Am Donnerstag wird im Fernsehen SRF eine Dok gesendet, in der Grenchen und seine Menschen die Hauptrolle spielen. Gerne hoffe ich, dass der Filminhalt besser ist als der Begleittext, in dem vom Sterben von Industriebetrieben die Rede ist. Selbstverständlich gehen Fabriken ein. Nicht nur in Grenchen. Aber es kommen wieder neue hinzu. Werden und Vergehen auch in Industrie und Gewerbe. Aber die SRF-Aussage erinnert an die 1970er-Jahre und impliziert eine wirtschaftliche Krise, die so definitiv nicht stattfindet. Sogar das Gegenteil ist wahr: In Grenchen stieg die Zahl der Arbeitsplätze von 2005 bis 2015 um 11,4% auf absolut 10 974 Beschäftigte. Die Wachstumsrate liegt fast doppelt über dem kantonalen Schnitt.

Die Frage ist eher: Was haben wir als Stadt, als Gemeinwesen, von diesem Wachstum in der Wirtschaft? Offenbar zu wenig, wenn ich in die trotz jahrelangen Sparbemühungen fast leere Stadtkasse blicke. Wir haben ein Problem bei den Einnahmen, nicht bei den Ausgaben. Auf kantonaler Ebene sieht es kaum anders aus. Das wird bei der Diskussion um die Steuervorlage 17 bei Steuererleichterungen für die Wirtschaft noch zu reden geben.

Im Fernsehfilm wird offenbar auch die Abstinenz der Grenchner Stimmbürgerinnen und -bürger angesprochen. Die bereitet auch mir einiges an Kopfzerbrechen. Sie ist so hoch wie sonst kaum in einem anderen Ort im Kanton. Für mich sind wir hiermit am Ende einer unguten Entwicklung angelangt, die mit der Halbierung des Gemeinderats von 30 auf 15 Mitglieder und mit der Abschaffung von vielen politischen Kommissionen begonnen hat. Vor einer Generation waren noch deutlich mehr Menschen in Grenchen in die politischen Prozesse einbezogen als heute. Nur ein Beispiel: Es gab eine Polizei- und Verkehrskommission, welche der Stadtpolizei auf die Finger schaute. Wetten, dass etliche der heute noch umstrittenen Verkehrsmassnahmen mit einer demokratisch gewählten Kommission nicht so umgesetzt worden wären?

Der Gemeinderat ist zwar die Regierung der Stadt, aber mit parlamentarischen Instrumenten wie Motion, Postulat und Interpellation ausgestattet. Also was ist der Rat jetzt? Parlament oder Regierung? Selber bin ich der Meinung, dass der Gemeinderat für eine Stadt von fast 18 000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu wenige Mitglieder hat. Ganz abgesehen davon, dass leider auch zu wenige Frauen darin Einsitz haben. Über die politische Organisation unserer Stadt gilt es zu reden. Und zwar bald, sodass allfällige Massnahmen auf die nächste Legislaturperiode umgesetzt werden können. Auch Kommissionen sollten wiederbelebt werden.

Das Ziel ist schlicht: in Grenchen wieder mehr Menschen an den politischen Prozessen beteiligen lassen. Und jetzt, ich erahne es, kommt die Ausrede: Man findet keine Menschen mehr, die in der Politik mitarbeiten wollen. Lasse ich nicht gelten! Mehr politische Jobs gleich mehr Menschen, die sich dafür interessieren. Wetten?

*Peter Brotschi, Kantons- und Gemeinderat CVP