In den nächsten Tagen und Wochen werden 1931 Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren einen persönlichen Brief der Stadt Grenchen erhalten. Darin werden sie auf eine Onlinebefragung aufmerksam gemacht, die ab der zweiten Dezemberwoche auf der Homepage der Stadt Grenchen aufgeschaltet wird.

In dieser Onlinebefragung gehe es darum, «dass die Jugendlichen ihre Wünsche und Hoffnungen formulieren können, aber auch sagen können, was ihrer Meinung nach nicht gut läuft in der Stadt, wo es Defizite gibt, die man verbessern könnte», erklärt Mike Brotschi, Projektleitung und Koordination Standortförderung, Kultur, Sport und Freizeit. Die Stadt erhofft sich eine rege Teilnahme und einen hohen Rücklauf, denn eine bessere Grundlage für die Jugendlichen, sich zu ihrer aktuellen Situation und ihren Freizeitaktivitäten zu äussern – selbstverständlich anonym – gebe es eigentlich kaum. Unter den Teilnehmern werden zudem – quasi als Zückerchen – Einkaufsgutscheine verlost.

Hintergrund der Aktion

Als zweite Solothurner Gemeinde nach Laupersdorf wurde die Stadt Grenchen Ende Mai mit dem Unicef-Label «Kinderfreundliche Stadt» ausgezeichnet. «Das Label verpflichtet», stellte Stadtpräsident François Scheidegger damals anlässlich der Diplomübergabe fest. Er rief in seiner Rede die fortschrittlichen Schulen mit Unterstützung bei der Lehrstellensuche, die überdurchschnittliche Sicherheit bei Verkehr und Wohnen mit Spielstrassen, die volksnahe Stadtpolizei und die Kulturanlässe für Kinder in Erinnerung.

Aus vielen Ideen seien Massnahmen ausgewählt worden, die die bestehende Situation mit vernünftigem und vertretbarem Aufwand verbessern sollen. Diese Massnahmen wurden in einem Aktionsplan umschrieben, der acht konkrete Ziele enthält, die man über die Jahre 2018 bis 2021 erreichen und sich so in vier Jahren die Erneuerung des Zertifikats sichern will: Ein Leitbild zur Kinder- und Jugendpolitik, im Bereich Frühförderung die Koordination und niederschwellige Angebote; die Partizipation von Kindern und Jugendlichen fördern; die Ausschreibung eines Filmprojekts im Rahmen der offenen Jugendarbeit oder auf Sekundarstufe; im Bereich Verkehr die Stärkung der Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen und die Stärkung von Sicherheit und Attraktivität der Schulwege; die Mitgestaltung des Pausenplatzes Zentrum; die Unterstützung von Projekten für das Spielen im öffentlichen Raum und die Förderung eines Jugendraums für 15 - 20-Jährige.

In Arbeit sei momentan das Leitbild zur Kinder- und Jugendpolitik, erklärt Brotschi. Dieses Leitbild wird in Zusammenarbeit mit Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz erstellt, die zu diesem Thema eine Projektarbeit schreiben. «Die Studierenden – fünf Frauen im 2. und 3. Jahr ihrer Ausbildung – haben mit Verantwortlichen in der Verwaltung und verschiedenen Institutionen Interviews geführt. Mit Daniel Lüdi, dem scheidenden Präsidenten der Jugendkommission, Tamara Moser, der Leiterin des Lindenhauses, mit Kurt Boner, dem Leiter der Sozialen Dienste Oberer Leberberg und nicht zuletzt mit Stadtpräsident François Scheidegger selber.»

Ziel der Interviews für die Studierenden: Sie möchten möglichst genau den Ist-Zustand in der Kinder- und Jugendarbeit Grenchens feststellen, das vorhandene Angebot abbilden und die Visionen der Experten abholen. Die Ergebnisse dieser Interviews will man ins Leitbild einfliessen lassen.

Was ist aber mit den Jugendlichen selber? Man hat festgestellt, dass die Bedürfnisse der Jugendlichen bis zum Schulende, also bis etwa 16-jährig, gut abgedeckt sind. Danach hapert es aber gewaltig. Die Studierenden wollen nun in ihrer Projektarbeit an Inputs der Zielgruppe, also der 16- bis 25-Jährigen kommen und aufgrund der Ergebnisse Handlungsempfehlungen erstellen. Um ihr Ziel zu erreichen, müssen sie einen direkten Zugang zum Zielpublikum erhalten. Denn nur mit einer repräsentativen Stichprobe kann man eine wissenschaftlich fundierte Analyse durchführen, welche den Ist- und den gewünschten Soll-Zustand bestmöglich wiedergibt. Deshalb die Online-Befragung.

Der Fragenkatalog

Fragen, die gestellt werden, lauten beispielsweise: «Finden Sie, dass Grenchen für junge Erwachsene ein attraktiver Wohnort ist?» Sowohl bei einer positiven wie negativen Antwort haben die Befragten in einer weiterführenden Frage nach dem Warum eine Auswahl an Mehrfach-Antworten zu Ausgangs- und Einkaufsmöglichkeiten, dem kulturellen Angebot, zum öffentlichen Verkehr und dem Naherholungsgebiet. Die Studentinnen fragen auch nach den bevorzugten Aufenthaltsorten, nach dem Freizeitverhalten, nach vorhandenen und fehlenden Angeboten.

Sogar der persönliche Stresslevel wird erhoben, samt den Gründen dazu – sei es Lehrstellen- oder Jobsuche, Leistungsdruck in der Schule oder im Job, Familie und Freunde. Man fragt aber auch nach den Werten, die den Jugendlichen wichtig sind und der Form, wie und ob überhaupt sie von der Stadt kontaktiert und informiert werden möchten.

Personalisierter Brief

Um das Zielpublikum auf die Aktion hinzuweisen, erhalten alle Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren, die ihren Wohnsitz in Grenchen haben, eine persönliche Einladung zur Umfrage, die nach Vortests zwischen 3. und 9. Dezember Mitte Monat aufgeschaltet wird. Die Stadt verfügt über die Adressen der infrage kommenden Jugendlichen, darf diese aber aus Datenschutzgründen nicht herausgeben. Deshalb organisiert die Stadt den Versand selber – die Briefe werden am 10. Dezember verschickt. Vier der fünf am Projekt beteiligten Studentinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz, Cynthia Künzi, Nadine Dönz, Linda Wick und Alessandra Castelli, packten die personalisierten Briefe in diesen Tagen ein – eine Fleissarbeit. Die Fünfte im Bund ist Evelyne Ott.

Das Ausfüllen des Fragebogens dauert 10 - 15 Minuten, die Angaben werden anonym und vertraulich behandelt, versichern die Studentinnen im Schreiben an die Jugendlichen. Die Projektantinnen bitten auch um Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit beim Ausfüllen. Es gebe keine «richtigen oder falschen Antworten». Deadline für die Befragung ist der 30. Dezember, erste Resultate sind im Februar 2019 zu erwarten.