Roland Stach
Vom Pfarramt an die Kirchenspitze: Bettlacher Pfarrer ist jetzt Synodalrat

Der ehemalige Bettlacher Pfarrer Roland Stach wurde an der Synodesitzung im Dezember zum Synodalrat der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn gewählt. Auf den 64-Jährigen wird einige Arbeit zukommen.

Andreas Toggweiler
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Oliver Menge

An ihrer letzten Synode-Session im Dezember hat die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn den langjährigen Bettlacher Pfarrer Roland Stach in den siebenköpfigen Synodalrat (Exekutive) der grössten reformierten Kirche der Schweiz gewählt. Sie umfasst die Reformierten der Kantone Bern, Jura und im oberen Kantonsteil von Solothurn (Bezirkssynode). Stach ist erst der zweite Solothurner Synodalrat in der Geschichte der Kirche.

Roland Stach (64) war letztes Jahr als Pfarrer von Bettlach vorzeitig in den Ruhestand getreten. Er ist seit nunmehr drei Jahren auch Synodaler (Mitglied des Kirchenparlaments) und sei schon im Frühjahr 2017 für eine eventuelle Kandidatur angefragt worden im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen 2018, wie Stach im Gespräch erläutert. Da Synodalrat Jörg Haberstock aber im Oktober im Amt verstarb, erfolgte die Wahl eines Nachfolgers bereits in der Dezembersynode.

Von 27 auf über 90 Millionen

Stach wurde an der Synodesitzung vom 12. Dezember, welche jeweils im Grossratssaal im Berner Rathaus stattfindet, mit 140 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 71 Stimmen gewählt. Er gehört der Liberalen Fraktion an. Die Fraktion der Mitte, der Haberstock angehört hatte, verzichtete zugunsten Stachs auf eine Nomination, auch wenn die Liberalen jetzt mit Synodalratspräsident Andreas Zeller und Stach zwei Sitze in der Exekutive haben. Bei der nächsten Vakanz wollen die Liberalen zugunsten der Mitte verzichten.

Auf Roland Stach wird einige Arbeit zukommen, hat doch der Kanton Bern im neuen Landeskirchengesetz das Verhältnis zwischen Kirche und Staat neu geregelt. Ab 2020 werden die Pfarrpersonen von den Landeskirchen besoldet, nicht mehr vom Kanton. Das bedeutet, dass das Finanzbudget der Synode sich von heute 27 auf über 90 Millionen Franken vervielfachen wird.

Roland Stach

Roland Stach (64, wohnhaft in Bettlach) machte zuerst eine Maschinenmechanikerlehre, bevor er die Matura nachholte und Theologie studierte. Er war Gemeindepfarrrer, Religionslehrer (Kantonsschule und Lehrerseminar) und hat das musische Gymnasium Solothurn aufgebaut (1998-2000).

Danach arbeitete er 2001-2007 im Planungsstab der Armee mit Schwerpunkt Planungsaufgaben und Organisationsentwicklung, zuletzt im Range eines Obersten. 2007-2017 war Roland Stach Gemeindepfarrer in Bettlach. Er ist Präsident des Pfarrvereins Bezirk Solothurn und Dienstchef im Care-Team des Kantons Solothurn (Notfallseelsorge). Stach ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. (at.)

«Vision 21» umsetzen

Personal und Finanzen, das sind im ressortmässig geführten Leitungsgremium die Verantwortlichkeiten Stachs, der sich dank verschiedener Weiterbildungen im Bereich Unternehmensführung, strategische Planung und Projektmanagement für die Aufgabe gerüstet sieht. Doch bei Führung geht es nicht nur um Zahlen. «Die Umsetzung der Vision «Kirche 21» ist mir auch ein grosses Anliegen», sagt Stach. Die Vision der Kirche wurde in einem basisnahen Prozess erarbeitet und an einem grossen Fest letztes Jahr verabschiedet.

Die Arbeit im Synodalrat umfasst ein 45-Prozent-Pensum mit einer Arbeitsbelastung von 50-60 Prozent, umschreibt Stach die Aufgabe. Zu den 14-täglichen Synodalratssitzungen in Bern kommen wöchentliche Sitzungen mit den Bereichsleitern sowie weitere Aufgaben. Sein Büro ist aber zu Hause in Bettlach.

Ruedi Köhli, langjähriger ehemaliger Kirchenverwalter von Grenchen-Bettlach und Präsident der Solothurnischen interkonfessionellen Konferenz (SiKo) gibt seiner Freude Ausdruck, dass der Kanton Solothurn nach langer Zeit wieder einen Synodalrat stellen kann. «Jetzt haben wir wieder einen direkten Draht zur Kirchenleitung.» Als letzte Solothurnerin hatte Doris Feldges von 1991-1999 dieses Amt inne – als bisher erste und einzige Solothurnerin.

«Gemeinsamkeit betonen»

Ruedi Köhli, der letztes Jahr als Verwalter pensioniert wurde, hat kürzlich Hans Leuenberger (Nennigkofen) an der Spitze der Bezirkssynode abgelöst, dem Teil der Solothurner Reformierten, der zur Berner Kirche gehört. Köhli stand der Bezirkssynode schon einmal vor, nämlich von 1978-1990.

Die Solothurner haben elf Synodale in der Berner Synode, sind also im 200-köpfigen Kirchenparlament eine kleine Minderheit. Marginalisiert werde man deswegen keineswegs, betonen Stach und Köhli übereinstimmend. Man sei auf Augenhöhe mit den Berner Kollegen, auch wenn die staatskirchliche Organisation dahinter differiere. «Wir betonen die Gemeinsamkeiten, nicht die Unterschiede», meint Stach.

Reformierte BE/JU/SO

218 Kirchgemeinden

Zum Einzugsgebiet der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn gehören 203 Kirchgemeinden und drei Gesamtkirchgemeinden (Bern, Biel, Thun) im Kanton Bern, die acht Kirchgemeinden im oberen Teil des Kantons Solothurn sowie die drei reformierten Kirchgemeinden des Kantons Jura. Insgesamt zählten die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn im Jahr 2014 617'338 Mitglieder (572'222 im Kanton Bern, 37'935 im Kanton Solothurn und 7181 im Kanton Jura). (rrg)

Einflussreiche Solothurner

Genau genommen sind die Solothurner in der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn sogar ziemlich gut positioniert, beispielsweise bei den Kommissionspräsidien: Die Solothurnerin Barbara Fankhauser ist Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission, der Grenchner Robert Gerber präsidiert die Finanzkommission der Synode (die er auch schon präsidiert hat) und Roland Stach war zuletzt Co-Präsident der nichtständigen Kommission Kirche und Staat, die die Umsetzung des neuen Landeskirchengesetzes durch die Landeskirche begleitet.