Fasnacht
Wagenbauer Zumstein: So entsteht ein Fasnachtswagen

Sechs Wochen Arbeit für eine Präsentation, die eine Stunde dauert. Die Wagenbauer der Fasnachtszünfte sind wieder im Element. Seit 36 Jahren dabei ist Hanspeter Zumstein, der Wagenbauchef der Hilari-Zunft Grenchen.

Daniel Trummer
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Solothurner Zeitung

Bei der legendären Hilari-Musik hat er angefangen und die Pauke geschlagen. Seine musikalischen Qualitäten stiessen nicht auf Begeisterung. Seither baut er Fasnachtswagen und hat als Wagenbauchef seit 26 Jahren die Verantwortung. «Die Fastnacht damals hatte noch Pfiff», erinnert sich Hanspeter Zumstein an die 70er-Jahre. Es war ein Riesenspektakel. Zunftbälle erwiesen sich als Gassenfeger, am Lunaball wurden locker gegen 1200 Eintritte verzeichnet.

Der 58-jährige Bauführer, der bei der Stadt Grenchen angestellt ist, sprüht voller Energie. Er zeigt die ersten Ergebnisse des Schaffens der Wagenbautruppe. Mit Holz und Drahtgeflecht sind Figuren entstanden, die bis zum Fasnachtssonntag noch ausgearbeitet und dann ins Sujet des Umzugswagens integriert werden. Das heurige Thema bleibt vorläufig noch geheim.

Höhepunkte der Vergangenheit

Gerne sieht er auf Sujets vergangener Jahre zurück. Die grossen Kinderwagen beispielsweise, die nach der Schliessung der Geburtenklinik im Grenchner Spital die «Gofen» nach Solothurn zügelten. Stricklers Raubtierpark bleibt unvergessen, aber auch das Steinzeitmobil mit den verstorbenen Ruth Güttiger und Walter Ochsenbein als Wilma und Fred Feuerstein. Zwei Stunden brauchten die Wagenbauer vor einigen Jahren, um einen riesigen Wagen aus der Halle herauszulotsen.

Bei Franz Kämpfer von der Bedachungs AG treffen sich die unermüdlichen Bastler und Tüftler wöchentlich zweimal am Abend und am Samstag. Der Produktionsort ist ideal. Werkzeuge, Material und Maschinen sind vorhanden. «Zumi», wie er von seinen Freunden genannt wird, lässt sich kaum stressen. «Wir sind noch immer rechtzeitig fertig geworden», berichtet er. Auch die Zusammenarbeit mit Künstlern, mit Marc Reist und Sauro, seinem Bruder, hält er in guter Erinnerung. Klar sind auch Pannen in die Geschichte eingegangen. Ein Wagen hatte kurz vor Beginn des Umzugs zu brennen begonnen. Mit Schnee wurde der Brand erfolgreich gelöscht.

Fasnachtsplakette kaufen

Zumstein und seine Kollegen machen nichts halbpatzig, sie setzen das Thema so gut als möglich um. Alle Beteiligten freuen sich schon heute auf den Umzug und den spontanen Applaus. «Ohne Geld läuft nichts», sagt Zumstein und träumt davon, dass alle Umzugsbesucher eine Fasnachtsplakette kaufen. Aus seiner Sicht ist die Begeisterung für die närrischen Tage leider bei vielen Leuten abhanden gekommen.

«Wir organisieren die Fasnacht, bauen Wagen, stellen Dekorationen her, schreiben närrische Zeitungen, dichten Schnitzelbänke.» Um die Fasnacht zu leben und Traditionen hochzuhalten, brauche es aber die Begeisterung und das Engagement der Bevölkerung, ergänzt er. «Sonst geht nichts mehr», ist er überzeugt. Wenn am 6. März «sein» Wagen durch die Grenchner Strassen kurvt, wünscht er sich viele Zuschauer und junge Leute, die sich vom Fasnachtsvirus anstecken lassen.

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