Grenchen
Warum dem neuen Stadtpräsidenten eine Herkulesaufgabe bevorsteht

Auf den neu gewählten Stadtpräsidenten François Scheidegger wartet eine grosse Aufgabe: Er muss ab Januar 2014 aufgebrochene Gräben zuschütten und darf die Wunden leckenden Sozialdemokraten nicht links liegen lassen.

Theodor Eckert
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François Scheidegger hat den Wahlkampf gewonnen.

François Scheidegger hat den Wahlkampf gewonnen.

Hanspeter Bärtschi

Der König ist gestürzt. Hoch lebe der Prinz. Valium war nie ein Begriff, der mit Boris Banga in Verbindung gebracht wurde. Seine spontane Art, seine impulsiven Ausritte waren sein Markenzeichen. Seine Stärke. Letztlich aber auch seine grosse Schwäche. Sie sind mitverantwortlich für die schmerzhafteste Niederlage in seiner langen Politkarriere.

Banga hat viel zu hoch gepokert. Gegen eine zu allem entschlossene bürgerliche Allianz konnte er nach den Vorkommnissen der vergangenen Jahre ganz einfach nicht gewinnen. Zu viele dicke Hälse hat er hinterlassen. Trotzdem wollte er es nochmals wissen. Jetzt weiss er es: Grenchen war Banga-müde.

Vom eigenen ehemaligen Stadtschreiber ausgehebelt zu werden, dürfte der Schmach eine zusätzlich bittere Note verleihen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Politfuchs dem gestrigen Sieger nie auf Augenhöhe begegnet ist. Er hat François Scheidegger lediglich als Kabelträger der bürgerlichen Lautsprecher betrachtet.

Der neue Stadtpräsident mag auf den ersten Blick nicht dem Prototyp eines Vollblutpolitikers entsprechen: Zu gequält sein medialer Auftritt. Bei der Vergabe der Selbstsicherheit hat er nicht übermässig zugelangt. Er ist kein forsch-zupackender Frontmann. Doch der zweite Blick zeigt einen anderen François Scheidegger: den verlässlichen, korrekten und berechenbaren Menschen.

Und der ist jetzt gefragt. Er sollte aufgebrochene Gräben zuschütten, er darf die Wunden leckenden Sozialdemokraten nicht einfach links liegen lassen und er muss allen Ansprüchen der breit gefächerten Anti-Banga-Front gerecht werden. Besonders Letzteres dürfte eine Herkulesaufgabe darstellen.
Es ist zu hoffen, dass er dies schafft - für ihn persönlich und natürlich die Stadt Grenchen.