Allerheiligen
Was Ernst Thomke mit dem Chappeli vorhat

Wenn in der einstigen Wallfahrtswirtschaft Chappeli bald wieder der Teufel los ist, dann ist das positiv zu werten. Der frühere ETA-Chef Ernst Thomke will dem alten Gasthaus, das Ende des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, neues Leben einhauchen.

Patrick Furrer
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Die Bauprofile für den neuen Hühnerstall sind erst der Anfang – das «Chappeli» eröffnet 2012.

Die Bauprofile für den neuen Hühnerstall sind erst der Anfang – das «Chappeli» eröffnet 2012.

Hanspeter Bärtschi

Saniert, renoviert und verbessert werden soll das Schmuckstück an der Allerheiligenstrasse. Die Baupläne Thomkes lagen bis letzte Woche auf der Baudirektion Grenchen auf. Gegen das Baugesuch sind keine Beschwerden eingegangen, bestätigt Stadtbaumeister Claude Barbey. Demnächst soll die Baubewilligung erteilt werden. Ernst Thomkes Pläne verraten: In den Grenchner Höhen soll keine gewöhnliche Beiz mehr entstehen, sondern ein innovativer Restaurationsbetrieb mit Erlebnisgastronomie, in dem alte und neue Aspekte des Wallfahrtsortes und des Restaurants zusammenkommen.

Nicht das Kunstwerk selbst

Auch der Chappelitüfel soll wieder seinen Platz finden. Die barocke Figurengruppe war früher an der Aussenwand der benachbarten Kapelle befestigt, wo sie Pilger daran mahnte, den christlichen Tugenden zu folgen. In den 1860er-Jahren wurde das Kunstwerk dann nach Solothurn verschleppt, fand letztlich doch seinen Weg zurück nach Grenchen, wo es heute in der Eusebiuskirche steht. Dort soll es auch bleiben – nicht das Kunstwerk selbst soll ins «Chappeli» kommen, vielmehr soll die Legende ins Gastronomiekonzept einfliessen.

Planverfasserin Sibylle Thomke, Geschäftsführerin des Bieler Architekturbüros Spax und Tochter Ernst Thomkes, mag noch keine Details verraten, sagt aber: «Der Chappelitüfel wird eine grosse Rolle spielen.» In Anlehnung an das Höllenfeuer soll im neuen Restaurant auf spezielle Art und auf offenem Feuer gekocht werden. «Statt einer gewöhnlichen Beiz entsteht ein Gasthaus mit Erlebnisgastronomie.» Der Innenbereich des höchsten, östlichsten Gebäudeteils wird renoviert, aber nicht ersetzt – das «Alte» soll in neuem Glanz erstrahlen. «Wir besinnen und auf die alten Qualitäten des Hauses und machen daraus ein Erlebnis», führt Sibylle Thomke aus. Die Architektur des Hauses sei über Jahrzehnte «verwässert», nun soll das einstige Erscheinungsbild wiederhergestellt werden. Trotzdem wird alles zeitgerecht saniert. Das Restaurant bekommt neue Bodenbeläge, eine neue Terrasse und einen behindertengerechten Zugang.

Im Gegensatz dazu und als «Kontrapunkt» soll das mittlere Gebäude mit dem Saal bis auf die Grundmauern abgerissen und anschliessend wieder aufgebaut werden. Allerdings ist hier ein zeitgenössisches Saalgebäude mit Flachdach und Begrünung geplant. Durch die klare Trennung des älteren und neueren Gebäudeteils soll der Komplex wieder klare Strukturen erhalten. Die Parkplätze vor dem Hauptgebäude werden nach Westen vor das lange Stallgebäude versetzt. 19 Parkplätze sind geplant. Dafür wird vor dem Restaurant eine attraktive Grünfläche in Form einer Blumenwiese oder eines Gemüsegartens eingerichtet.

Nächsten Sommer eröffnen

Auflagen von Stadt und Kanton dafür, dass Ernst Thomke Land und Liegenschaft überhaupt kaufen konnte, waren, dass er den Restaurationsbetrieb, aber auch einen Landwirtschaftsbetrieb führt. Dies soll künftig so geschehen, Ernst Thomke wird am Allerheiligenberg mit Angestellten einen Viehbetrieb führen. Pferde, Schafe, Ziegen und neu auch Alpakas werden sich rund ums Gelände tummeln. Der vorhandene Hühnerstall wird erneuert (siehe Bild), die Geflügelzucht soll intensiviert werden.

Die Profile für den Hühnerstall sind bereits gestellt. Läuft alles nach Plan, sollen die Bagger und Handwerkerbusse noch diesen Winter auffahren. Sibylle Thomke bestätigt: Bereits im Sommer 2012 könnte das «Chappeli» unweit der Kapelle Allerheiligen zu neuem Leben erweckt werden.

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