Kunst
Warum Lilly Keller unermüdlich weiter arbeiten will

Eine Übersichtsausstellung im Kunsthaus zeigt das umfangreiche Werk der 82-jährigen Künstlerin Lilly Keller. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich, wie fit die Burgdorferin ist.

Fränzi rütti-Saner
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In den Räumen des Kunsthauses ist das umfangreiche Schaffen von Lilly Keller zu sehen. Hansjörg Sahli

In den Räumen des Kunsthauses ist das umfangreiche Schaffen von Lilly Keller zu sehen. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

«1929 geboren» und «die Künstlerin ist anwesend». Diese beiden Bemerkungen auf der Einladungskarte zur neuen Ausstellung im Kunsthaus Grenchen lassen aufhorchen. Lilly Keller, heimatberechtigt in Burgdorf und seit vielen Jahren im waadtländischen Montet wohnhaft, zeigt im Kunsthaus Grenchen Arbeiten aus ihrem abwechslungsreichen und langjährigen Schaffen.

Kuratorin Eva Inversini machte sich selbst auf, in Kellers weitläufigen Ateliers nach Werken zu suchen, welche die Arbeit der Künstlerin charakterisieren. «Zufällig», sei sie wieder auf den Namen dieser interessanten Künstlerin gestossen», sagte Inversini. Und sie habe tagelang im reichhaltigen Fundus nach Passendem suchen können und mit der Künstlerin viele interessante und erhellende Gespräche geführt.

Freundin von Meret Oppenheim

Lilly Keller ist eine Zeitgenossin von Jean Tinguely, Daniel Spoerri. Sie war mit Meret Oppenheim befreundet. Doch trotz intensivem Kontakt mit diesen Künstlern hat sie nie deren Bekanntheitsgrad ausserhalb der Kunstszene erlangt. Wahrscheinlich lag dies daran, dass sie sich schon in den späten Sechzigerjahren nach Montet zurückzog und sich auf ihre Arbeit konzentrierte und weniger an den Kunstmarkt dachte.

Bekannt ist Keller heute in erster Linie noch durch ihre grossflächigen Tapisserien, die sie in kleineren Stücken webt und anschliessend zusammennäht. Doch sie hasst es, als blosse textile Künstlerin angesehen zu werden, denn sie arbeitet mit allen möglichen Materialien und Techniken. Genau das beweist die Ausstellung in allen Räumen des Kunsthauses eindrücklich. Collagen, Assemblagen, Lithografien, Tagebücher, Gemälde, raumgreifende Installationen, und dies alles aus den unterschiedlichsten Materialien – Lilly Keller hat alles ausgelotet. Und sie arbeitet bis heute.

Menschen nie gezeichnet

Kernthema ihrer Arbeit ist die Kreativität an sich, ihr Frau-sein, die Natur, die Tiere, unser Verhältnis zu unserem Planeten. «Nur einen Menschen habe ich nie gezeichnet. Das hat mich nicht interessiert», sagt die eigenwillige Künstlerin. Dadurch, dass die Ausstellung nicht chronologisch, sondern assoziativ gestaltet wurde, sind überraschende Entdeckungen zu machen.

Bis 24. Juli. Rahmenprogramm: Führungen 29.5., 7.6., 5.7. jeweils 18.30 Uhr; 26.6., 11.15 Uhr, Rundgang durch die Ausstellung mit Barbara Redmann, Malans; 3.7. Buchvernissage 11.15 Uhr mit Konrad Tobler – Gespräch mit Lilly Keller.