Wir haben mit Hauptmann Nicolas Rossier gesprochen, der zurzeit der Display-Pilot der Schweizer Luftwaffe ist.

Haben Sie als Teenager mal eine Vorführung des F/A-18 gesehen? Wenn Ja: Wo?

Nicolas Rossier: Natürlich! Als Kind und auch als Teenager habe ich mehrere Airshows besucht... Aber wo genau das war, kann ich nicht mehr sagen, diese Erlebnisse sind schon lange her.

Und dann haben Sie sich gesagt: Das will ich auch einmal machen...

Wahrscheinlich schon, aber eher unbewusst.

Was hat Sie denn motiviert, Militärpilot zu werden?

Ich bin in einer aviatischen Familie aufgewachsen. Mit 14 durfte ich bereits selbst ein Segelflugzeug steuern und fand dies sehr spannend. Diese Mischung aus Technik, Freiheit und Verantwortung hat mich schon immer fasziniert und angezogen.

Sie befinden sich nun im dritten Jahr als Display-Pilot F/A-18 der Schweizer Luftwaffe. Sind die Auftritte zur Routine geworden?

Nein, denn die Flugvorführungen sind immer unterschiedlich. Die visuellen Referenzen sind an jedem Vorführort anders, und ich bin fast nie zweimal am gleichen Ort aufgetreten.

Bei der Patrouille Suisse kann man sich nicht als Pilot bewerben. Wie läuft das Nominationsverfahren für den Solopiloten auf dem Hornet ab?

Es gibt nur alle drei Jahre eine freie Stelle. Um sich für diese bewerben zu dürfen, muss man mindestens 400 Flugstunden auf der F/A-18 vorweisen und zudem als Taktischer Leader und Fluglehrer qualifiziert sein. Als die Stelle vor ein paar Jahren frei wurde und ich die nötigen Voraussetzungen vorweisen konnte, habe ich mich gemeldet.

Danach entschieden die Chefs. Die Funktion als Display-Pilot ist nur ein Nebenamt. In meinem Berufsalltag werde ich weiterhin ganz normal und vollumfänglich in der Fliegerstaffel 17 eingesetzt, unter anderem im Luftpolizeidienst.

Haben Sie zur Validierung als Display-Pilot mit den Vorgängerpiloten ein Training absolviert?

Ja. Der Wechsel der Piloten ist sehr genau geregelt. Bereits im Vorjahr begleitet der zukünftige Pilot seinen Vorgänger mehrmals, um sich vorab mit den administrativen Tätigkeiten und der Organisation vertraut machen zu können. Dann beginnt die Ausbildung. Zuerst in der Theorie, dann im Simulator, gefolgt von Flügen im Doppelsitzer – erst in grosser und dann in mittlerer Höhe. Sind diese Etappen erfolgreich absolviert, steigt der ehemalige Display-Pilot aus dem Cockpit und coacht seinen Nachfolger weiterhin vom Boden aus. Jeder Flug wird eingehend analysiert, damit sich der Pilot verbessern kann. Der ehemalige Display-Pilot dient während der ganzen ersten Saison als Coach, ab der zweiten Saison ist der neue Display-Pilot dann allein.

Gab es eine unvergessliche Vorführung?

Sehr viele Displays sind unvergesslich, wenn ich aber eines hervorheben müsste, dann Ecuvillens. Dies, weil ich dort vor 17 Jahren den FVS-Kurs (der heutige SPHAIR-Kurs) absolviert habe. An diesem Ort hat mein Weg zum Militärpiloten seinen Anfang genommen, und dort 17 Jahre später die F/A-18 vorführen zu dürfen, war für mich persönlich sehr emotional.

Ist es ein grosser Unterschied, ob Sie in der Schweiz oder im Ausland fliegen?

Was das Fliegen angeht: nein. Aber bei der Organisation merke ich schon einen Unterschied. In der Schweiz fliege ich ab den Militärflugplätzen Payerne, Meiringen oder Emmen. Dort ist bereits alles vorhanden, was für eine Vorführung des F/A-18 gebraucht wird. Im Ausland hingegen muss ich alles mitnehmen: Ich werde jeweils von vier bis sechs Mechanikern begleitet, zudem muss unter anderem das erforderliche Material mittransportiert werden. All das braucht eine gute Organisation.

Welches sind die wichtigsten Parameter, die Sie während eines Displays beachten müssen?

Stets zu beachten sind die Höhe, Geschwindigkeit und Distanz zum Publikum. Zudem hat jede Figur ihre eigenen Werte und Eigenheiten.

Müssen Sie in Grenchen etwas Spezielles beachten?

Ja, denn es gibt dort ein Flachmoorgebiet und ein Vogelreservat. Über diesen muss eine höhere Mindestflughöhe eingehalten werden als sonst üblich.

Sie haben Ihre fliegerische Grundausbildung auf dem Regionalflughafen Fribourg-Ecuvillens absolviert. Verbindet Sie etwas zum Grenchner Flugplatz?

Ja. Alle Piloten der Schweizer Luftwaffe absolvieren einen Teil ihrer Grundausbildung bei Swiss Aviation Training. Somit habe auch ich einen Teil der praktischen Berufspilotenausbildung in Grenchen absolviert, wie alle Piloten der Swiss und der Luftwaffe. Ich flog von 2004 bis 2005 in Grenchen.

Mögen Sie die Bilder von van Gogh? Oder wie sind Sie zu Ihrem Codenamen Vincent gekommen?

Die Übernamen wählen wir nicht selbst aus, sie werden uns von den Kollegen gegeben. Man erhält quasi einfach einen neuen Namen.