«Jetzt verwandelt sich Grenchen endgültig in eine Schlafstadt», werden notorische Nörgler behaupten, wenn der Bettenhersteller «Hüsler Nest» seinen Hauptsitz an den Jurasüdfuss verlegen wird. Zur Schlafstadt passten auch die leerstehenden Geschäfte im Zentrum. Und überhaupt sei früher, als es noch die EPA gab, alles besser gewesen. Sind leere Geschäftslokale nur ein Problem der Uhrenstadt?

Flaniert man durch die Gassen unserer Nachbarn Solothurn und Biel stösst man vermehrt auf leerstehende Geschäfte. Auch Hotspots wie Zürich, St. Moritz oder Genf beklagen nicht genutzte Gewerberäume. Allein in der Calvin-Stadt sucht eine Immobiliengesellschaft für 696 Gewerbelokalitäten solvente Mieter. Internet-Shopping, Einkaufszentren im Grünen oder die günstigen Angebote im nahen Ausland hinterlassen schmerzliche Spuren. Sollen wir uns damit trösten, dass es anderen ähnlich geht wie uns?

Nein! «Wenn es kein Zurück gibt, müssen wir die beste Möglichkeit finden, vorwärtszukommen», schrieb Paulo Coelho in seinem Roman «der Alchimist». In Städten wie Berlin, Paris oder New York versucht man, Kunden mit Concept Stores an sich zu binden. Man hat erkannt, gute Ware und Beratung allein genügen heute nicht mehr. Concept Stores streben ein erlebnisreiches Einkaufen an. Sie erreichen dies, indem das Grundangebot mit Artikeln ergänzt wird, womit sich Kunden gerne umgeben und wohlfühlen. So könnte zum Beispiel eine Kleider-Boutique ihre Warenauslage mit Wohnaccessoires, Büchern, Spielsachen oder Dingen des täglichen Gebrauchs erweitern. Das Sortiment wäre nicht breit, aber es gäbe in jedem Laden einiges zu entdecken. Grenchen ist nicht Berlin, das stimmt. Aber die leerstehenden Bankräume am Marktplatz eigneten sich gut für ein solches Projekt. Vielleicht realisieren initiative Geschäftsleute einen Concept Store an dieser Stelle?

Was sind die Merkmale einer Schlafstadt? Fehlende Infrastruktur, nicht vorhandenes Gesellschaftsleben, geringe Freizeitaktivitätsmöglichkeiten, kaum Arbeitsplätze. Auf Grenchen treffen sie jedenfalls nicht zu. Sollten Sie wieder einmal die Bemerkung hören, wir lebten in einer Schlafstadt, können sie mit geschwellter Brust entgegnen, dass wir weder eine Schlafstadt noch eine schlaffe Stadt sind. Letzteres, weil es viele Anlässe gibt, wofür uns andere beneiden, wie die Chürbisnacht, der Grenchenberglauf, den Schmelzi-Flohmäret, das Grenchner Fest, die Triennale, den Rock am Märetplatz, den Uhrencup, die Wettkämpfe im Velodrome usw. Solange wir alle, innovative Gewerbler und Leute, unterstützen, die den Mut und die Motivation haben, solche Anlässe durchzuführen und an unsere Stadt glauben, müssen wir uns nicht davor fürchten, dass sich Grenchen in eine Schlafstadt verwandeln wird. Helfen auch Sie mit?