Römer
Vor 70 Jahren wurde die erste Villa entdeckt

An der Jurastrasse sind Archäologen soeben auf die Überreste einer römischen Villa gestossen. Über den ersten solchen Fund im südlichen «Breitholz» vor 70 Jahren existieren bereits umfassende Informationen.

Patrick Furrer
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Der Römerplatz erinnert an den römischen Gutshof. Oliver Menge

Der Römerplatz erinnert an den römischen Gutshof. Oliver Menge

Solothurner Zeitung

Es ist ein spektakulärer Fund: Archäologen sind an der Jurastrasse in Grenchen auf einen römischen Gutshof und vermutlich auf die Mauerreste einer Villa aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert gestossen. Bei dem Fund handelt es sich nicht um den ersten derartigen Zeitzeugen in der Stadt. Im Herbst 1940 führte die damals neu gegründete Museumsgesellschaft ihr erstes grosses Unternehmen durch: die Ausgrabung der römischen «villa rustica» im Breitholz. Der Gutshof befand sich an einer der schönsten Lagen in Grenchen.

Schon 1870 im Gemeindeplan der Stadt

Prof. Dr. Franz Josef Hugi soll schon vor über 100 Jahren auf dem Eichholzhügel südlich Grenchen bauliche Überreste gefunden haben. Als römisches Kastell wurde das Mauerwerk schon im Gemeindeplan von 1870 vorgemerkt. Mit den Ausgrabungsarbeiten der Museumsgesellschaft wurde unter Aufsicht des kantonalen Konservators im Oktober 1940 begonnen.

Bis zu fünfzehn Arbeiter waren beschäftigt. Gefunden wurde eine terrassenförmig aufgebaute «villa rustica» aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert, mit neun Räumen und einer Wasseranlage. Die teilweise Räumung und Wiedereindeckung folgte im Februar 1941. Kurz darauf stiess man unterhalb der südlichen Portikusmauern auf einen mit Steinen zugedeckten Wasserkanal. Es zeigte sich, dass es sich um den Ablauf eines kreisförmigen Brunnenschachtes handelte. Der Schacht wurde ausgeräumt, ausgebessert und hochgeführt. Auf Kosten der Gemeinde wurde dort die öffentliche Anlage «Römerplatz» erstellt, mit Ruhebänken und Schattenbäumen.

Dicke Aussenmauern gegen Wind

Die Daten zur römischen Villa im Breitholz: Der Grundriss ist quadratisch mit einer Seitenlänge von 31,5 Metern. In der Mitte befand sich typischerweise der Hof, mit Massen von 13 mal 16 Metern. Die unterste Lage der Hofmauern, aus Kieselsteinen ohne Mörtel bestehend, war 60 Zentimeter breit. Die Länge der östlichen und westlichen Umfassung des Hofes betrug 13, die Breite 4 Meter. Vom nordwestlichen Eckbau wurde gutes, zum Teil noch aufgehendes Mauerwerk mit Vorfundamenten gefunden. Südöstlich des Hofes schliesslich stand ein gut erhaltener Wohnraum von 8 auf 8 Meter, mit dicken Aussenmauern zum Schutz vor der Bise.

Wer sich noch mehr für die römische Villa interessiert, kann sich einerseits zum «Römerplatz» im Süden Grenchens begeben, oder aber ins Kultur-Historische Museum Grenchen. Dort gibt es viele eindrückliche Fundstücke und Highlights aus dem Gutshof «Breitholz» und auch anderen Ausgrabungen zu bestaunen.

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