Gesundheitswesen
Vom Spiel zum blutigen Ernst – animierter Vortrag zur Notfallbehandlung

Animierter Vortrag zur Notfallbehandlung im Parktheater Grenchen. Das Ziel des Abends war hauptsächlich die Vermittlung von Information. Information zur Arbeit der Notfallstation und der Rettungsdienste.

Daniela Deck
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Notfallbehandlung Vortrag
4 Bilder
Vortrag und Demo Rettungsdienst und Notfallstation Solothurner Spitäler
Eva Maria Genewein, Ärtzin der Notfallstation: «Das Warten auf dem Notfall ist das Schwierigste für die Leute»
Roger Schwab (rechts), Stationsleiter der BSS-Notfallstation, erklärte die fünfstufige Triage, nach der jeder Patient beim Eintritt eingeteilt wird.

Notfallbehandlung Vortrag

michelluethi.ch

Nonna bricht auf dem Sofa zusammen. Ein junger Mann schleppt sich blutig und zerschunden nach einem Velounfall ins Spital: Die Szenen, die am Dienstag im Parktheater aufgeführt wurden, sprengen den Rahmen des unterhaltsamen Schauspiels. Das Ziel des Abends war denn auch hauptsächlich die Vermittlung von Information. Information zur Arbeit der Notfallstation und der Rettungsdienste.

Unterstützt von Bildern der echten Arbeit auf der Grossleinwand, zog eine spontan zusammengewürfelte Truppe aus Freunden und Angehörigen der Notfallärzte des Bürgerspitals Solothurn (BSS) das Publikum gekonnt in den Bann. Auch Rettungssanitäter aus Solothurn und Grenchen spielten mit. Nach nur einer Probe am frühen Abend standen fast so viele Darsteller auf der Bühne, wie die 20 Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich vorsichtig auf die hinteren Ränge verteilten. Gegen Wetter und Fussball hilft keine Medizin.

Warum warten?

Vom bescheidenen Aufmarsch liess sich Eva Maria Genewein nicht entmutigen. Drei Tage vor ihrem Abschied als leitende Ärztin der Notfallstation des Bürgerspitals, liess sie es sich nicht nehmen, durch den Vortrag zu führen. «Das Warten auf dem Notfall ist das Schwierigste für die Leute», weiss sie aus Erfahrung. Bei den rund 100 Personen, die täglich auf die Notfallstation kommen, um Weihnachten sind es 170, geht es nicht ohne warten. Denn lebensbedrohliche Vorkommnisse (Herzinfarkt, Gehirnschlag, schwerer Blutverlust und Ähnliches) haben Vorrang.

Umso wichtiger ist es, dass Patienten respektive Angehörige die richtigen Dokumente für die Rettungskräfte bereithalten: Krankenkassenausweis, Identitätskarte, Allergiepass, Medikamentenliste und sofern vorhanden, die Patientenverfügung. «Nur die Medikamente mitzunehmen, bedeutet für uns manchmal ein Detektivspiel. Das kostet wertvolle Zeit. Eine Liste ist immer besser», appellierte Genewein an die Öffentlichkeit.

Triage erklärt

Roger Schwab, Stationsleiter der BSS-Notfallstation, erklärte die fünfstufige Triage, nach der jeder Patient beim Eintritt eingeteilt wird. So fällt ein Herzinfarkt in die dringlichste Kategorie eins, ein verstauchter Fuss in die Stufe vier, weil er immerhin geröntgt werden muss. «Auf der Triage arbeiten unsere erfahrensten Leute. Anfänger sind dafür nicht geeignet», erklärte Schwab. Zugleich räumte er mit der Idee auf, dass im Schockraum nur lebensbedrohliche Fälle behandelt werden. Auch extreme Schmerzen könnten einen dorthin bringen.

«Was will der Patient, und was ist schlau, wenn Angehörige kommen?», fragte anschliessend Eva Maria Genewein. Sie respektiert es, wenn Angehörige dem Schockraum fernbleiben wollen, gibt aber zu bedenken, dass die Anwesenheit beim Verarbeiten der Situation helfen kann. Den Kampf zur Wiederbelebung mitzuverfolgen, würde selbst im schlimmsten Fall, beim Tod des Patienten, helfen die Realität zu akzeptieren.

Verfügung präzis formulieren

Doch will eine Person überhaupt wiederbelebt werden? «Reden Sie in der Familie über solche Themen», ermutigte sie das Publikum. In der Fragerunde zeigte sich, dass eine Patientenverfügung je präziser formuliert, desto nützlicher ist. So mache die Laienformel «keine Maschine» die Ärzte ratlos. «Denn streng genommen ist bereits eine Bluttransfusion eine Maschine», nannte Genewein ein häufiges Beispiel.

«Auch wenn wir in der Medizin immer mehr können, gibt es einen grossen Graubereich. Je mehr wir vom Patienten erfahren, desto besser können wir seinen Willen respektieren.» Übrigens: «Auf dem Notfall mündlich geäusserte Absichten des Patienten stehen über der Patientenverfügung. Diese ist für uns dann bindend, wenn sich ein Mensch nicht mehr selbst äussern kann.»