durchaus noch Verbesserungspotenzial.

«Lüpfen» sollte es allein der Baustelle wegen dennoch keinen – ausser er hat ohnehin Existenzprobleme. Susanne Frei von der Jura Garage bringt das mit folgenden Worten auf den Punkt:

«Es ist halt, wies ist. Es ist nicht schön, aber wir werden es überleben. Und wir sind sicher froh, wenn die Bauerei bald einmal fertig ist.»

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