Energiedebatte
Warum die Bezirksschüler auf Sonnenschein hoffen

Die Klasse 3c der Bezirksschule Grenchen montiert eine Solaranlage auf der Turnhalle. Nun hoffen die Schüler, dass der Regen verschwindet und die Sonne zurückkehrt.

Lucien Fluri
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Sechs Solarpanels montierten die Schüler auf das Turnhallendach der Bezirksschule Grenchen. Hansjörg Sahli

Sechs Solarpanels montierten die Schüler auf das Turnhallendach der Bezirksschule Grenchen. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

«Reden ist gut. Etwas machen, das tatsächlich Energie spart, ist aber etwas anderes», sagt Lehrer Boris Simic. Mit seiner Klasse ist er auf das Dach der Doppelturnhalle Zentrum gestiegen. Dort wollen sie eine Solaranlage installieren. Es ist Abschluss und Höhepunkt ihres Themas: Das ganze Schuljahr über hat die Klasse 3c der Bezirksschule Grenchen die Themen Energie und Klima behandelt – und ausgerechnet gestern Morgen, als die Klasse 3c der Bezirksschule eine Solaranlage installierte, kam der Regen. Die 19 Schüler von Lehrer Boris Simic liessen sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

Sechs 185-Watt-Solarpanels mit einer Grösse von je 1,6 auf 0,8 Metern montierten die Schüler unter Anleitung der Spezialisten von der Firma Megasol aus Aarwangen. 1200 Kilowattstunden Strom wird die Anlage pro Jahr liefern. Dieser wird direkt in das Stromnetz eingespiesen. Im Eingangsbereich der Schwimmhalle wird ein Display aufgestellt, an dem die Schüler die Stromproduktion der Solaranlage und die CO2-Einsparungen ablesen können.

«Das betrifft uns»

«Wir haben das ganze Jahr über das Klima angeschaut», sagt Schülerin Sabrina Amato. Die Klasse hat an einem Fotowettbewerb zum Thema «Handyrecycling» teilgenommen und war zwei Tage lang am Eigergletscher, wo sie die Auswirkungen der Klimaveränderung direkt anschauen konnte. «Die Schüler haben erkannt: Das betrifft uns», sagt Lehrer Boris Simic. Treibhauseffekt, Stromproduktion und Einsparungsmöglichkeiten wurden im Unterricht behandelt. «Was bedeutet es, wenn wir so wie bisher weiterfahren?», ist eine der Fragen, die der Lehrer mit seiner Klasse thematisieren will.

Grössere Nachfrage seit Fukushima

Mit rot-weissem Absperrband ist der Montagestandort hoch oben auf dem Turnhallendach abgesperrt. Über zwei Leitern haben die Schüler die Solarpanels auf das Dach getragen. Dort stehen bereits die Flat Ports – so werden die schwarzen Halterungen genannt, auf denen die Solarpanels befestigt werden. Die Schüler haben sie gegen Süden ausgerichtet und mit Steinen gefüllt. Jetzt fixieren sie mit Nieten die Deckel der Flat Ports. Dann werden die sechs Solarpanels befestigt. Während einige wegen des Regens schon nasse Haare bekommen haben, hat sich unten bei den Turnhallen eine andere Gruppe der Klasse um das Znüni gekümmert.

«Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass wir aktuell sind», sagt Simic. Das kann auch Christian Grossmann von der Firma Megasol in Aarwangen bestätigen. Die Firma instruiert die Schüler. «Seit der Katastrophe in Fukushima verzeichnen wir massiv mehr Anfragen», sagt Grossmann. «Wir stellen zusätzliche Leute ein.»

Eventuell Projekt erweitern

Organisiert wurde das Grenchner Projekt durch Christian Carpaij, Zivilschutzdienstleistender bei Jugendsolar by Greenpeace. Seit 1998 hat Jugendsolar über 160 Solaranlagen mit mehr als 10000 Jugendlichen mitgebaut, unter anderem beim Zelgli-Schulhaus in Zuchwil oder bei der Oberstufe in Solothurn.

12000 Franken kostet das Projekt. Unterstützt wird es von der Stadt Grenchen. Zwei Jahre zuvor hatte Simic versucht, das Projekt selbst zu finanzieren. Allerdings konnten nicht genügend Sponsoren gefunden werden. Jetzt ist die Stadt im Rahmen der Energiestadt-Bemühungen auf die Schule zugegangen. «Wir wollen die Jugendlichen für erneuerbare Energiequellen sensibilisieren», sagt Darja Crnek, Raum- und Umweltplanerin bei der Baudirektion. «Eventuell wollen wir das Projekt in den nächsten Jahren erweitern.»