Traugott Schelker ist besorgt. «Ich bin gerade ziemlich ratlos», sagt der gutherzige Vermieter und versucht, mit einem Stück Cervelat eine der zwei Katzen anzulocken, die seit Monaten um das Haus in Staad herumstreunen. Dass sich der Vermieter um die Katzen der Ex-Mieter sorgt, hat seinen Grund: Hier wohnte bis im Frühling der Mann, der vor kurzem an der Däderizstrasse eine Katzenfamilie aus dem Fenster im 2. Stock warf (wir berichteten) - gemeinsam mit seiner Freundin, die ihm die Katzen überlassen hatte.

Im April dieses Jahres gab es ein Feuer im Haus in Staad, und beide zogen aus. Einige ihrer Katzen liessen sie aber zurück. «Nur ab und zu kommt der Freund noch vorbei und wirft ihnen etwas zu fressen hin», sagt Traugott Schelker. Wahrscheinlich werde er die Tiere bald abholen. «Mir wäre es aber lieber, wenn sie irgendwo hin kommen, wo sie es richtig gut haben», sagt der Tierfreund, während die Katzen im Hintergrund immer wieder miauen.

Die ganze Qual für eine 50er-Note

Eine Katzenmutter mit drei Welpen, die aus dem Fenster geworfen wurden; zwei Katzen, die einfach sich selbst überlassen wurden - das ist nicht alles: Zeitweise über 20 Katzen hatte die Freundin des sozial randständigen Mannes im Haus. Das weiss Bruno Schmid vom Tierheim Aarebrüggli, wo man sich derzeit hingebungsvoll um die Katzenmutter kümmert, die vor vier Wochen als einzige den Sturz aus dem Fenster überlebt hatte.
Was Schmid erzählt, schockiert. Die «Katzenfrau» ist keine Unbekannte, habe die Tiere wie Gebärmaschinen benutzt, liess sie immer wieder werfen, dass sogar schon die Euter der Katzenmütter wund wurden. Die Welpen verkaufte sie dann für eine 50er-Note, um ihr Budget aufzubessern, oder gab sie in ein Tierheim, weil es ihr zu viel wurde.

«Das war irgend so ein Spinner»

Einmal war deshalb auch der Tierschutz in Staad, bestätigt Barbara Banga-Schaad, Präsidentin des Tierschutzvereins Grenchen und Umgebung. Auch der Veterinärdienst hat die Katzenhaltung mehrfach kontrolliert. Allerdings gilt es entlastend festzuhalten, dass bei diesen Kontrollen keine Missstände festgestellt wurden. Gegenüber Vermieter Schelker hat der angebliche Tierquäler zudem beteuert, er sei es nicht gewesen, der die Tiere aus dem Fenster in seiner Wohnung geworfen habe. Das sei irgend so ein Spinner gewesen. Dennoch meint Traugott Schelker: «Es wäre schön, wenn jemand die Tiere abholen könnte, vielleicht vom Tierschutz oder einem Tierheim.» Denn er selbst könne sich nicht ständig um die armen Tiere kümmern. Derzeit wird das Haus renoviert, damit im Oktober oder November die nächsten Mieter einziehen können.

Allem Unglück zum Trotz gibt es allerdings auch wieder erfreuliche Nachrichten: Die Katzenmutter im Tierheim Aarebrüggli befindet sich auf dem Weg der Besserung. Inzwischen kann sie sogar wieder gestreichelt werden. Sie wurde geimpft und sterilisiert. Bereits haben sich Interessenten gemeldet, die sie aufnehmen würden. Bis sie ihren Schock überwunden hat, dürfte es gleichwohl noch eine ganze Weile dauern.