Grenchen

Wann kommt die Stunde der Wahrheit für das Parktheater?

Ewige Baustelle Parktheater? – Hier während der Bühnensanierung im Jahr 2009.

Ewige Baustelle Parktheater? – Hier während der Bühnensanierung im Jahr 2009.

Eine Vorlage mit zusätzlichen Betriebsbeiträgen hat im Rat keine Chancen. Die Zukunft des Grenchner Parktheaters ist aber noch offen.

Am kommenden Dienstag hätte der Gemeinderat laut Traktandenliste Farbe bekennen müssen in Sachen Parktheater. «Es müssen Grundsatzentscheidungen getroffen werden, damit das Parktheater längerfristig in seiner heutigen Form weiter bestehen kann», heisst es in einer gemeinsamen Vorlage der Baudirektion und der Finanzverwaltung.

Sie enthält die Forderungen der Rodania Gastro AG im Umfang von insgesamt 280'000 Fr. Diese kommen gemäss Stadtpräsident François Scheidegger bei den Fraktionen nicht gut an. «So wie sie formuliert sind und gemäss meinen Informationen werden sie im Rat wenig Chancen haben», meinte Scheidegger gestern. Die Beträge erscheinen willkürlich und seien nicht belegt. Man habe auch nie einen Businessplan gesehen, wie es weitergehen soll. «Ich empfehle der Rodania Gastro AG, die Anträge zurückzuziehen», sagt Scheidegger.» Die Vorlage kam auch relativ kurzfristig diese Woche im Nachversand.

Hohe Forderungen

Sie hatte zwei Themen zum Gegenstand. Einerseits geht es um die Übernahme der Liegenschaft durch die Stadt, anderseits war vorgesehen, über die jetzt auf dem Tisch liegenden Forderungen der Rodania Gastro AG zu entscheiden, ohne die ein kostendeckender Betrieb des Parktheaters angeblich nicht möglich ist. Diese Forderungen machen zusammengezählt nicht weniger 280 000 Franken aus.

Erstens macht die Rodania Gastro AG geltend, sie habe aufgrund mangelnder oder nicht funktionierender Infrastruktur (insbesondere in der Küche) Mehrkosten von rund 100 000 Franken pro Jahr.

Zweitens verlangt der Betreiber 120 000 Franken Entschädigung für die kostenlose Benutzung der Räume durch die Grenchner Vereine. Pro Jahr gibt es gemäss Rodania Gastro AG zwischen 300 und 400 Buchungen, bei welchen Grenchner Vereine und Institutionen die verschiedenen Räumlichkeiten im Parktheater belegen. Dies verursache einerseits Mehrkosten «für Organisation und Reinigung mit zusätzlichen Personaleinsätzen», anderseits entgehe dem Gastrobetrieb Umsatz aus Vermietung zu Marktpreisen. Ohne diesen Beitrag der Stadt werde man den Vereinen künftig Rechnung stellen müssen für die Saalbenützung.

Der Hauswart für die Liegenschaften Parktheater soll gemäss Rodania Gastro AG vom Betreiber gestellt werden. Dafür beantragt sie von der Stadt eine jährliche Pauschale von 60'000 Fr.

So weit das Finanzielle. Wobei zu bemerken ist, dass bereits am 11. Mai 2016 ein erster «Notkredit» der GRK von 90'000 Fr. für den Ersatz von Geräten gesprochen wurde. Von diesem Kredit wurde gemäss Vorlage gut 64'000 Fr. verbraucht. Zwischenzeitlich seien weitere Geräte ausgestiegen und verursachten «Mehrkosten in Form von zusätzlichem Personaleinsatz und höheren Einsatz von Betriebsmitteln». Dafür gewährte die GRK dem Betreiber später weitere 95'000 Franken.

Übernahme der Liegenschaft

Der schlechte Zustand des Parktheaters führt zum zweiten Gegenstand der Vorlage, der Übernahme der Liegenschaft durch die Stadt. Die Einwohnergemeinde Grenchen hatte mit der Genossenschaft Konzert- und Theatersaal Grenchen am 30. Dezember 1955 einen Baurechtsvertrag für den Bau eines «Konzert- und Theatersaals auf gemeinnütziger Grundlage» sowie eines Restaurants mit Hotel abgeschlossen. Das Baurecht wurde auf unbestimmte Zeit und unentgeltlich begründet. Mit dem Baurechtsvertrag hat sich die Genossenschaft verpflichtet, die Gebäulichkeiten stets in gutem Zustand zu halten.

Bekanntlich hat aber bis anhin die Einwohnergemeinde Grenchen Sanierungen und Umbauarbeiten finanziert, da die Genossenschaft finanziell nicht dazu in der Lage war. Die Stadt möchte jetzt die Situation bereinigen und beantragt dem Rat Zustimmung zur Übernahme der Liegenschaft durch die Stadt. Die Baudirektion soll mit der Ausarbeitung der entsprechenden Grundlagen beauftragt werden.

Bereits im Budget 2017 sind 800 000 Fr. für die Sanierung der Küche reserviert, wobei noch offen ist, ob dieser Betrag genügt. Weiter ist der Vorlage neu zu entnehmen, dass die Heizung per 2017 vom Kanton abgesprochen wurde und saniert werden muss. Um die Nebenkosten von über 100 000 Fr. für Strom, Wasser und Heizung auf ein «tragbares» Niveau zu senken, sind zudem weitere Investitionen nötig.

Neue Vorlage

Bei den Anträgen an den Gemeinderat war in der Formulierung herauszulesen, dass das Parktheater als Theater-, Konzert und Restaurationsbetrieb erhalten bleiben soll. Auch wird die Übernahme der Liegenschaft unterstützt. «Dies ist im Rat unbestritten», meint Scheidegger, der beabsichtigt, bald eine neue Vorlage zu bringen, womöglich gar eine Sondersitzung des Rates noch im April einzuberufen. Eine mehrheitsfähige Lösung könnte sein, dass die Stadt die Rodania Gastro AG einfach für ihre Investitionen ins Restaurant entschädigt - ein beträchtlicher, ja möglicherweise gar noch höherer Betrag.

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