1. Mai
«Wacht auf, Verdammte dieser Erde»

Rote Fahnen hängen von der Wand des Parktheaters. Die Unia ist allgegenwärtig im Saal, die SP vor allem am Rednerpult. Rund 70 Zuschauer haben sich zur 1.-Mai-Feier eingefunden, um die Ansprachen dreier Prominenter des Politparketts zu hören.

Christoph Neuenschwander
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Ständerat Roberto Zanetti kritisiert, dass immer weniger Menschen immer mehr verdienen. FG/CND Ständerat Roberto Zanetti kritisiert, dass immer weniger Menschen immer mehr verdienen. FG/CND

Ständerat Roberto Zanetti kritisiert, dass immer weniger Menschen immer mehr verdienen. FG/CND Ständerat Roberto Zanetti kritisiert, dass immer weniger Menschen immer mehr verdienen. FG/CND

Solothurner Zeitung

Ständerat Roberto Zanetti, Nationalrätin Bea Heim und Stadtpräsident Boris Banga (alle SP). Ein Thema beschäftigt alle gleichermassen: das 1.-Mai-Thema schlechthin, die Schliessung der «Papieri» in Biberist. «Ich wurde gefragt, ob der 1. Mai nicht überholt ist», so Zanetti. «Das ist er nicht, er ist immer aktuell, gerade in Zeiten wie diesen.»

Beeindruckt habe ihn nicht nur der Aufmarsch der Sappi-Belegschaft am Demonstrationsumzug in Solothurn, dem Zanetti vor der Feier in Grenchen beigewohnt hat. Beeindruckt habe ihn die Kreativität und Tapferkeit, mit der die Sappi-Mitarbeiter den Kampf gegen die Verantwortlichen in Brüssel und Südafrika aufgenommen haben. «Sie werfen nicht einfach die Flinte ins Korn, sondern suchen nach Alternativen zur Schliessung und haben so die Herzen der Menschen in der Region erobert.»

Auch Bea Heim kommt in ihrer Rede, auf die Biberister Fabrik zu sprechen. Sie zitiert die ersten Zeilen der «Internationalen», dem Kampflied der Arbeiterbewegung: «Wacht auf, Verdammte dieser Erde.» Für Heim haben die «Verdammten dieser Erde» viele Gesichter: «Ich denke dabei an die Menschen in Japan, die einen Super-GAU erleben. Ich denke an all die ausgesteuerten Arbeitslosen. Ich denke an all jene, die im Kanton Solothurn der Profitmaximierung zum Opfer gefallen sind. Ich denke dabei besonders an die 550 Arbeiter der Sappi.» Deshalb plädiert sie für einen besseren Arbeitnehmerschutz in der Schweiz. «Nirgends in Europa ist es so einfach, ein Werk zu schliessen. Der schlechte Arbeitnehmerschutz wurde von den Bürgerlichen als Wettbewerbsvorteil verkauft. Wie wir jetzt sehen, ist das falsch.»

Umweltschutz und Gerechtigkeit

Ein wichtiges Anliegen ist Heim aber auch der Ausstieg aus der Atomenergie. Denn diese sei «tödlich und niemand kann sie verantworten», sagt sie. «Nein zur Atomenergie heisst Ja zum Leben und Ja zu Arbeitsplätzen, denn auf erneuerbare Energien zu setzen, bedeutet Tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen.» Zudem warnt sie: «Viele Parteien stellen sich momentan gegen Atomenergie. Nach den Wahlen werden wir sehen, wer sich tatsächlich daran hält.»

Der Aufrichtigkeit bürgerlicher Parteien steht auch Boris Banga kritisch gegenüber: «Es nützt wenig, wenn sich Politiker medienwirksam mit der ‹Papieri› solidarisieren und gleichzeitig eine Politik betreiben, die Arbeitsplätze gefährdet», mahnt er und greift das Thema Papierfabrik wieder auf. Wichtig ist ihm aber auch, den starken Schweizer Franken zu bekämpfen, der den Werkplatz Schweiz gefährde.

Eine 1.-Mai-Rede wäre keine

1.-Mai-Rede, würde man nicht auch die soziale Ungerechtigkeit thematisieren. So machen sich Zanetti und Heim für die Mindestlohninitiative stark. «Wohlstand muss gerecht verteilt werden», fordert Zanetti und fährt fort: «Grenchen ist auch eine Industriegemeinde. Und als Arbeitervertreter werde ich mich dafür einsetzen, dass der Industriestandort Kanton Solothurn überleben kann.»

Gerechtigkeit bedeute aber nicht nur die Schliessung der Lohnschere, sondern auch Lohngleichheit zwischen Mann und Frau, erinnert Heim. «Wir wollen nicht noch einmal 30 Jahre auf die Gleichberechtigung warten.»

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