Fasnacht Grenchen

Wagenbauer präsentieren ihre kreativen Vehikel

Geheimnisvolles tut sich bei der Faschingszunft.  Fotos: Olivier Messerli

Geheimnisvolles tut sich bei der Faschingszunft. Fotos: Olivier Messerli

Der Chef des Grenchner Fastnachtumzugs lud zum Besuch bei den Werkstätten ein, in denen die Fasnachtswagen gebaut werden. Die Bevölkerung erwartet ein vielschichtiges Themenprogramm von Dschungel und Piraten bis Datenklau.

Die Wagen der Fasnachtszünfte sehen vielversprechend aus. Am Presserundgang führte die Reise vorerst nach Selzach und endete mit einem Knalleffekt. Die Wagenbauer haben sich ins Zeug gelegt und überzeugen mit geballter Kreativität.

Tim, Jonas, Angela, Michel und Céline haben geschliffen und Flaggen montiert. Die Kinder stehen befriedigt vor dem Wagen der Salzfass-Narre Selzach. «Datenklau ist unser Thema», erklärt Brige Danz als Narrenpräsidentin. Computer und Datenträger dominieren das bunte Gefährt. Gebaut wird der Wagen für die Dorffasnacht. «Wir wollen, dass diese Tradition nicht stirbt», betont Bruno Gisiger, einer der zahlreichen Mitwirkenden.

Das Volk beschnorren

Am Fasnachtssonntag werden die Selzacher ihren Wagen auch der Grenchner Bevölkerung präsentieren. Kilian Gisiger und Jan Lang werden als Piraten für fetzige Musik sorgen und das Volk beschnorren. Beim Bauernhof der Dietschis präsentieren die Aare-Schnägge ihre Kreation. In einer Dschungellandschaft stehen Käfige und versprechen ein wahres Affentheater.

Hier sollen auch die politischen Querelen in der Uhrenstadt auf die Schippe genommen werden. «In Solothurn läuft ja nicht viel», bemerkt Bidu Dufing, der Urwaldchef, und lächelt verschmitzt. Im Hintergrund verzehrt ein Kollege genüsslich, zum Sujet passend, eine Banane.

«Berta, Mutter aller Schlümpfe»

Urs Rösselet, der Umzugschef, drängt. Er hat das Programm des Rundgangs zusammengestellt und will sich an die vereinbarten Termine halten. Er führt zurück nach Grenchen. «Berta, Mutter aller Schlümpfe», lautet die Idee, die die Wagenbauer der Hilari-Zunft umsetzen. Rolf Burri kleistert die Schlumpfbehausungen, und Raymond Grimi malt einen Gartenzaun an.

Der 10-jährige Marco Bigolin hat kalte Hände und Zumi, der Wagenbauchef, sucht nach einer verschwundenen Holzleiste. Dick und behäbig sitzt Berta da. Mit blauer Farbe wird sie später noch eingedeckt und als Kopie der «Blauen Berta» zweifelsohne durchgehen.

Warum «Freude herrscht»

In der Halle der Holzbaufirma Lüthi in Lengnau hämmern Marina Itin und Angela Eng um die Wette und treffen den Nagel auf den Kopf. Hier haben sich die Leute von der Faschingszunft eingenistet. Die Bundesräte Ogi und Leuenberger sind zwar noch nicht eingetroffen, werden aber am Umzug die eine oder andere Träne über den gelungenen Gottharddurchstich vergiessen.

Neben dem grossen Bohrkopf werden die neun jubilierenden Chappeli Tüüfle Platz nehmen und die Umzugsbesucher mit Guggenmusik begrüssen. Martin Werren, der die Arbeiten am Wagen koordiniert, strahlt und sagt: «Freude herrscht!» Dabei denkt er nicht nur an Ogi, sondern auch an seine Helfer. Die 25-jährige Wagenbauchefin, Lea Zaugg, dirigiert die Lunesen in Staad. Ein grosser Wagen entsteht, die Cocoloris sollen mitgeführt werden.

Das Gefährt wird mit schönen Bildern von Grenchen aufwarten und nimmt damit Bezug auf die Fernsehsendung im vergangenen November. «Ganz schön hässlich», hiess der Titel bei DRS aktuell. Die Bauer der Lunazunft in der Halle von Andreas Marti wollen dieses Klischee korrigieren.

Vom Dolce vita der Clochards

Obdachlos sind die Fasnächtler der Dolce-Vita-Zunft. Das Wagenbaulokal wurde gekündigt, eine Zunftbeiz gibts nicht. Verständlich, wenn sie sich als Clochards am Umzug präsentieren wollen. «Simple and easy, wird unser Wagen», fasst Patrick Füeg als Chef die Ideen zusammen, sie werden unter einer Brücke hausen.

Urs Affolter hatte ein Einsehen und hat den Obdachlosen eine kurze Bleibe gewährt. Die Mineure der Froschzunft erinnern bei ihrem Sujet an das Grubenunglück in Chile und der spektakulären Rettung.

Der Zunftmeister, Christian Nussbaumer, rüstet den Obernarren mit einem Helm aus und dieser darf für einmal als Sprengmeister amten. Ein lauter Böller ertönt und ein riesiger Rauchpilz entwickelt sich. Die Narren sind gut gerüstet, der Umzug am 6. März wird zu einem Ereignis werden.

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