Morgen Sonntag feiert eine Grenchner Persönlichkeit ihren 80. Geburtstag. Ein Unternehmer, der Grossartiges für unsere Stadt und die Uhrenindustrie geleistet hat. Er wurde am 21. April 1939 in Biel geboren und absolvierte Ende der 1950er-Jahre in der ETA in Grenchen eine Lehre als Mechaniker. Diese schloss er mit einem Spitzenresultat ab.

Das genügte ihm nicht. Er interessierte sich für Naturwissenschaften und begann in Bern und Lausanne ein Studium der Chemie, das er 1967 abschloss. Das genügte ihm nicht. Berufsbegleitend wandte er sich dem Medizinstudium zu – sein Vater war Arzt und einige seiner Verwandten auch – sie hatten ihn offensichtlich «infiziert». 1975 verliess er die Universität Bern als Doktor der Medizin. Einer Karriere als Arzt stand nichts mehr im Wege.

Aber dem war nicht so. Sein Wissensdurst war noch längst nicht gestillt. Schon während seines Medizinstudiums absolvierte er noch Management- und Marketinglehrgänge am Europäischen Institut für Unternehmensführung (INSEAD) im französischen Fontainebleau.

1970 hatte er begonnen, für den britischen Pharmakonzern Beecham zu arbeiten und war dort zeitweise in der klinischen Antibiotikaforschung tätig und wirkte auch am pharmakologischen Institut des Unternehmens in Göteborg. Die Briten realisierten sein breites Wissen und übertrugen ihm bald einmal die Marketingdirektion ihrer Europa-Division.

Jetzt will ich aber das «Geheimnis» über den Mechanikerlehrling – sofern Sie es noch nicht erraten haben – lüften. Am 1. Januar 1978 kehrte der ehemalige Mechanikerlehrling Ernst Thomke als designierter Generaldirektor der ETA SA nach Grenchen zurück. Für die in Schwierigkeiten steckende Schweizer Uhrenbranche war diese Berufung mehr als nur ein Sechser im Lotto. Thomkes Anamnese war klar und die Diagnose ebenso präzis. Der harte Konkurrenzkampf mit den Japanern verlangte unter anderem nach einer Konzentration der Kräfte in der Schweizer Uhrenindustrie. Thomke führte die ETA konsequent mit der Schild SA (ASSA) zusammen und brachte die Uhrenbranche wieder auf Vordermann. Ohne sein konsequentes Handeln wäre die Schweizer Uhrenbranche heute nicht mehr konkurrenzfähig. Projekte wie SWATCH, Delirium Tremens (die flachste Uhr der Welt)

und die Konzentration der Kräfte sind nur ein Teil seiner grossartigen Verdienste.

1991 zog er sich bei Swatch zurück und sanierte konsequent und erfolgreich diverse Schweizer Unternehmen oder beteiligte sich erfolgreich an ihnen. Seine Erfahrung war und ist immer noch gefragt.

Die ETH Lausanne verlieh ihm 1990 sogar den Ehrendoktor. In Grenchen wurde er zum «Chappelitüfel» ernannt. Das Ehrenbürgerrecht wäre sicher eine verdiente Anerkennung.