Grenchen

Waldpflege: Den Kleinen eine Chance geben

Waldrandpflege mit der Kettensäge (Symbolbild, Archiv)

Waldrandpflege mit der Kettensäge (Symbolbild, Archiv)

Zwei Mal im Jahr führt der Vogel- und Naturschutzverein Grenchen (VNSG) eine Aktion zu Pflege der Waldränder durch. Damit soll auch ein Teil zur biologischen Artenvielfalt beigetragen werden.

Das durchdringende Gekreisch einer Motorsäge erfüllt die morgendliche Luft. Über der Weide hängen noch hauchdünne Nebelschwaden. Mit Sägen, Baumscheren und Gerteln bewehrt arbeiten sich sieben Mitglieder des Vogel- und Naturschutzvereins Grenchen (VNSG) durch das Dickicht am Waldsaum beim Chappeli.

Sie rücken wild wuchernden Haselstauden, Eschen, Ahorn und jungen Buchen zu Leibe. Oberförster Patrik Mosimann ist mit der Motorsäge fürs Grobe zuständig. Fachgerecht legt er armdicke Bäume um. Die Naturschützer zwacken eifrig die Äste ab und schichten sie fein säuberlich auf grosse Haufen.

Chance für die Kleinen

Reto Gardi, pensionierter Lehrer und passionierter Naturkenner, erklärt, wie wichtig es ist, die Waldränder zu pflegen: «Die schnell- und hochwachsenden Bäume und Büsche nehmen anderen Pflanzen das Licht weg». Sie liessen niedrigeren Sträuchern wie Schwarz- und Weissdorn oder Heckenkirschen und wilden Rosen keine Chance, sich zu entfalten, gibt er weiter zu bedenken. Doch diese sollten die Strauchschicht, die für viele Tiere lebensnotwendig ist, als Übergang des Waldes ins offene Land bilden. Ihre Aufgabe ist auch, die Baumstämme vor Sonnenbrand und Wind zu schützen. Ganz nebenbei erfreuen sie mit ihren Blüten die Spaziergänger.

Gardi schätzt es, dass der Oberförster den Verein beim Auslichten der Waldränder unterstützt und dass damit die Beziehung zwischen dem Verein und der Bürgergemeinde gestärkt wird. Mosimann seinerseits ist froh, dass er vom grossen Fachwissen Gardis profitieren kann. Dieser macht ihn jeweils auf die Stellen aufmerksam, wo ein Eingriff am nötigsten ist. Mosimann schätzt es auch, dass die Naturschützer Fronarbeit für den Bürgerwald leisten. Arbeit, die sonst aus dem Holzertrag bezahlt werden müsste, womit es im Moment nicht weit her ist.

Artenvielfalt auf kleinem Raum

Zweimal im Jahr führt der VNSG eine solche Aktion durch. «Man kann diese Arbeit im Zusammenhang mit dem internationalen Jahr des Waldes sehen», meint Vereinspräsident Oliver Gardi. Die UNO machte die Wälder dieses Jahr zum Thema, weil sie zu einem grossen Teil zur biologischen Artenvielfalt beitragen.

Nach Schätzungen der Weltbank bieten die Wälder Lebensräume für etwa zwei Drittel aller Arten. Weil mehr als 1,6 Milliarden Menschen für ihren Lebensunterhalt von der Nutzung des Waldes abhängig sind, sieht die UNO in einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung einen grossen Beitrag zur Armutsbeseitigung. Doch eine so weitreichende Bedeutung will Gardi dem freiwilligen Einsatz der Vereinsmitglieder nicht einräumen. Aber er findet es wichtig, dass die Artenvielfalt auch im kleinen Raum gefördert wird. Einerseits begünstigt die Pflege von Waldrändern die Verbreitung verschiedener langsamer wachsenden Straucharten. Andererseits bieten die aufgehäuften Äste Unterschlupf für eine Unzahl von Tieren, vom Rotkehlchen über Zaunkönig und Igel bis zu Amphibien und Insekten.

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