Ein rosa Plüschhund verbindet Kontinente, eine Sonnenblume begründet Vertrauen zwischen Generationen und Religionen: Anton Schmid braucht in seinen Geschichten kleine Dinge, um Menschen in Beziehung zu bringen.

Seine «Randbegegnungen» sind allerdings keine leichte Bettlektüre. Der Theologe, Sozialarbeiter und langjährige Religionslehrer im Kinderheim Bachtelen hat viele schwere Schicksale gesehen und sich von ihnen berühren lassen. Einige spiegelt er in seinem Buch, das Ende letztes Jahr erschienen ist.

Kein billiger Trost

Hoffnung schimmert in seinen detailreichen Beschreibungen überall, billigen Trost gibt es nirgends. In acht Kurzgeschichten vermischt Anton Schmid Realität und Fantasie, Erinnerungen und Träume. «Ich kann mich durchs Schreiben intensiver ausdrücken als durch gesprochene Sprache», sagt er.

Dabei gehe ihm das Schreiben nicht etwa leicht von der Hand. Er erzählt im Buch präzis und bildhaft, eine Fähigkeit, die er zu einem guten Teil für seine Frau Heidi erworben hat. Heidi Schmid ist blind.

Eine Faszination, die beide Ehepartner teilen und die sich im Buch niederschlägt, sind Gerüche. «Wir haben so wenig Vokabular, um Gerüche zu beschreiben», bedauert der Autor. Bei seiner Tätigkeit im «Bachtelen» (1976 bis zur Frühpensionierung 2005) habe er «bestimmt 2000 Hausbesuche gemacht und dabei eine Faszination für Treppenhausgerüche entwickelt».

Vom Einsiedler und vom Respekt

Zu Ehren der Welt voller Duft und Gestank betätigt sich Anton Schmid gar als Wortschöpfer. In der Geschichte vom «Olfaktologen» beschreibt er einen Mann, der mit Schmetterlingsnetz und Plastiksäckli auf die Jagd geht. Humor blitzt in der Geschichte eines Obdachlosen auf, dem ausgerechnet eine grosszügige Geste zum Verhängnis wird.

Im «Lehmgrubennoldi» setzt der Bettlacher einem Einsiedler aus seiner Kindheit ein Denkmal. Während der Noldi im Buch vom Hass im Dorf vertrieben und sein Hund verstümmelt wird, sei sein Vorbild in der Gipsgrube in Oberehrendingen eine Kapazität für Orchideen gewesen. Sogar von der ETH seien die Professoren mit ihren Studenten gekommen, um vom Wissen des Einsiedlers zu profitieren.

Einige Geschichten hat Anton Schmid in der Ich-Form geschrieben, andere in der dritten Person. Von Kriegstraumata schlägt er den Bogen zur modernen Geissel der Arbeitswelt, dem Burnout. Der rosa Stoffhund Rosalie verbindet die Ausbeutung von Textilarbeiterinnen mit der Gefühlswelt von Kindern und Menschen mit Demenz. Die Sonnenblume bringt ungleiche Nachbarn zusammen. Zentral ist für Anton Schmid der Respekt vor dem Menschen, beim Schreiben, wie auch beim Fotografieren, einem weiteren seiner Hobbies.

Eine Schatztruhe für Geschichten

«Ich habe noch viele Ideen», sagt Anton Schmid. Seine bewegte Biografie umfasst die Weihe zum katholischen Priester, später die Heirat, Arbeit mit Obdachlosen in Mailand und bei Pfarrer Sieber in Zürich, die Tätigkeit mit Kindern und Eltern. Eine Schatztruhe für jede Menge weitere Geschichten.

«Randbegegnungen» ist Anton Schmids drittes Buch. 2003 verfasste er die Geschichte «Geh auf, kleiner Stern», 2012 folgte mit «ZeitenSand» ein Gedichtband. So beschäftigt ist der Schriftsteller mit Fabulieren, dass er noch kaum dazu gekommen ist, die Vernissage seines neuen Werks zu planen. Doch zuerst soll das Buch Ende März den Weg an die Buchmesse in Leipzig finden: «Die Verlegerin will es dort präsentieren», freut sich der Autor.

Schmid, Anton, Randbegegnungen. Erzählungen, Zug, 2016. Erhältlich im Buchhandel. Eine Buchvernissage mit musikalischer Umrahmung findet am Sonntag, 2. April, um 17 Uhr im Girardsaal im Zentrum Bachtelen statt.