ÖV
Warum die Kunden von der Fusion der Tarifverbunde profitieren

Der Abonnementsverbund abozigzag und der integrale Tarifverbund Libero planen, auf Ende 2013 zu fusionieren. Damit wird für die öV-Benutzer aus der Stadt Grenchen und dem Seeland aber nicht nur der lieb gewordene Name «zigzag» verschwinden.

Patrick Furrer
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Im Bereich des Einzelreiseverkehrs – also allem ausser Tageskarten und Abonnements – dürfen sich die Kunden auf günstigeres und einfacheres Zug-, Tram- und Busfahren freuen. Nicht, weil die Preise gesenkt würden, sondern weil die bisherigen Verbundgrenzen verschwinden und man deshalb nicht mehr mehrere Billette kaufen muss, sondern sich mit einem einzigen innerhalb der gelösten Zonen frei bewegen kann.

Von diesem sogenannten GA-Effekt werden viele Leute profitieren können, ist sich Hans-Rudolf Zumstein, Geschäftsführer der BGU Busbetrieb Grenchen AG, sicher. Und auch für die angeschlossenen Transportunternehmen bringt der Zusammenschluss Vorteile, denn Erfahrungen aus anderen Gebieten zeigen, dass damit in der Regel auch eine Zunahme von Fahrgästen einhergeht.

Grenchen auf Gewinnerseite

Übers Ganze gesehen wird die Fusion Gewinner und Verlierer generieren. Für Grenchen und Seeländer Gemeinden wie Lengnau bringe sie allerdings nur Vorteile, freut sich ein zufriedener Hans-Rudolf Zumstein. «Der Zusammenschluss der Verbünde respektive die Integration des abozigzag in den Libero bedeutet für die Grenchner Kunden zwei Schritte nach vorn.»

Zu allfälligen Bedenken, dass das Reisen in der Region dadurch insgesamt teurer werde, meint Zumstein weiter: «Wenn man sagt, es werde insgesamt teurer, dann stimmt das nicht. Viele werden profitieren: beispielsweise alle, die im Einzelreiseverkehr nach Biel, Solothurn oder Bern reisen.» Der angestrebte Grossverbund sei ein «Hammerstück», sagt der BGU-Geschäftsführer. «Endlich ein einziger Fahrschein für die ganze Region.»

Das bestätigt übrigens auch Bernd Leckebusch, Geschäftsführer abozigzag: «Wenn die Einführung kommt, wird es eine Verzerrung bei der Preisgestaltung geben. Die einen werden mehr, andere aber weniger zahlen müssen. Für Grenchen allerdings steht der Nutzen ausser Frage.» Einzuräumen sei lediglich, dass bestehende Abokunden des abozigzag mit einer schrittweisen Preisanpassung ans höhere Niveau des Tarifverbunds Libero rechnen müssen.

Langer K(r)ampf endet

Hans-Rudolf Zumstein ist froh, dass mit den nun getroffenen Absichtserklärungen für einen Zusammenschluss auf Ende 2013 ein langjähriger Kampf sein Ende findet. «Bisher war der öV in den verbundüberschreitenden Gebieten kompliziert. Grenchen als Region dazwischen war weder Fisch noch Vogel. Jetzt aber werden wir zu einem Vollmitglied», erklärt er.

Der Busbetrieb Grenchen hat sein Angebot in den letzten zwei Jahren stark ausgebaut und auf die Kundenbedürfnisse ausgeweitet. «Heute spielt der öV in der Region Grenchen schon fast in der Champions-League», sagt Zumstein. Mit der geplanten Fusion erst recht. «Obwohl wir unser Angebot massiv erweitert haben, haben wir unsere Preise nie erhöht», gibt er zu bedenken. Schweizweit werde man aber auch künftig vergleichsweise günstig sein.

Die Umstellung wird letztlich übrigens auch mit technischen Anpassungen verbunden sein. So müssen laut dem BGU-Geschäftsführer alle Billettautomaten in den Fahrzeugen durch neue Libero-Automaten ersetzt werden. Kosten, welche der BGU zum grössten Teil selber tragen müsse. Auch die elektronische Chipkarte, welche beim BGU als Mehrfahrtenkarte dient, wird verschwinden. Sie wird durch die abzustempelnden Tickets, wie man sie vom Bahnverkehr kennt, abgelöst werden.