Vor gut zwei Jahren erhielt Wirtschaftsförderer René Goetz von der Stadt den Auftrag, ein Konzept für ein «Forum Bildung Grenchen» zu entwickeln, um dem sich akzentuierenden Fachkräftemangel am Jurasüdfuss entgegenzuwirken. Zwar gibt es mit der Berufswahlmesse «IBLive» ein gut funktionierendes Instrument für die Industrie – bei Kleinbetrieben und Gewerbe wird nach Wegfall der Mittelländischen Berufsmesse MIBE aber eine Lücke geortet. Zentraler Bestandteil des «Forums Bildung Grenchen» sollte werden: Eine Mischung aus Berufsmesse und Schnuppermöglichkeiten in Betrieben, genannt «Erlebniswelt Berufsbildung».

Die Zähne ausgebissen

Doch die Ernüchterung folgte prompt: «Die Berufswahlmesse wird dieses Jahr nicht über die Bühne gehen», bestätigt Wirtschaftsförderer Goetz auf Anfrage. Und er glaube nicht, dass die Zeit in den nächsten drei Jahren schon reif sein wird für ein «Forum Bildung Grenchen». Goetz: «Wir haben auf Granit gebissen.»

Und uns dabei die Zähne ausgebissen, wie René Goetz weiter ausführt. «Ohne die Unterstützung der Industrie ist das Projekt nicht umsetzbar. Die Grenchner Industrie hatte allerdings wenig Interesse daran, da sie nicht gewillt ist, zusätzlich zur IB Live etwas durchzuführen.»

Dafür habe er sogar Verständnis. Die Zusammenarbeit mit der Industrie funktioniere ansonsten auch sehr gut. «»Ich musste aber merken, dass ich in dieser spezifischen Angelegenheit nicht weiterkomme.» Deshalb sei das Projekt nun auf Eis gelegt. Was aber nichts daran ändere, dass sich die Berufswelt des Gewerbes in Grenchen auf einem absteigenden Ast befinde. Diese Problematik wird deshalb auch im nächsten Businessplan der Stadt fokussiert betrachtet. Dieser soll im April dem Gemeinderat vorgelegt werden.

Chance (vorerst) verpasst

René Goetz geht in seiner Einschätzung über die Situation des Gewerbes in Grenchen noch weiter. Dass das Projekt in den folgenden Jahren kaum eine Chance haben dürfte, liege auch daran, dass der Detailhandel und das Baugewerbe in Grenchen stärker werden müssen respektive derzeit noch zu klein sind für eine Messe, wie sie mit dem «Forum Bildung» vorgesehen gewesen wäre. «Vielleicht habe ich die ganze Sache auch einfach unterschätzt», meint Goetz ernüchtert.

Dennoch: Ganz gestorben sei die Idee nicht, denn die Fachkräfteproblematik am Jurasüdfuss ist nach wie vor vorhanden und wird sich mittelfristig wieder akzentuieren. Die Konzepte liegen vor. Wichtig fände Goetz, dass sich die kleinen und mittleren Betriebe der Stadt selber aktiv um eine Messe bemühen. Die Idee fand durchaus auch Anklang, etwa bei den Schulen und bei möglichen Partnern. Eine Zusammenarbeit mit der Berufswahlmesse in Olten beispielsweise wäre machbar und realistisch gewesen.