Serie Bachtelen
Von Römern, Schweden und heilsamem Wasser

Vor 100 Jahren wurde das Kinderheim Bachtelen in den Gebäuden des ehemaligen Bachtelenbades gegründet. Ganz früher waren in der Umgebung Römer unterwegs. Teil 1 der Serie zum Bachtelen.

Rainer W. Walter
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Im Jahr 1907 wurde das Fest des geheimnisvollen Bachtelengschrei gefeiert.

Im Jahr 1907 wurde das Fest des geheimnisvollen Bachtelengschrei gefeiert.

zvg

Das Kinderheim Bachtelen – das «Sonderpädagogische Zentrum für Verhalten und Sprache» – feiert in diesem Jahr zwei grosse Jubiläen: Vor genau 125 Jahren gründete Pfarrer Otto Widmer in Däniken-Rickenbach den St.-Josephs-Verein und gründete das erste Kinderheim.

Das zweite grosse Jubiläum des Kinderheims Bachtelen: Vor 100 Jahren zog der Gründer Otto Widmer mit gegen 200 Kindern nach Grenchen und übernahm die Gebäude und den Landwirtschaftsbetrieb des ehemaligen Bachtelenbades. Im Verlaufe der hundert Jahre entwickelte sich das Kinderheim Bachtelen zu einem wichtigen heilpädagogischen Betrieb mit Zweigdiensten in verschiedenen Gemeinden des Kantons.

Serie Bachtelen

In dieser 10-teiligen Serie beleuchten wir die Geschichte und Aspekte des Bachtelen, das in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiert. Im ersten Teil gehen wir zu den Anfängen.

Wer in unserer Gegend etwas tiefer in der Geschichte gräbt, der gerät unweigerlich in die Nähe der Römer. In der Umgebung des Bachtelentälchens führte der Galenweg vorbei, die Verbindung von Grenchen über Romont nach Vauffelin. Im Gebiet dieser Strasse fand man eine Münze mit dem Bildnis des römischen Kaisers Magnus Maximus, der nur gerade von 383 bis 388 nach Christi regierte. Dass die Römer das Bachtelenwasser schätzten, beweisen die Überreste römischer Bäder, die man bei Grabarbeiten 1828 gefunden hatte.

Die Sage vom «Bachtelengschrei»

Bei den alten Grenchnern galt das Bachtelentälchen als unheimliche Stätte. Für zusätzlichen Angststoff sorgte die Sage vom alten Schwed. Dieser sei im Dreissigjährigen Krieg von Moutier, wo er in den Truppen des Weimarer Herzogs Bernhard, der damals noch im Dienste des schwedischen Königs stand, gegen die Katholiken gekämpft hatte, nach Grenchen gekommen. Er sei hier gestorben und im Gebiet der Witi begraben.

Manchmal reitet der Schwed im Sommer auf einem dreibeinigen schwarzen Pferd und begleitet von einem dreibeinigen schwarzen Hund durch die Luft, schreiend durch das Bachtelentälchen und gegen die Wandfluh zu. Wenn dies geschieht, zieht jedes Mal ein schreckliches Unwetter durch die Gegend. Wen verwundert es, dass die Grenchner sich vor dem «Bachtelengschrei» fürchteten und das kleine Tal mieden?

Joseph Girard hatte Probleme

Ausgerechnet das Bachtelentälchen erbte der Landwirt und Garnbleicher Joseph Girard. Er gehörte zu jener Gruppe aufmüpfiger Solothurner, die das wiedererstandene Regierungssystem der «gnädigen Herren» bekämpften.

Girard war kein Mitläufer, sondern einer, der anführte. Er stellte sich an die Spitze einer Gruppe Leberberger Männer, die in Solothurn die gesamte Regierung verhafteten. Als dann die Soldaten aus der Garnison anrückten, musste sich Girard geschlagen geben und wurde zur Landesverweisung verurteilt. Das Urteil wurde bald schon in eine saftige Geldstrafe umgewandelt.

Girard war aber nun als liberaler Revolutionär aktenkundig. Im Bachtelentälchen schnitt er eines Tages Lischengras. Ein hartnäckiger Husten plagte ihn und seine Lunge schmerzte. Als Girard hustend seiner Arbeit nachging, trank er vom Wasser der Quelle, die hier sprudelte. Ihm war, der Husten und die Brustschmerzen liessen nach. Auf jeden Fall suchte der Bauer anderntags die Quelle wieder auf, trank vom Wasser und fühlte sich viel besser. Offenbar setzte Joseph Girard seine Kur fort und war geheilt. Und damit begann alles.

Die Vernissage zur Ausstellung 125 Jahre Kinderheim Bachtelen im Kultur-Historischen Museum findet statt am Donnerstag, 18. August 2016, um 19 Uhr. Der Anlass ist öffentlich.