Grenchner Kleintheater

Von einer geglückten Rede

Simon Chen hält eine Rede. Hanspeter Bärtschi

Simon Chen hält eine Rede. Hanspeter Bärtschi

Kabarettist Simon Chen präsentierte im Grenchner Kleintheater sein erstes Programm namens «Meine Rede».

Karg die Ausstattung mit Stuhl und Rednerpult, umso reicher das Menü, welches Simon Chen mit seinem Programm «Meine Rede» den Anwesenden im Kleintheater auftischte. Viele Wortspielen, verdrehte Zitate, versteckte und offensichtlichere Anspielungen, die gar oft bitterböse ins Schwarze trafen, ein gemütliches Eintrudeln gab es dabei nicht.

Bereits die Eröffnungsrede eines hemdsärmeligen Schweizer Politikers hatte es in sich. Das Schweizer Sozial- und Asylsystem sei nämlich ein Auffangnetz und kein Auffangtuch, da könne schon mal der eine oder der andere durch die Maschen fallen, polterte dieser in den Saal und schwafelte irgendwann zwischen den Sätzen gleich noch etwas von «Mein Kampf».

Schauspielerisch ausgebildet

Bei seinem Kabarett-Erstling kommt Simon Chen seine Ausbildung zum Schauspieler zugute. Eindrücklich in Mimik, Gestik und Diktion parodiert er Rednertypen, nimmt dabei so manches und manche aufs Korn, schwadroniert nur, wenn dramaturgisch nötig, um den heissen Brei herum und getraut sich auch an diffizile Themen.

Als Pfarrer beackert er bei einer Trauerrede höchst amüsant das Wortfeld «Weg-weg», um mit den tröstlichen Worten zu enden, dass sich die Qualität des Verstorbenen wie beim Wein besonders im Abgang gezeigt habe. Einen Community-Lautsprecher lässt er mit modernem, digitalem Vokabular auf Opfer- sprich Mitgliederwerbung gehen, der zudem verspricht: «Wir brauchen kein Zölibat, um keinen Sex zu haben.»

Dazu kommt ein islamistischer Selbstmordattentäter «stückweise» in den Himmel, nur um dort festzustellen, dass die 72 Jungfrauen schon vergeben und verbraucht sind. Hätte er doch mal lieber die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des «IS» gelesen. Weiter verkörpert Simon Chen brillant einen zynischen, selbstverliebten Erfolgsmenschen, der sein Glück auf Kosten anderer macht und dies auch nicht zu verheimlichen sucht.

Er lässt einen Schweizer Parlamentarier in perfektem Englisch mit schweizerdeutschem Einschlag dem Ausland unser Land erklären, hält als Vater und Ehepartner eine köstliche Ansprache, in welcher die Familie zum Synonym für schweizerische Politik wird, und streut unvermutet eine Wut-Rede gegen einen imaginären Handybenutzer während seines Auftrittes ein.

Langer Rede, kurzer Sinn ...

Ob all dieser Wandlungsfähigkeit verwundert es nicht, dass der 44-Jährige auch Anleitungen zu einer geglückten Rede erteilt, in welcher unter anderem der rhetorische Einsatz des Hosensackes zum Thema wird oder man staunend erfährt, dass das Rednerpult bei Fidel Castros ausschweifenden Betrachtungen gelegentlich vom Katheder zum Katheter mutierte. Guter Rat muss nicht immer teuer sein: Wer demnächst eine Rede halten muss, besucht eine Vorstellung von Simon Chen. Dort wird er genügend Inspiration finden.

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