Grenchen
Wasserreservoir liefert sauberes Wasser für 40000 Menschen

Woher kommt das Wasser, dass bei den Grenchnern aus dem Wasserhahn läuft? Neue Führungen durch Grenchner Wasserreservoir verraten dies und noch viel mehr.

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Bei der Führung erfahren die Besucher allerhand Interessantes übers Reservoir
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Natürlich wird Wasser getrunken
Führung durchs Wasserreservoir von Grenchen

Bei der Führung erfahren die Besucher allerhand Interessantes übers Reservoir

Hanspeter Bärtschi

Ganz selbstverständlich führt der morgendliche Weg meist zuerst ins Badezimmer. Duschen, Zähne putzen, Toilettengang und vor dem Aufbruch noch eine stärkende Tasse Kaffee geniessen. Allesamt Tätigkeiten die eine Menge sauberes Wasser brauchen. Um diesen Wohlstand in jedem Haushalt zu gewährleisten, ist eine umfangreiche Infrastruktur vonnöten. Das Trinkwasser von Grenchen und der Umgebung (vgl. Kasten) stammt aus Quellfassungen im Grenchenberg und Grundwasserpumpwerken in Kyburg, Obergerlafingen, Recherswil.

Unter dem Terminus «Line-e» bietet die «Energie Zukunft Schweiz» Führungen in Energie- und Trinkwasseranlagen an. In Zusammenarbeit mit der SWG kann seit Februar auch das Wasserreservoir Studen in

Wasser für mehr als neun Gemeinden

Der Gruppenwasserversorgung Grenchen sind neun Gemeinden (Bettlach, Selzach, Nennigkofen, Lüterkofen-Ichertswil, Biberist, Wiler, Recherswil und Obergerlafingen) und der Zweckverband WV Kyburg angeschlossen. Die Anlagen werden durch die SWG unterhalten und überwacht. Die Städte Grenchen und Solothurn sind über eine Transportleitung miteinander verbunden. Bei Bedarf können sich die beiden gegenseitig mit Wasser beliefern. Im Bereich der Trinkwasserfassung wird in drei Grundwasserschutzzonen unterteilt. Diese sollen verhindern, das Pflanzenschutzmittel, Chemikalien oder zum Beispiel Treibstoffen ins Grundwasser sickern. Ein Reglement legt fest, was in den einzelnen Schutzzonenbereichen erlaubt und was verboten ist. Beispielsweise darf in Schutzzone eins kein Auto parkiert werden, da aus einem defekten Tank Benzin auslaufen könnte. (chf)

Wasserkreislauf und Verschleiss

Was man auf den Führungen alles erfährt, zeigt der Besuch bei der allerersten überhaupt: Eine Gruppe Landwirte, Pächter und Bewirtschafter, allesamt Landeigentümer von Grundwasserschutzzonen, führt Hofmann heute durch die Anlage. Zu Beginn testet er das Wissen über den Wasserkreislauf. Wie war das noch mal: Wasser verdunstet durch die Sonneneinstrahlung, gelangt in die Atmosphäre und kommt in Form von Regen, Hagel oder Schnee wieder auf die Erdoberfläche zurück. Der Niederschlag sickert ins Grundwasser oder fliesst in Bäche, Flüsse und zurück in die Meere. Exakt, und dann die entscheidende Frage von Hofmann: «Wo greift der Mensch überall ein?» Mit roten Pfeilen markieren die Männer die entsprechenden Bilder: Grundwasser, Quelle, Fluss und Meer. Was niemand wusste - dass von der Gesamtmenge an Wasser auf dieser Welt, nur drei Prozent Süsswasser für Verwendungszwecke des Menschen zirkulieren.

Dann veranschaulicht eine Power-Point-Präsentation die Wassergewinnung und Versorgung. 1913 wurden beim Bau des Grenchenbergtunnels zwei Wasseradern angegraben. Eine riesige Menge Wasser ergoss sich in den Tunnel und spülte die Arbeiter hinaus. Unterdessen wurden 20 Quellen gefasst und aus dem Berg wird Trinkwasser für 13 Gemeinden gefördert. «Sogar ein unterirdisches Seeli befindet sich im Berg», weiss Hofmann.

In den Pumpwerken garantiert die permanente Überwachung die Wasserqualität. «Es ist zum Glück noch nie etwas passiert», weiss der Gruppen-Guide. Markus Boss, SWG-Brunnenmeister, wirft hingegen eine weniger erfreuliche Information in die Runde. «Neu wird das geförderte Grundwasser bis ins Jahr 2010 vom Kanton konzessioniert.» Grenchen muss dem Kanton rückläufig einige Zehntausende Franken berappen.

Der Test mit dem Wasser

Wenn man bedenkt, dass ein über 90 Kilometer langes Leitungsnetz Grenchen und seine Umgebung versorgt, kann man sich kaum vorstellen, dass früher dafür Wasserleitungen aus Holz verwendet wurden. Verschiedenes Anschauungsmaterial zeigt den Entwicklungsprozess auf.

Nach einer Besichtigung der beiden Reservoirkammern (Fassungsvermögen 3 Millionen Liter) lässt Hofmann die Gruppe den Tagesverbrauch eines Schweizers schätzen. Wer hätte gedacht, dass mit 43 Litern pro Person, der Toilettengang am meisten Wasser braucht? Etwas weniger fliesst beim Duschen und Baden, nämlich durchschnittlich 32 Liter, dicht gefolgt von der Waschmaschine mit 30 Litern pro Tag. Auch das virituelle Wasser wird thematisiert; das sind Wassermengen, die bei der Erzeugung eines Produkts aufgewendet werden. Fleischwaren sind die grössten Wasserverbraucher, allen voran Rindfleisch mit 15 000 Liter pro Kilo. Spannend das Beispiel von einem Kilosack Kartoffeln: Stammt das Gemüse aus Ägypten, wurden dafür rund 430 Liter Wasser verwendetet, kauft man Schweizer Kartoffeln, sind es nur 120 Liter. Bedenklich. «Wir gehen sehr verschwenderisch mit Wasser um», bemerkt Benno Jost aus Obergerlafingen.

Am Schluss der Führung degustieren die Teilnehmer drei verschiedene stille Wasser. Zugunsten des Grenchner Hahnenwassers kann keiner der Probanden mit Bestimmtheit sagen, welches Wässerchen nun aus der Tunnelquelle ist und bei welchen es sich um kommerzielle Mineralwasser handelt. «Ein gutes Zeichen», freut sich Roland Hofmann. Das sei seine Moral der Geschichte: «Trinket Grenchner Hahnenwasser.»