Grenchen hat wohl eine der bewegendsten Wochen der letzten Jahre hinter sich gebracht. Angefangen beim viel diskutierten Dok-Film, den inzwischen wohl die meisten Grenchnerinnen und Grenchner gesehen haben dürften und über den nicht nur viele Worte und Nerven, sondern auch viel Tinte verloren wurde. Und das sogar schweizweit. Die Meinungen gingen dabei weit auseinander. Da gibt es diejenigen Grenchnerinnen und Grenchner, die sich mächtig verletzt und verschaukelt fühlen, weil ihre Stadt nicht so dargestellt wurde, wie sie sie sehen oder gerne hätten. Andere bemängelten die Unvollständigkeit des Films, der die guten Seiten der Stadt, die Anstrengungen, die man unternommen hat und unternimmt, die wirtschaftliche Stärke, die kulturelle Vielfalt, die gelungene Integration eines grossen Teils der Einwohner mit Migrationshintergrund durch Institutionen und Vereine und so weiter einfach ausblendet, weglässt, unterschlägt, kein Wort darüber verliert.

Man darf, sich jetzt einfach nicht endgültig zur Lachnummer machen. Mit rechtlichen Schritten zu drohen gegen einen Dokfilm, der nach allen Regeln der modernen Filmkunst erstellt wurde und zu dem die Protagonisten samt und sonders eingewilligt haben, macht wenig Sinn. Denn seien wir ehrlich: Ein Dokumentarfilm bildet schon längst nicht mehr «die Realität ab», wie das vielleicht vor 20, 30 Jahren der Fall war. Auch die Zürcher Filmemacherin erzählte mit starken, polarisierenden Bildern eine Geschichte. Ihre Geschichte, die, wie sie sagt, überall stattfinden könnte. Dass der politische Rechtsrutsch und die Politverdrossenheit in Grenchen nur zum Teil mit der von ihr beobachteten, üblichen Reaktion auf Globalisierung, Wirtschaftskrise und Klumpenrisiko in der Industrie zurückzuführen sind, sondern möglicherweise zu einem guten Teil auch mit den Folgen der Abwahl des bisherigen SP-Stadtpräsidenten und dem Schulterschluss aller bürgerlichen Parteien zu tun hat, das hat ihr niemand gesagt.

Auch nicht, dass gerade die Grenchner extrem empfindlich auf Angriffe von aussen reagieren, weil sie ja seit Jahren ständig aufs Dach kriegen. Sei es vom Kanton, der Ämter und Jobs abzügelt, von der Nachbarsstadt, deren beliebtester Fasnachtsstoff Grenchen ist – und nach diesem Film bestimmt auch bleibt – von Wirtschaftsportalen mit ihren unsäglichen Rankings. Kein Wunder, ist Filmemacherin Karin Bauer erstaunt über die heftigen Reaktionen. Die sind für Aussenstehende wirklich kaum verständlich. Der Bummler hingegen, der aus der Stadt mit der noch grösseren A....karte stammt – Biel – kann den Ärger sehr gut nachvollziehen. Grenchen wurde abgewatscht, so richtig. Aber: Der Schaden ist angerichtet, rückgängig machen geht nicht. Darum muss es jetzt heissen: Abhaken und Vorwärtsschauen.

Die Woche hatte es aber auch sonst in sich: An der internationalen Musikwoche Grenchen traten international renommierte Orchester und Solisten auf. Die Veranstalter holten internationale Klasse erster Güte nach Grenchen. Das Publikum kam in Genuss grossartiger Orchester und hervorragender Darbietungen. Gut, der eine oder andere, der sich spontan für ein Ticket interessierte, wunderte sich vielleicht über die Höhe der Eintrittspreise, die für Grenchner Verhältnisse doch etwas teuer waren, international eben. Unter dem Strich aber erlebte ein Anlass sein Revival, der hoffentlich auch auf lange Zeit einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Stadt findet. Heute findet übrigens noch der Blasmusikwettbewerb statt und morgen die Matinee der Stadtmusik Grenchen, der Eintritt für dieses Konzert ist frei.

Eine traurige Nachricht machte den Abschluss dieser bemerkenswerten Woche: Andy Rihs, der «Vater» des Velodrome, starb nach schwerer Krankheit in der Nacht auf Freitag. Ich hatte die Ehre, diesem charismatischen Menschen mehrmals zu begegnen. Der «kleine Journi und Fotograf» durfte dabei einen witzigen, wortgewandten und äusserst engagierten Menschen erleben, der nicht nur viel Geld, sondern sein ganzes Herzblut in den Radsport und in dieses für Grenchen bedeutsame Projekt investierte. Er behielt stets die Bodenhaftung. Viele Menschen, die mit ihm zusammen dieses Projekt vorangetrieben haben, wie Alt-Stadtpräsident Boris Banga oder Beat Zbinden, der lange Jahre die Projektleitung innehatte, würdigten ihn und das Vermächtnis, das Andy Rihs der Stadt Grenchen hinterlassen hat. Ohne ihn gäbe es kein Tissot-Velodrome. R.I.P.