Grenchen
Was macht Sinn, wenn es brennt?

Eine Grossübung der Feuerwehr im Alterszentrum Weinberg zeigt: Das neue Sicherheitskonzept funktioniert. Wichtig dabei: Innert zwei bis drei Minuten sind die ersten Rauchopfer geborgen worden.

Oliver Menge
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Besprechung mit den Figurantinnen vor der Übung
32 Bilder
Einsatzleiter Mich Stuber wird vom Sicherheitsbeauftragten Daniel Brunner informiert
Stuber gibt Anweisungen, das Tlf steht vor dem Eingang des Alterszentrums
Die Einsatzkräfte bereiten sich vor
Der Alarm wird ausgelöst
Auf der Brandmeldeanlage wird der Alarm quittiert
Schläuche werden ausgerollt und angeschlossen
Wasser marsch
Die Rauchmaschine wird in Gang gesetzt
Die Atemschutzausrüstung wird montiert
Atemschutzausrüstung wird montiert
Mit Atemschutzgeräten ausgerüstete Feuerwehrleute stürmen ins Gebäude
Sie suchen den Brandherd
Der Rauch ist wirklich undurchdringlich
Feuerwehrleute suchen jeden Raum ab
Die Betagten im Parterre werden evakuiert und zum Sammelplatz geleitet
Nume nid hetze
Eine Verletzte wird gefunden
Sie wird evakuiert
Ihr Bein ist gebrochen
Eine weitere Verletzte hat sich in einen Putzraum geflüchtet
Diese Verletzten sollten ebenfalls evakuiert werden
Noch findet man die Sache lustig
Auf der Leiter ist es dann eher ein Abenteuer
Die Rettung über die Drehleiter vom obersten Stock ist knifflig
Die Rettung über die Drehleiter vom obersten Stock ist knifflig
Die Rettung über die Drehleiter vom obersten Stock ist knifflig
Sicher am Boden abgesetzt
Feuerwehrübung Grenchen
Die Brandvorhänge in den oberen Stockwerken haben sich automatisch geschlossen
Sonja Leuenberger, Geschäftsführerin der Alterszentren, Feuerwehrkommandant Bruno Bider und Kurt Boner, Leiter Soziale Dienste
Übungsbesprechung: Alles verlief planmässig und zur Zufriedenheit der Übungsleitung

Besprechung mit den Figurantinnen vor der Übung

Oliver Menge

Montagabend: Essenzeit im Alterszentrum Weinberg. Rund 15 Bewohnerinnen und Bewohner sitzen im Esssaal im Erdgeschoss und geniessen ihr Abendessen. Kurz nach 18 Uhr geht im ersten Stock der Brandalarm los; es wird hektisch im Betrieb. Rauchschwaden ziehen durch die Cafeteria, auf den elektronischen Anzeigen auf jedem Stockwerk erscheint ein blinkendes Signet: «Feuer». Im ganzen Haus ist ein Alarmsignal zu hören. Die Lifte fahren automatisch ins Erdgeschoss und sind ausser Betrieb.

Kurz zuvor hatte Bruno Bider, Kommandant der Feuerwehr Grenchen, zusammen mit einem seiner Feuerwehrmänner ein Rauchgerät in einen Raum im Parterre gebracht und in Gang gesetzt. Daniel Brunner, Leiter Betrieb und Infrastruktur, und Sicherheitsbeauftragter der Alterszentren Kastels und Weinberg, instruierte die acht Mitarbeiterinnen, die in der Übung als Figuranten dienen. Sie wurden mit einer gelben Weste ausgestattet, mit Kärtchen ausgerüstet, darauf die jeweilige Verletzung, und begaben sich an vorher definierte Plätze. Ein Mitarbeiter von Brunner löste mit einem speziellen Gerät an einem Brandmelder im ersten Stock den Alarm aus.

Neues Sicherheitskonzept

Verschieben statt evakuieren

Bereits im letzten Mai hatte eine Übung im Altersheim Kastels die Grenzen des Machbaren deutlich aufgezeigt. Man wollte die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Heim evakuieren, so wie das in einem Brandfall schon immer vorgesehen war. Innerhalb einer vollen Stunde konnten genau sechs Heimbewohner evakuiert werden. Eigentlich ein Desaster, das in einem Ernstfall gravierende Folgen gehabt hätte. «Die Lifte sind nicht in Betrieb, wenn es brennt», erklärt Sonja Leuenberger, die Geschäftsführerin der beiden Alterszentren Kastels und Weinberg. «Wir müssen die betagten Personen übers Treppenhaus ins Freie bringen.» Das zum Teil auf Matten liegend oder man muss sie die Treppe hinuntertragen. «Auf der Treppe muss sich aber auch die Feuerwehr bewegen können. Man kommt sich unweigerlich in die Quere und ist man im Erdgeschoss angekommen, fehlen Rollstühle oder Rollatoren.» Feuerwehrkommandant Bruno Bider erklärt, dass die Gebäude bereits so konzipiert sind, dass sogenannte Brandabschnitte bestehen. Das heisst, Teile des Gebäudes oder bestimmte Bereiche von jedem Stockwerk können von einem möglichen Brand abgeriegelt werden, sodass Menschen darin sicher sind. «Wir haben nach der Übung im Mai das Sicherheitskonzept komplett überarbeitet und die Mitarbeitenden wurden entsprechend geschult. Wenn es brennt, werden nun die Bewohnerinnen und Bewohner einfach in einen sicheren Brandabschnitt gebracht. Das macht wesentlich mehr Sinn, als der Versuch, alle Leute mühsam aus dem Haus zu evakuieren. So kann die Feuerwehr auch besser das machen, wozu sie da ist: Verletzte bergen und den Brand bekämpfen.» (om)

In sichere Bereiche bringen

Sonja Leuenberger, die Geschäftsführerin der beiden Alterszentren, beobachtet alles sehr genau. Schliesslich geht es darum, das neue Sicherheitskonzept erstmals zu testen. Denn statt die Bewohnerinnen und Bewohner zu evakuieren, wie man das früher vorgesehen hatte, werden sie nun «nur noch» in sichere Bereiche innerhalb des Hauses gebracht (siehe sep. Artikel).

Dann geht es alles ziemlich schnell: Drei Mitarbeiterinnen eilen zur Brandmeldezentrale neben dem Empfang und quittieren den Alarm, nun wissen sie, wo es brennt. Währenddessen senken sich im Atrium des dreistöckigen Gebäudes in den oberen Stockwerken automatische Brandvorhänge, die Stockwerke sind abgeriegelt.

Mitarbeiterinnen des Alterszentrums geleiten die Seniorinnen und Senioren aus dem Esssaal im Parterre nach draussen zum Sammelplatz hinter dem Gebäude. Langsam, denn rennen können die Bewohnerinnen und Bewohner des Weinbergs nicht. Vorsichtig werden die Räder der Rollatoren über die Schwelle gehoben, jetzt nur keinen Sturz verursachen. Die Bewohnerinnen und Bewohner wissen, was da mit ihnen geschieht. Man hatte sie und ihre Angehörigen vorher darüber informiert, dass die Feuerwehr eine Übung durchführen wird.

Die Feuerwehr ist da, keine 5 Minuten nach der Auslösung des Alarms. Ein Tanklöschfahrzeug und ein weiteres Fahrzeug sind vor dem Eingang in Stellung gegangen, ein weiteres Tanklöschfahrzeug ist hinter das Gebäude gefahren. Einsatzleiter Mich Stuber verschafft sich einen ersten Überblick. Es brenne in der Küche, wird ihm von einer Mitarbeiterin mitgeteilt. Er eilt wieder nach draussen, mehrere seiner Leute haben sich inzwischen ausgerüstet und stehen in voller Montur mit Atemschutzgeräten bereit. Sie eilen in den Küchenbereich, von dort kommt der Rauch, und finden zwei Verletzte. Eine junge Frau mit einem Beinbruch wird aus dem Raum ins Freie getragen. Die zweite Verletzte, sie hat massive Brandwunden, wird etwas später in einem Putzraum gefunden, in den sie sich geflüchtet hat und wird ebenfalls evakuiert.

Draussen werden Schläuche ausgelegt und angeschlossen. Mit einem starken Ventilator wird der Rauch aus dem Gebäude geblasen. Mehrere Gruppen von Feuerwehrleuten durchkämmen jeden Raum, um nach weiteren Verletzten zu suchen. Alle sind mit einem Seil Zwei Personen sind vor dem Rauch und dem Feuer auf die Dachterrasse geflohen und rufen um Hilfe. Das Fahrzeug mit der Drehleiter wird auf die Westseite gefahren. Vorsichtig manövriert der Maschinist die Leiter mit dem Korb zwischen den Bäumen hindurch hinauf zur Terrasse. Die beiden Frauen müssen eine nach der anderen über das Geländer in den Korb klettern, wo sie von einem Feuerwehrmann in Empfang genommen werden. Die Leiter ist zwar stabil, schwankt aber dennoch ziemlich stark. Dann «schweben» sie Richtung festen Boden.

Im Aufenthaltsraum im ersten Stock stehen drei Figurantinnen am offenen Fenster und rufen um Hilfe. Interessiert beobachten die Heimbewohner das Treiben. Manchen scheint es ganz gut zu gefallen, dass «etwas läuft». Eine Frau weist eine andere zurecht, sie solle sich doch nicht gleich vor den Eingang setzen, jetzt komme nämlich gleich die Feuerwehr. «Da bist du doch nur im Weg.»

Tatsächlich: Eine Einsatzgruppe betritt den Raum, um die «Rauchgasopfer» zu evakuieren. Doch diese Aktion wird unterbrochen. Als erweiterte Übungsanlage soll nämlich versucht werden, auch diese Personen mit der Drehleiter zu bergen, so will es die Übungsleitung. Das Fahrzeug wird vor dem Eingang in Stellung gebracht, die «Verletzten» verlassen das Gebäude im Rettungskorb.

Vorgaben wurden erfüllt

Thomas Maritz, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Grenchen, lobt seine rund 40 Feuerwehrmänner und -frauen in der Übungskritik. Die Zeiten, die erreicht wurden, entsprächen dem, was man sich wünschen könne: Bereits eine Minute nach Eintreffen sei der Atemschutz zum Einsatz gekommen. Innert zwei bis drei Minuten seien die ersten Rauchopfer geborgen worden und für den Brandangriff von zwei Seiten habe man nur sieben Minuten benötigt. Innerhalb von 10 - 12 Minuten seien alle Schlüsselstellen erledigt gewesen. Das Lüftungskonzept müsse besser sein, so Maritz. «Je eher der Rauch aus dem Gebäude ist, desto eher haben alle freie Sicht.» Aber alles in allem sei die Übung sehr erfolgreich verlaufen.

Sonja Leuenberger ist ebenfalls zufrieden. Das neue Sicherheitskonzept habe sich bewährt, sowohl von der technischen Seite als auch von den Mitarbeitern her, die gemäss den Instruktionen vorgegangen sind. Und auch Feuerwehrkommandant Bruno Bider und der Sicherheitsbeauftragte Daniel Brunner freuen sich, dass alles so abgelaufen ist, wie man es sich erhofft hat.