Begonnen hat alles damit, dass ich in den letzten Jahren für unsere Weihnachtsdeko nebst Samichläusen und Engeli auf einmal Rentiere einkaufte. Viele, viel zu viele Rentiere. Braune, weisse, rote, glänzende, aus Porzellan aus Holz, aus welchem Material auch immer. Nebst den Rentieren stehen auch diverse Elche herum und mir ist es völlig egal, welches Elche und welches Rentiere sind. Wissen tue ich bloss, dass der Schlitten vom Samichlaus von Rentieren gezogen wurde und wer weiss, vielleicht heute noch gezogen wird und keinesfalls von Elchen. Rentiere lassen sich nämlich domestizieren und das hat der Samichlaus getan. Elche sind frei und wild und fast ausgestorben. Rentiere sind dementsprechend Hunden eher ähnlich als Katzen. Unsere Katze ist tatsächlich alles andere als ein Rentier, eher denn doch ein verkleideter Elch, macht sie doch ausschliesslich nur das, was sie will. Nie im Leben würde sie einen Rentierschlitten ziehen, sie würde sich lediglich ziehen lassen.

Da kam mein Mann doch eines schönen Adventstages mit einem grossen Paket nach Hause und verkündete freudestrahlend, dass sich in demselbigen ein Rentier befände, das sich beleuchten liesse und er hoffe, dass damit meine sämtlichen Rentiergelüste ein für alle Mal gestillt seien. Was sich im Paket befand, war meiner Meinung nach alles andere als ein Rentier, auch kein Elch, kein Reh, es war eine grausliche Mischung aus einem Windhund und einem mir bis anhin unbekannten Tier, das zu allem Elend ein Geweih trug, sodass auch seine Standfestigkeit nicht optimal war. Ich schluckte zweimal, lächelte und mein Mann brachte das Windhund-Ren zum Leuchten. Gar schrecklich war es anzusehen. Unsere Besucher fanden es gar nicht so schlimm, auch nicht wirklich schön, man wollte höflich bleiben. Dann, oh Weihnachtswunder, kam mir dieses Jahr eine Windböe zu Hilfe, selbstredend ohne mein Zutun, ich schwöre es bei allen Rentieren. Das Windhund-Ren stürzte, brach sich ein Bein und verlor seine Leuchtkraft. Muss ich wirklich davon berichten, dass mein Mann mit einer Leimpistole bewaffnet, stundenlang versuchte, das gebrochene Bein wieder anzukleben? Müssen Sie auch erfahren, dass ich die Aufgabe hatte, den flüssigen Leim mit dem Föhn zu trocknen? Wie auch immer, das Bein blieb gebrochen und ich vergoss innerlich Tränen der Freude.

Wenn ich bei Dämmerungseinbruch in die Grenchner Gärten schaue, so suche ich insgeheim ein Plätzchen für mein Windhund-Ren. Vielleicht frage ich noch im Aarebrüggli nach, obwohl sich dieses Tierheim gewiss eher über einen Unterstützungsbeitrag freuen würde. Diesen würde ich dem verletzten Plastiktier dann um den Hals binden und hoffen, dass damit auch dieses Kapitel meines Lebens beendet wäre. Um Rentiere, Elche und Windhunde mache ich von nun an einen grossen Bogen.