Waldnutzung
Wald entwickelte sich vom Rohstofflieferanten zum Erholungsraum

Der Anspruch an den Wald hat sich spürbar verändert. Im Wald treffen viele Interessengruppen aufeinander, was heute unweigerlich zu Konflikten führt.

Lea Reimann
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Solothurner Zeitung

«Der Anspruch an den Wald hat sich verändert», betont der Grenchner Revierförster Patrik Mosimann. «Früher war der Wald da, um Brennholz zu liefern, damit man heizen und kochen konnte», so der Experte. Heute sei er je länger, je mehr primär ein Erholungsraum, in dem man die Natur geniessen oder Sport treiben könne. Hundebesitzer, Spaziergänger und Wanderer, Reiter, Velofahrer und Downhill-Fahrer – sie alle teilen sich den Wald und kommen sich damit zwangsläufig bisweilen in die Quere.

Gerade der Konflikt zwischen Fussgängern und Downhill-Fahrern sei ein sehr aktuelles Problem, sagt Patrik Mosimann. Die Sportart, bei der man sich mit dem Bus auf den Berg begibt, um dann mit dem Velo herunterzufahren, erfreue sich grosser Beliebtheit. Unbeliebt machen sie sich Downhill-Fahrer allerdings teilweise bei Wanderern und Spaziergängern. Meist benutzen diese nämlich auch die schmalen, signalisierten Wanderwege unter 1,80 Meter Breite, die von Velos per Gesetz für Schweizer Wanderwege gar nicht befahren werden dürften. Dies habe schon oft beinahe zu Unfällen geführt, besonders wenn das Tempo der Biker sehr hoch sei.

Die Lösung wäre einfach

Dabei wäre die Lösung eigentlich ganz einfach, findet der Förster. «Ich glaube, es würden alle aneinander vorbeikommen, wenn man etwas Rücksicht aufeinander nehmen würde.» Wenn also die Velofahrer mit einer angemessenen Geschwindigkeit an Fussgängern vorbeiführen, würde man diese auch auf Wanderwegen tolerieren. Besonders wichtig sei, dass dieser Respekt in erster Linie auch den Tieren entgegengebracht wird.

Der Druck auf den Wald sei im Moment riesig. «Es kommen immer mehr Leute in den Wald, und zwar bald zu jeder Tages- und Nachtzeit.» Besonders wenn man die Waldwege verlasse oder sogar Hunde im Wald herumrennen lasse, sei dies ein Störfaktor für die Tiere. Es sei sogar schon vorgekommen, dass Rehe von Hunden gerissen wurden. Problematisch seien auch die stets zunehmenden Abfälle am Wegrand. Von Zeit zu Zeit seien ausserdem Sachbeschädigungen zu verzeichnen, so wie letzthin auf dem kleinen Weg zwischen der Feuerstelle der Holzerhütte und dem Vita Parcours. «Auf der Treppe Richtung Dählenhaus wurden 30 der 113 Treppenstufen weggerissen, damit Velos diese Strecke besser befahren können», sagt Mosimann entrüstet. Es handle sich dabei um einen Schaden von fast 1500 Franken.

Der Forstbetrieb ist aufwändig

Vielen Leuten sei wohl gar nicht bewusst, was von der Bürgergemeinde alles gratis zur Verfügung gestellt werde und welchen Mehraufwand Sachbeschädigungen und Littering verursachen. Der Forstbetrieb – und damit die Bürgergemeinde – sei nämlich auch dafür verantwortlich, Feuerstellen, den Vita-Parcours, den Baum- und Strauchlehrpfad sowie Strassen- und Wanderwege zu unterhalten. Besonders wenn der Holzpreis wie in den letzten Jahren seit dem Sturm Lothar nicht besonders hoch ist, sei es schwierig, eine Rechnung mit schwarzen Zahlen zu erreichen. «Es wäre schön, wenn Leistungen, welche der Erholung der gesamten Bevölkerung dienen, zum Teil auch von der Einwohnergemeinde finanziell unterstützt würden.» Diese beteiligt sich zwar mit dem Waldfünfliber, welcher für Försterleistungen und die Waldpflege verwendet wird. Direkte Erholungsleistungen, wie der Unterhalt von Feuerstellen oder des Vita-Parcours, werden damit nicht finanziert.

Nebst Konflikten, die im Wald entstehen, gebe es aber auch immer wieder erfolgreiche Zusammenarbeiten, so wie momentan beispielsweise mit der Interessengemeinschaft Pferd Grenchen-Solothurn (IPGS). Gemeinsam mit der IPGS wurde eine Karte angefertigt, welche aufzeigt, welche Wege mit dem Pferd begangen werden dürfen. Mit wenigen Ausnahmen gehören alle befestigten Waldwege dazu und Reiterinnen und Reiter würden sich grossmehrheitlich an die Vorschriften halten. «Die Interessengemeinschaft hat im Wald sogar Arbeitsleistungen vollbracht», lobt Mosimann. So sei etwa ein Wanderweg eingemergelt worden und ein Bachübergang wurde mit Röhren verstärkt, so dass er mit Pferden gequert werden kann.

Auch der Forstbetrieb selbst stehe in einem guten Verhältnis zur Bevölkerung. Natürlich sei ein Konfliktpotenzial vorhanden, vor allem wenn der Forstbetrieb mit grossen Maschinen arbeite, grosse Spuren und – in den Augen der Erholung suchenden Bevölkerung – einen Dreck hinterlasse. «Ich habe aber noch selten eine negative Bemerkung diesbezüglich gehört», so der Revierförster. Dies mag sicherlich auch daran liegen, dass in Grenchen die Dauerbewirtschaftung gepflegt wird. Das bedeutet, dass nicht ganze Flächen kahlgeschlagen werden, sondern dass grosse Bäume gefällt werden, während man die Mittleren und Kleinen weiterwachsen lässt. «So fällt den Leuten oft gar nicht auf, dass wir in diesem Waldgebiet Holzerntearbeiten ausgeführt haben», sagt der Förster.

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